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Allmächtige Maschinen:Nehmen Maschinen den Menschen die Arbeit weg?

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, eines aber wird sehr schnell deutlich: Auch die KI-Systeme, die nur eine eng begrenzte Aufgabe erfüllen, können Wirtschaft und Gesellschaft enorm nach vorne bringen. Sie entdecken in Datenmengen, die ein Mensch niemals in einer vertretbaren Zeit durchsuchen könnte, Muster, und das nahezu in Echtzeit. Ist also alles gut? Ist ein Mittel gefunden, das wir nur noch verfeinern und ausbauen müssen?

Wenn es bloß so einfach wäre. Bisher haben die Menschen noch keine Technik erfunden, die nicht auch ihre negativen Seiten gehabt hätte. Natürlich lassen sich die dramatisch gestiegenen Rechenkapazitäten und die enorm verbesserten Möglichkeiten, große, auch unstrukturierte Daten zu analysieren, auch für böse Zwecke einsetzen - es sind eben auch nur Werkzeuge, die man so oder so verwenden kann.

Der Einsatz künstlicher Intelligenz wird aber auch mindestens dazu führen, dass die menschliche Arbeit sich verändert. Das ist allerdings die eher optimistische Sichtweise auf die Prognosen. Forscher und auch Industriebosse wie Siemens-Chef Joe Kaeser warnen: Künftig könnten so viele Jobs von Maschinen erledigt werden, dass der Staat ein bedingungsloses Grundeinkommen an alle Bürger zahlen müsse. Aber wie schnell wird diese Entwicklung kommen? Rodney Brooks, der KI- und Roboter-Experte, ist da skeptisch. Er hält Prognosen für weit überzogen, die einen dramatischen Rückgang von Jobs schon in zehn bis 20 Jahren vorhersagen. Die Computersysteme oder intelligenten Roboter, die das übernehmen könnten, gebe es ja noch gar nicht.

Amazon würde menschliche Arbeiter gerne durch Roboter ersetzen

Wirklich? Der Internethändler Amazon setzt in Logistikzentren bereits Roboter-Fahrzeuge ein, die Paletten zu den Pickern transportieren, anstatt dass diese Mitarbeiter zu den entsprechenden Regalen laufen und das gewünschte Produkt in einen Wagen laden müssen. Lieber heute als morgen würde man dort Roboter einsetzen, die das alles ganz übernehmen. Das Unternehmen veranstaltet auch regelmäßig Wettbewerbe dazu.

Doch wer einmal zugesehen hat, wie schwer sich die Maschinen dabei tun, unterschiedliche Gegenstände aus einem Regal zu holen, wird weniger Angst davor haben, dass solche Jobs schon sehr bald wegfallen können. Es bleibt trotzdem Aufgabe der Gesellschaft, aber auch jedes Einzelnen, sich darüber Gedanken zu machen, welche Herausforderungen da womöglich warten.

Und das ist nicht alles. Als der Software-Konzern Microsoft im März 2016 ein KI-gesteuertes Chatprogramm ins Netz stellte, mit dem man über den Kurznachrichtendienst Twitter chatten konnte, entwickelte sich "Tay", so hieß der sogenannte Chatbot, binnen kürzester Zeit zu einem sexistischen und rassistischen Monster. Nach nur einem Tag brach Microsoft das Experiment ab.

Ava ist noch ferne Zukunft

Das war ein PR-Desaster für das Weltunternehmen, ist aber auch der beste Beweis dafür, dass es immer entscheidend darauf ankommt, mit welchen Daten man die künstliche Intelligenz füttert. Die Twitter-Nutzer machten sich einen Spaß daraus, "Tay" zu verderben. Stecken schon in den Trainingsdaten Vorurteile oder Falschinformationen, werden diese nicht nur übernommen, sondern oft noch verstärkt.

Schon heute bekommen Menschen, die im falschen Stadtteil wohnen, womöglich schwerer einen Kredit als jene aus einem Viertel mit wohlhabender Bevölkerung. Polizeibehörden errechnen bereits, wie wahrscheinlich es ist, dass irgendwo eingebrochen wird. Man muss solche Möglichkeiten nur ein wenig weiterdenken, und schnell landet man beim Überwachungsstaat.

Was folgt nun daraus? Wir müssen uns freimachen von der Angst vor Hollywood-KI. Ein Wesen wie Ava wird es vielleicht nie, mit großer Sicherheit aber nicht so schnell geben. Wir sollten die Energien stattdessen lieber darauf konzentrieren, darauf zu achten, was die eng begrenzten KI-Anwendungen tun. Mit welchen Daten werden sie gefüttert, wer achtet darauf, dass sie keine Vorurteile zementieren? Die Chance, mit KI-Anwendungen als Teil der Digitalisierung kostengünstiger und oft auch energieeffizienter zu wirtschaften, sollten wir uns aber keinesfalls entgehen lassen. Es ist der nächste Schritt, den Europa als rohstoffarmes Land tun muss. Wir sollten diesen Schritt beherzt, aber auch bewusst tun.

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