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Trump vs. soziale Medien:Twitter löscht Video von Trump

Donald Trump

Kann der US-Präsident diesen Kampf gewinnen?

(Foto: Patrick Semansky/AP)

Jetzt auch noch das Urheberrecht: Ein Video Trumps über den getöteten George Floyd verschwindet. Als hätte Twitter nicht schon genug Ärger mit dem Präsidenten.

Der Streit um die von Trump behauptete Zensur seiner Äußerungen erhält neue Nahrung. Unter Verweis auf das Urheberrecht entfernte Twitter einen Videobeitrag, den das Wahlkampfteam von Donald Trump veröffentlicht hatte. Das knapp vier Minuten lange Video zeigt Fotos und Aufnahmen gewaltsamer und friedlicher Proteste im Zusammenhang mit der Tötung des Afro-Amerikaners George Floyd durch einen Polizisten. Begleitet werden die Bilder von sanften Klavierklängen und einer Ansprache Donald Trumps, der die amerikanischen Bürger zur "Heilung statt Hass" aufruft.

Bei den Bildquellen handelt es sich offenbar um mehrere in sozialen Medien veröffentlichte Privataufnahmen. Twitter zufolge hatten ein oder mehrere Urheber des Materials den Dienst aufgefordert, den Beitrag zu entfernen.

Der Vorfall könnte die nächste Eskalationsstufe im Streit zwischen dem amerikanischen Präsidenten und Twitter darstellen. Bislang hatte der Dienst keine Beiträge von Trumps Team gelöscht, aber mehrere mit Hinweisen versehen. Der Präsident antwortete mit Drohungen gegen die gesamte Social-Media-Branche.

Inzwischen scheint man seitens Twitter nicht auszuschließen, den Account des US-Präsidenten bei weiteren Verstößen zu sperren. Strategie-Chef Nick Pickles betonte am Donnerstag in einer britischen Parlamentsanhörung über schädlichen Online-Content, dass jeder Nutzer sich an die Regeln der Plattform zu halten habe: "Wenn ein Twitter-Nutzer andauernd unsere Regeln bricht, werden wir uns mit allen möglichen Konsequenzen auseinandersetzen müssen."

In der vergangenen Woche hatte Twitter einen Eintrag Trumps, der die Briefwahl als angebliches Risiko für Wahlbetrug hinstellte, mit einem Faktencheck versehen. Dieser stellte Trumps Behauptung als unwahr dar. Wenig später versah Twitter einen weiteren Tweet des Präsidenten mit einem Warnhinweis, da dieser gewaltverherrlichende Botschaften enthalte und damit gegen die Regeln der Plattform verstoße. Der Streit veranlasste den Präsidenten zu einem Dekret, das die Handlungsfähigkeit sozialer Medien beschneiden soll. Ob der Präsident dieses Recht überhaupt hat, ist allerdings unklar. Twitter stellte bislang das reichweitenstärkste Kommunikationsmittel Donald Trumps dar.

© SZ/dpa/jab/mxm
FILE PHOTO: FILE PHOTO: The Snapchat messaging application is seen on a phone screen

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Von Simon Hurtz

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