Silicon ValleyLiebe Menschheit, es tut uns leid

Der Erfinder des Like-Buttons meidet Facebook, Apple-Chef Tim Cook hält seinen Neffen von sozialen Medien fern. Immer mehr Tech-Manager hinterfragen ihr Werk. Ein Überblick in Bildern.

Von Simon Hurtz

Center for Humane Technology

In seinem Song "Ten Crack Commandments" stellt Rapper Notorious B.I.G. zehn Regeln für Drogendealer auf. Tipp Nummer vier: "Never get high on your own supply!" Lass ja die Finger von dem Zeug, das du verkaufst! Diese Erkenntnis hat sich auch in der Tabakindustrie durchgesetzt. "Wir rauchen den Mist nicht, wir verkaufen ihn bloß", zitierte David Goerlitz, der zuvor als "Winston Man" Werbung für die Zigaretten der Firma gemacht hatte, einen Manager des Milliardenkonzerns R. J. Reynolds.

Es braucht kein Medizinstudium, um zu erkennen, dass Crack, Heroin und Zigaretten ungesund sind. Risiken und Nebenwirkungen von Smartphones und sozialen Medien sind weniger offensichtlich. Doch ausgerechnet im Silicon Valley regt sich Widerstand, und er wird immer stärker. Anfang des Jahres riefen etliche prominente Tech-Entwickler das Center for Humane Technology ins Leben . "Technologie nimmt unseren Verstand und die Gesellschaft in Geiselhaft", warnen die Gründer. Sie wollen Nutzern helfen, moderne Technik zu verwenden, ohne zu Sklaven ihrer Geräte zu werden.

Tatsächlich beherzigen viele führende Köpfe der Branche den Rat von Notorious B.I.G. Das dank Digitalem reich gewordene Silicon Valley lebt privat erstaunlich analog. Bereits vor Jahren begannen hochrangige Tech-Mitarbeiter, ihre Kinder auf Waldorf-Schulen zu schicken, an denen es keine Computer gibt. Vielleicht wissen sie es besser als die Menschen, die ihre Apps nutzen.

Bild: imago/ZUMA Press 14. Februar 2018, 15:012018-02-14 15:01:56 © SZ.de/jab