Süddeutsche Zeitung

Snowden-Enthüllungen:Wie Microsoft der NSA Zugang zu Outlook.com und Skype ermöglicht

Lesezeit: 3 min

Skype-Telefonate sind verschlüsselt und auch für Microsofts Webmail-Dienst Outlook.com gibt es hauseigene Krypto-Tools. Wie wertlos sie sind, zeigen neue Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden.

Von Mirjam Hauck

Verschlüsselte E-Mails sollen Absender und Empfänger davor bewahren, dass andere mitlesen können. Doch was nützen Krypto-Programme, wenn Anbieter von E-Mail-Diensten die Daten vor der Verschlüsselung bereits mitlesen und an Geheimdienste weitergeben?

Aus neuen Informationen des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, die der Guardian jetzt veröffentlicht, geht hervor, dass Microsoft eng mit der NSA zusammengearbeitet hat. So eng, dass Microsoft seinen Webmaildienst Outlook.com sowie Skype und den Cloudspeicherdienst SkyDrive für das NSA-Spähprogramm Prism zugänglich gemacht hat. Diese Dokumente der NSA-Abteilung "Special Source Operations" (SSO) bezeichnet Snowden als "Kronjuwelen".

Laut der Dokumente sei die NSA im Juli 2012 besorgt gewesen, dass Microsoft plane, den Chat auf Outlook.com zu verschlüsseln. Innerhalb von fünf Monaten hätten Microsoft und das FBI aber eine Lösung gefunden, die es der NSA erlaube, die Verschlüsselung im Chat auf Outlook.com zu umgehen.

Zusammenarbeit mit dem FBI

In einem NSA-Newsletter vom 26. Dezember 2012 heißt es: "MS (Microsoft) arbeitet mit dem FBI zusammen, um eine Überwachungsmöglichkeit zu schaffen", die das Problem löst. "Diese Lösungen wurden erfolgreich getestet und gingen am 12. Dezember 2012 live." Zwei Monate später, im Februar 2013, hat Microsoft Outlook.com, den Nachfolger von Hotmail, gestartet.

In einem anderen Newsletter steht, dass die NSA bereits Zugang zu Outlook-E-Mails habe, da Hotmail-, Live- und Outlook.com-E-Mails vor der Verschlüsselung eingesammelt werden.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Microsoft und US-Spähdiensten beschränkte sich aber nicht nur auf Outlook.com. Ein Eintrag vom 8. April 2013 beschreibt, wie Microsoft "viele Monate" mit dem FBI zusammengearbeitet habe, um den eigenen Clouddienst Skydrive für Prism zugänglich zu machen.

Früher veröffentlichte Dokumente zeigten bereits, dass die eigentliche Datensammlung der NSA über die Ausrüstung der amerikanischen Bundespolizei FBI erfolgt. Diese steht direkt bei den Firmen, also auch bei Microsoft.

Vollständiger Zugang zu Skype

Im Visier der NSA stand auch Skype. Microsoft hatte den Video-Telefonie- und Chat-Dienst 2011 gekauft, der mehr als 660 Millionen Nutzer weltweit hat. Skype verschlüsselt die Sprach- und Videoanrufe zwischen den Nutzern. Die Dokumente zeigen nun, wie wertlos das für die Nutzer ist. So habe die NSA seit 14. Juli 2012 einen kompletten Zugang zu dem Dienst gehabt. Davor konnte der Geheimdienst lediglich den Ton mitschneiden, danach "bekamen sie ein komplettes Bild". "Die gesammelten Skype-Anrufe waren sehr klar und die Metadaten sahen vollständig aus", konstatiert die NSA.

Die Diskussion um Datensicherheit bei Skype war bereits nach der Übernahme durch Microsoft im Oktober 2011 entfacht. Bürgerrechtler befürchteten damals, dass sich die ursprünglich von einem schwedisch-dänischen Unternehmerteam gegründete Firma fortan den US-Abhörgesetzen beugen werde. So hatte unter anderem die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation im Januar 2013 in einem offenen Brief an Microsoft die Sicherheit der Kommunikation angezweifelt.

Das Magazin Bloomberg Businessweek hatte Anfang März die chinesische Version von Skype wegen der Überwachung von politisch sensiblen Wörtern und Sätzen kritisiert. Mircosoft wurde dabei vorgeworfen, 96 Millionen chinesische Skype-Accounts mit einem speziellen Tool zu scannen. Diese Berichte wurden aber immer dementiert.

"Your privacy is our priority"

Einigermaßen bizarr wirkt in diesem Zusammenhang auch die Marketing-Kampagne, die Microsoft im April gestartet hatte. Sie lief unter dem Claim: "Your privacy is our priority".

Allerdings war Skype laut der Snowden-Dokumente bereits vor dem Kauf durch Microsoft in Prism involviert: Seit November 2010 sei die Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst vorbereitet worden.

Microsoft hat stets bestritten, den US-Geheimdiensten freien und direkten Zugang zu gewähren. Kundendaten würden nur nach rechtlich einwandfreier Anforderung durch die Regierung freigegeben. Microsoft gewähre "keiner Regierung pauschal oder direkt Zugang zu SkyDrive, Outlook.com, Skype oder einem anderen Microsoft-Dienst", heißt es von Seiten des Unternehmens.

Aber man sei verpflichtet, den Behörden Möglichkeiten für den Zugang zu Informationen zu gewähren. Und es gebe Aspekte in der Debatte, die man gerne freier diskutieren würde. Deshalb setze man sich für mehr Transparenz ein, damit jedem ermöglicht werde, diese wichtigen Probleme verstehen und diskutieren zu können.

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