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Europäische Zentralbank:Das Interesse der kleinen Länder

Zur SZ sagte er vor kurzem: "Mein Vertrag läuft bis zu meinem 66. Geburtstag, und dann gibt es ein Leben nach der Zentralbank." Würde aber Weber an die EZB-Spitze rücken, dann könnte Stark nicht bleiben, denn zwei Deutsche haben dort keinen Platz. Die geldpolitischen Positionen von Weber und Stark weichen nicht grundsätzlich voneinander ab, beide gelten als strikte Verfechter einer harten Währung und von strengen Regeln. Stark hat eine lange Karriere als Staatsdiener hinter sich. Er war in die Vorbereitungen zur Währungsunion eingebunden, hat den Stabilitäts- und Wachstumpakt mitgestaltet.

Damals war ein zweiter deutscher Spitzenbeamter beteiligt, Klaus Regling, 60. Der leitet den Europäischen Stabilisierungsfonds, der schuldengeplagte Staaten wie Irland mit Geld versorgt. Vorher war er Leiter der Generaldirektion Wirtschaft der EU-Kommission und auch beim Internationalen Währungsfonds. Reglings Name, so wird kolportiert, tauche auf der Wunschliste der Franzosen ganz oben auf. Er selbst sagt: "Nein. Ich habe bereits einen guten Job."

Muss es überhaupt ein Deutscher werden? Schon beim Start der Währungsunion hatte man sich mit Wim Duisenberg auf einen Vertreter eines kleinen Landes, der Niederlande, geeinigt. Die Niederlande kämen deshalb nicht mehr in Frage, zumal der niederländische Notenbankpräsident Arnout Wellink, 67, kurz vor der Pensionierung steht. Ähnlich liegt der Fall bei dem Belgier Guy Quaden, 65, und dem Österreicher Ewald Nowotny, 66. Gehandelt werden dagegen die Namen des Luxemburger Notenbankpräsidenten Yves Mersch, 61, und des Finnen Erkki Liikanen, 60.

Die beiden stammen aus den stabileren Ländern der nördlichen Eurozone und das ist auch der Grund, weshalb sie auf der Kandidatenliste auftauchen. Mersch hat mit diesem Kandidaten-Karussell bereits eine schmerzliche Erfahrung hinter sich. Vor einem Jahr galt er als aussichtsreichster Anwärter auf den Posten des EZB-Vizepräsidenten. Geworden ist es aber der Portugiese Vitor Constancio. Damals wurde nämlich eine Nord-Süd-Regel ins Personalgeschacher um die EZB-Posten eingeführt. Angeblich muss seither der Chef der Notenbanken aus dem Norden und sein Stellvertreter aus dem Süden kommen oder umgekehrt. Auf jeden Fall sollte es ein Vize aus dem Süden geworden sein, um Weber den Weg nicht zu verbauen.

Die Suche nach dem dritten Mann, neben Weber und Draghi, sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für so manche falsche Fährte. So wurde Dominique Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds, als möglicher Trichet-Nachfolger genannt. Der Name klingt gut, aber offenbar soll auf diese Weise ein möglicher Konkurrent um die französische Präsidentschaft weggelobt werden.

Ein halbes Jahr könnte die Kandidaten-Kür noch dauern. Beim Gipfel im Juni 2011 müssen die Regierungschefs der EU mit einer Mehrheit von zwei Dritteln den nächsten EZB-Präsidenten bestimmen. Gewiefte Eurokraten tippen auf Paketlösungen. Es gibt nämlich noch ein paar weitere Posten neu zu vergeben. Dazu zählen die Leitung der Europäischen Investitionsbank (EIB), die der Belgier Philippe Maystadt aufgibt, ein Platz im EZB-Direktorium, den die Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell verlässt, sowie möglicherweise der IWF-Chefposten, wenn Strauss-Kahn sich in den Wahlkampf in Frankreich einschalten würde.