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Neue Nutzungsbedingungen:Was passiert am Samstag mit Whatsapp?

Frau mit Smartphone

Die Inhalte der Nachrichten sind bei Whatsapp sicher - aber es landen jede Menge Metadaten bei Facebook.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Bis zum 15. Mai sollte man neuen Nutzungsbedingungen zustimmen. Was sich ändert, wie Whatsapp Druck machen will und welche Messenger garantiert Facebook-frei sind.

Von Simon Hurtz, Berlin

Millionen Menschen sehen seit Monaten jeden Tag aufs Neue einen bildschirmfüllenden Hinweis auf ihrem Smartphone: Whatsapp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und hätte gern, dass man den Änderungen zustimmt - bis zum 15. Mai. Was bedeutet das? Und was droht, wenn man sich verweigert? Ein Überblick.

Was passiert am Samstag?

Mehr als zwei Milliarden Nutzerinnen und Nutzer sollen bis Samstag neue Nutzungsbedingungen und eine überarbeitete Datenschutzerklärung akzeptieren. Diese Frist sollte ursprünglich bereits Anfang Februar auslaufen. Doch das kleine Pop-up löste gewaltige Panik aus. Whatsapp verschob deshalb die Frist um drei Monate nach hinten.

Was passiert am Samstag wirklich?

Möglicherweise gar nichts - zumindest nicht sofort. "Es werden (...) weder Accounts gelöscht noch die Funktionalität eingeschränkt", versichert Whatsapp selbst. Vor einigen Tagen klang das noch anders: Eigentlich wollte Whatsapp am 15. Mai anfangen, renitente Nutzerinnen und Nutzer auf kalten Entzug zu setzen. "Du wirst (...) in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden können", hieß es in einer früheren Version der Erklärung.

Doch die Empörung ist groß, wohl deshalb will Whatsapp die Erinnerung noch "einige Wochen" lang anzeigen, bis sich das Pop-up permanent über die Chat-Ansicht legt. Dann kann man weiter Sprach- und Videoanrufe annehmen oder Botschaften beantworten. Einen Chat selbst zu starten, ist aber nicht mehr möglich. Nach "ein paar Wochen" soll Whatsapp dann endgültig verstummen. Die vagen Zeitangaben der vergangenen Monate lassen aber Spielraum für weitere Verschiebungen.

Was ändert sich durch die neuen Bedingungen?

Whatsapp will mit seinen Firmenkunden Geld verdienen. Deshalb überarbeitet es die Nutzungsbedingungen und gibt Unternehmen die Möglichkeit, direkt mit Nutzerinnen und Nutzern zu kommunizieren. Zudem ändert Whatsapp einige Passagen der Datenschutzerklärung, um klarer zu machen, wie es Informationen verwaltet. Doch die beiden größten Befürchtungen treffen nicht zu: Zum einen bleiben Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Whatsapp kann die Inhalte niemals sehen. Zum anderen werden zwar Metadaten mit dem Mutterkonzern geteilt, sodass Facebook erfährt, wer die App wann öffnet und mit wem chattet. In der EU verhindert aber die Datenschutzgrundverordnung, dass diese Informationen für Werbezwecke verwendet werden.

Warum dann die ganze Aufregung?

Teils beruht die heftige Gegenreaktion auf Gerüchten und Panikmache, teils ist sie selbst verschuldet: Der größte Kommunikationsdienstleister der Welt hat mies kommuniziert. Der ursprüngliche Hinweis in der App war dürftig, nirgendwo wurden die Änderungen verständlich erklärt. Nach wie vor sind die Informationen über mehrere Dokumente verteilt, die in unterschiedlichen Versionen für die EU und den Rest der Welt vorliegen und sich teils auch noch selbst widersprechen.

Ein Beispiel: Whatsapp beteuert, dass es Daten innerhalb der EU nicht an Facebook weitergebe, "um relevantere Werbeerlebnisse auf Facebook zu bieten" - schränkt diese Formulierung aber durch das Wort "derzeit" selbst ein. Zudem heißt es in der Datenschutzrichtlinie, Whatsapp habe ein berechtigtes Interesse, personenbezogene Daten zu verarbeiten, um Direktwerbung zu versenden. Das steht dort aber seit Jahren und hat nichts mit den aktuellen Änderungen zu tun.

Lässt sich die Zustimmung rückgängig machen?

Nein. Wer die Änderungen einmal akzeptiert hat, kann nicht mehr zurück. Wer den Klick bereut, muss auf Johannes Caspar hoffen. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte verbot Facebook am Dienstag, "personenbezogene Daten von Whatsapp zu verarbeiten, soweit dies zu eigenen Zwecken erfolgt". Caspar ist der Meinung, dass die neuen Bedingungen Facebook zusätzliche Befugnisse einräumen.

"Die Anordnung soll die Rechte und Freiheiten der vielen Millionen Nutzerinnen und Nutzer sichern", sagt er. Whatsapp teilt mit, Caspars Einschätzung beruhe "auf einem grundlegenden Missverständnis" und werde "keinen Einfluss auf die weitere Einführung des Updates haben". Tatsächlich bezweifeln auch Rechtsanwälte sowie andere Daten- und Verbraucherschützerinnen, ob die neuen Nutzungsbedingungen der richtige Anlass für die Anordnung sind. Unabhängig davon könnte der Erlass verhindern, dass Facebook Whatsapp-Daten doch irgendwann für Werbezwecke nutzt. Zumindest auf Facebooks eigene Versprechen sollte man da wenig geben: Das Unternehmen hat sie in der Vergangenheit oft genug gebrochen.

Sollte ich zu einem anderen Messenger wechseln?

Diese Frage scheinen sich viele Menschen zu stellen. In einer Umfrage gaben vier von zehn Befragten in Deutschland an, schon einen neuen Dienst ausprobiert zu haben. Die beliebteste Ausweichoption war allerdings der Messenger des Mutterkonzerns Facebook - der die Nutzungsdaten garantiert für Werbezwecke verwendet. Wer bislang kein Problem mit Whatsapp hatte, muss nicht wechseln, schließlich ändert sich kaum etwas. Das ist nicht unbedingt Grund zur Beruhigung. Ob mit alten oder neuen Nutzungsbedingungen: Es landen Daten bei Facebook.

Welche Alternativen gibt es?

Die schlechte Nachricht zuerst: Die beliebteste Whatsapp-Alternative, die nichts mit Facebook zu tun hat, heißt Telegram - und schützt Nachrichten standardmäßig nicht mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Außerdem verstehen die Betreiber unter Meinungsfreiheit offenbar, dass auch Nazis, Kriminelle und gewaltbereite Verschwörungsgläubige den Dienst ungehindert nutzen dürfen.

Die gute Nachricht: Mit Signal und Threema gibt es sichere und datenschutzfreundliche Messenger, die ebenfalls von der Whatsapp-Verwirrung profitiert haben. Wo man früher Selbstgespräche führen musste oder nur ein paar Überzeugungstäter traf, findet man mittlerweile viele Menschen aus seiner Kontaktliste. Und je mehr Familien, Elterngruppen und Sportmannschaften mit ihren Chats wechseln, desto geringer wird die Notwendigkeit, Whatsapp weiter zu nutzen.

© SZ
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