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Starfotograf Kevin Abosch:"Die Lücke zwischen Smartphone- und Spiegelreflex-Kameras schließt sich"

Menschen fotografieren den Sonnenuntergang mit ihrem Smartphone bei Luino Lago Maggiore Lombardei

Menschen fotografieren den Sonnenuntergang mit ihrem Smartphone bei Luino am Lago Maggiore. Vermutlich für Instagram.

(Foto: Uwe Kazmaier/imago)

Fotograf Kevin Abosch erklärt, wie Instagram die Fotografie verändert und warum teure Kameras kaum mehr bessere Bilder machen. Für Handy-Knipser hat er einen simplen, aber effektiven Tipp.

Vor zehn Jahren war die Aufteilung klar: Handys zum Telefonieren, Kameras zum Fotografieren. Doch moderne Smartphones machen klassischen Kameras das Leben schwer. Für viele Menschen reicht die Qualität der Handyfotos völlig aus. Und für Profis? Der irische Starfotograf Kevin Abosch, dessen berühmtes Porträt einer Kartoffel für eine Million Dollar verkauft wurde, hat dem Smartphone-Hersteller Oneplus geholfen, die Kameras seiner Geräte zu entwickeln. Im Interview erzählt er, wie Instagram seine Arbeit verändert, und gibt Smartphone-Fotografen Tipps, wie sie am meisten aus ihrer Kamera herausholen.

SZ: Mit modernen Smartphones kann fast jeder ein technisch nahezu perfektes Foto schießen, weil das Bild automatisch optimiert wird. Machen Sie sich Sorgen um den Beruf des Fotografen?

Kevin Abosch: Ich weiß nicht, wie ein perfektes Foto aussieht. Vielleicht sind alle Bilder vollkommen unvollkommen. Trotz feinster Optik, empfindlichsten Sensoren und innovativer Bildverarbeitung ist es letztlich der Mensch, der den Auslöser betätigt und der unzählige Elemente außerhalb des Bereichs der Kamera steuert. Diese Entscheidungen werden sowohl bewusst als auch unbewusst gefällt und stellen sicher, dass die Menschheit selbst Teil des fotografischen Gleichgewichts ist. Warum sollte sich ein professioneller Fotograf Sorgen machen?

Wie haben Smartphones und Instagram die Arbeit von professionellen Fotografen verändert?

Mit dem Smartphone haben Nutzer ein tief greifendes und sinnvolles Mittel zur Verfügung. Viele Fotografen haben nur eine Smartphone-Kamera, mit der sie arbeiten, und mit der sie beeindruckende Arbeiten produzieren. Instagram hat sich als effektiver Weg erwiesen, um ein globales Publikum zu erreichen. Noch interessanter für mich ist, wie es die Ästhetik der Menschen beeinflusst und formt. Wenn Sie Zehntausende Ihrer besten Freunde sehen, die denselben "coolen" Filter verwenden, den Sie bereits verwendet haben, ist er nicht mehr so cool. Diese Landschaft mit den aufgebauschten Wolken war einmal "fantastisch", bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir ständig eine ähnliche Landschaft von irgendwo auf der Welt sehen. Technologie hat einen tief greifenden Einfluss darauf, wie wir Fotos heute sehen - und wie wir dasselbe Bild morgen beurteilen.

Kevin Abosch ist berühmt für das Bild einer Kartoffel, die vor schwarzem Hintergrund erscheint wie ein ferner Planet. Das Foto heißt "Potato #345" und wurde für eine Millionen Euro gekauft.

Kevin Abosch ist berühmt für das Bild einer Kartoffel, die vor schwarzem Hintergrund erscheint wie ein ferner Planet. Das Foto heißt "Potato #345" und wurde für eine Million Euro gekauft.

(Foto: Kevin Abosch)

Vor fünf Jahren war der Unterschied zwischen Spiegelreflex- und Smartphone-Fotos auf den ersten Blick ersichtlich. Heute gibt es manche Motive, bei denen Handyfotos fast mit professionellen Aufnahmen mithalten können. Braucht es in fünf Jahren überhaupt noch große, schwere Profikameras?

