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Messenger:Das droht Menschen, die Whatsapps Bedingungen nicht zustimmen

WhatsApp ändert die Nutzungsbedingungen - Facebook zwingt WhatsApp Nutzer zum Facebook Account - Viele Nutzer sind nun a

Whatsapp ändert seine Nutzungsbedingungen. Bis 15. Mai müssen Nutzer zustimmen, wer dann nicht zugestimmt hat, kann etwa keine Nachrichten mehr versenden.

(Foto: Roman Moebius/imago images)

Anfang des Jahres löste Whatsapp mit einem kleinen Pop-up Panik aus. Jetzt gibt es eine neue Frist, ein fieses Druckmittel und etwas mehr Transparenz.

Von Simon Hurtz

Das Jahr begann für Whatsapp mit einer PR-Katastrophe. Anfang Januar informierte der Messenger seine Nutzer über neue Nutzungsbedingungen und löste mit einem kleinen Pop-up Panik aus. Millionen Menschen meldeten sich bei den Konkurrenten Signal, Threema und Telegram an. Dabei trifft die zentrale Befürchtung gar nicht zu: Whatsapp teilt künftig nicht mehr Daten mit dem Mutterkonzern Facebook als bislang - nur wurde das so schlecht kommuniziert, dass Raum für Fehlinformationen blieb.

Nun startet Whatsapp einen zweiten Anlauf und versucht, es besser zu machen: mehr Transparenz, bessere Erklärungen, längere Bedenkzeit für die Nutzer. Das neue Ultimatum läuft bis 15. Mai, ursprünglich sollte die Frist am 8. Februar enden. Mit einem Blogeintrag, einer neuen Hilfeseite und Antworten auf häufig gestellte Fragen versucht Whatsapp, besorgte Nutzerinnen und Nutzer zu beruhigen. Außerdem stellt das Unternehmen klar, was passiert, wenn man trotzdem nicht mit den neuen Bedingungen einverstanden ist - und diese Pläne haben es in sich.

Whatsapp wird das Nutzerkonto eines Verweigerers nicht sofort löschen, aber seine Funktionen massiv einschränken. "Du wirst zwar für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten, aber in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden können", heißt es. Whatsapp schürt also die sogenannte fear of missing out, die Angst, etwas zu verpassen: Sieh mal, wer dir alles schreibt. Wäre doch schade, wenn du nicht mehr erfährst, was dir deine Freundin erzählen will. Willst du es dir nicht doch noch anders überlegen?

Die neuen Erklärungen bleiben konfus

Die "kurze Zeit" des psychologischen Drucks soll wohl einige Wochen dauern, berichtet das US-Portal Techcrunch. Dann verstummen die Benachrichtigungen, das Konto wird stillgelegt. Zustimmen kann man den neuen Nutzungsbedingungen in dieser Zeit aber immer noch, die Bedenkzeit gilt 120 Tage lang. Danach wird das Konto gelöscht, wie es Whatsapps Richtlinie für inaktive Accounts vorsieht. Allerdings lässt das Wort "normalerweise" die Tür für eine weitere Verlängerung der Frist offen.

Mit diesem Kniff dürfte Whatsapp viele Menschen dazu bringen, die Änderungen doch noch zu akzeptieren. Ob sie aber wirklich wissen, was genau sie abnicken, ist fraglich. Denn auch die neuen Erklärungen bleiben konfus. Der Blogeintrag strotzt vor PR-Floskeln. Da wird "weiterhin hart gearbeitet, sämtliche Missverständnisse auszuräumen" und sich "noch mehr darum bemüht, für Klarheit zu sorgen", damit sich Menschen "in ihrem eigenen Tempo informieren können".

Im vorletzten Absatz offenbart Whatsapp, unter welchen Druck es sich durch seine missverständliche Kommunikation selbst gesetzt hat. Der größte Messenger der Welt macht sich über die kleineren Konkurrenten lustig. Man habe mitbekommen, "wie einige unserer Mitbewerber fälschlicherweise behauptet haben, sie könnten die Nachrichten von Benutzern nicht sehen". Damit ist wohl Telegram gemeint, die App bietet keine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. "Wir glauben, dass die Menschen Apps möchten, die sowohl zuverlässig als auch sicher sind" - ein Seitenhieb auf Signal, dessen Server dem gewaltigen Ansturm im Januar kurzzeitig nicht standhielten.

Signal und Threema gelten als Alternativen

Am Auslöser der ganzen Aufregung ändert sich dagegen nichts. Whatsapp hält an den neuen Nutzungsbedingungen fest. Das ist verständlich, denn die Empörung war damals wie heute übertrieben. Denn für Menschen in der EU ändert sich kaum etwas. Unternehmen sollen künftig einfacher mit Nutzerinnen und Nutzern kommunizieren können, deshalb werden die Nutzungsbedingungen angepasst. Zudem verpasst Whatsapp der Datenschutzerklärung ein neues Layout und überarbeitet einige Passagen, um klarer zu machen, wie es Informationen verwaltet.

Die beiden größten Ängste sind aber unbegründet. Zum einen bleiben Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Whatsapp kann die Inhalte niemals sehen. Zum anderen werden zwar Metadaten mit dem Mutterkonzern Facebook geteilt, sodass der erfährt, wer die App wann öffnet und mit wem chattet. Das geschieht allerdings schon seit Jahren. Innerhalb der EU gilt nach wie vor, dass Whatsapp diese Informationen nicht nutzt, um damit Werbung auf Facebook oder Instagram zu personalisieren.

Allerdings schafft es Whatsapp auch in diesem Punkt, Verwirrung zu stiften. Denn die Formulierung wird durch ein "derzeit" eingeschränkt. Und in der Datenschutzrichtlinie steht, Whatsapp habe ein berechtigtes Interesse, personenbezogene Daten zu verarbeiten, um Produkte von Facebook-Unternehmen zu fördern und Direktwerbung zu versenden. Klar ist danach nur eins: Wer sicher und datenschutzfreundlich chatten will, braucht sich mit Signal und Threema keine Gedanken zu machen, was Facebook mit den Metadaten anstellt.

© SZ
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