Bei der Geschwindigkeit, mit der sich Kameras und Computer-Fotografie weiterentwickeln, glaube ich, dass innerhalb von fünf Jahren kaum noch eine schwere DSLR-Spiegelreflexkamera nötig sein wird.

Für welche Motive und Lichtbedingungen eignen sich Smartphones besonders gut, und wofür benötigt man auch 2018 noch eine richtige Kamera?

Smartphone-Kameras liefern aufgrund der relativ geringen Größe ihrer Sensoren bei guten Lichtbedingungen die besten Ergebnisse. Ich benutze mein Smartphone aber wie die meisten Leute für den Großteil meiner Fotos, und ich bereue es später nicht.

Milliarden Menschen fotografieren mit Smartphones, wo vom Autofokus bis zum Weißabgleich alles von Maschinen statt von Menschen gesteuert wird. Deshalb ähneln sich die Bilder oft. Verliert die Fotografie an Charakter und Vielfalt?

Gute Frage. Erinnert mich an die "Parkerisierung" von Weinen, bei denen der globale Weinmarkt Weine produzierte, die dem Gaumen des Weinkritikers Robert Parker gefallen sollten. Daraus resultierten Weine mit so ähnlichen Eigenschaften, dass Kenner den Weinmarkt für tot erklärten. Die Öffentlichkeit schien die große Anzahl an eichigen, vertrauten Aromen zu mögen.

Wenn es um Ästhetik geht, stelle ich fest, dass Fotografien oft Merkmale aufweisen, auf die die Massen zu reagieren scheinen. Warum sie auf Schärfe, bestimmte sich wiederholende Muster, wärmere Farben und verschiedene Kompositionen und geometrische Elemente reagieren, hängt von Natur, Kultur und Einfluss ab. Der Fotograf kann jedoch Belichtung, Fokus, Farbbalance, Kontrast und andere Parameter manuell steuern, wenn er möchte. Die Frage ist: Will er das? Ich ermutige die Menschen, aus ihrer Komfortzone herauszutreten und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeugen zu experimentieren.

Um darauf zurückzukommen: Glaube ich, dass die Fotografie aufgrund von Smartphones an Charakter und Vielfalt verliert? Das tue ich nicht. Während die Technologie jedem ein großartiges Ausdrucksmittel zur Verfügung stellt, wird das Mittelmaß definitionsgemäß immer den Durchschnitt und somit den Großteil aller fotografischen Bilder darstellen.

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Könnte man Aufnahmen wie Potato #345 oder Ihre Porträt-Serien in vergleichbarer Qualität mit einem Smartphone machen?

Ich habe kürzlich ein Porträt des Präsidenten von Qualcomm mit einem Oneplus 6T und einem LED-Lichtpanel aufgenommen. Die Ergebnisse waren fast nicht von Bildern zu unterscheiden, die ich mit einer DSLR gemacht habe. Die Lücke zwischen Smartphone- und Spiegelreflex-Kameras schließt sich.

Ist ein Profi-Fotograf, der mit einer 10 000-Euro-Kamera atemberaubende Aufnahmen macht, automatisch auch ein guter Smartphone-Fotograf?

Ich würde sagen, nicht unbedingt. Man darf die Bedeutung der Beziehung eines Fotografen zu einem bestimmten Gerät nicht unterschätzen. Wenn das Nutzererlebnis nicht reibungslos abläuft, kann dies problematisch sein. Es kann einige Zeit dauern, sich mit einem neuen Gerät vertraut zu machen.

Gibt es objektive Kriterien für ein gelungenes Foto?

Ein gelungenes Foto gefällt dem Fotografen.

Mal angenommen, ich will mit meinem Smartphone ein Foto schießen, das Ihnen gefällt. Was sind die drei wichtigsten Dinge, auf die ich achten muss?

Denken oder fühlen Sie, bevor Sie ein Foto aufnehmen. Fragen Sie sich, wie sich die Komposition auf das Motiv bezieht. Geringfügige Änderungen bei der Zusammenstellung können den emotionalen Wert eines Bildes ändern. Und das, was die meisten vergessen: Halten Sie die Linse sauber.

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