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Chinas Internet-Zensor Lu Wei:Der Bezwinger des Wackelpuddings

Lu Wei, Chinas neuer Internet Chef

Chinas oberster Internet-Zensor und Bezwinger des Wackelpuddings: Lu Wei

(Foto: picture alliance / dpa)

Oberzensor Lu Wei kontrolliert Chinas Internet. Nun reist er in die USA und trifft Silicon-Valley-Bosse wie Marc Zuckerberg und Tim Cook.

Von Kai Strittmatter

China wolle das Internet kontrollieren? Dann, so meinte Bill Clinton einmal spöttisch, könne es auch gleich versuchen, "einen Wackelpudding an die Wand zu nageln". Nun, im Moment hängt der Wackelpudding bombenfest, und Lu Wei ist der Mann, der ihn da hingenagelt hat. Als Direktor der Zentralen Führungsgruppe für Internetsicherheit ist der 55-Jährige Chinas oberster Netzmanager und -zensor. Wenn die KP in Peking in den vergangenen beiden Jahren das Netz wieder lieben gelernt hat, dann ist das nicht zuletzt sein Verdienst: Lu Wei hat das ein paar Jahre lang allzu freie, lebendige, chaotische Internet in China erfolgreich auf Linie gebracht.

In dieser Woche darf Lu Wei sich in den USA umschwärmen lassen. Sein Parteichef und Staatspräsident Xi Jinping fährt auf Staatsbesuch nach Washington und schaut vorher, von Dienstag an, in Seattle vorbei. Oberzensor Lu Wei hat dort die amerikanische Internet- und Hightech-Elite zu sich geladen - und offenbar kommen sie alle, die Cooks und Zuckerbergs und Kalanicks, weil der chinesische Markt schon jetzt einer ihrer wichtigsten ist (wie bei Apple), oder aber weil sie (wie Facebook und Uber) so gern ein Stückchen davon erhaschen würden.

Ende vorigen Jahres hatte Lu Wei die USA schon einmal besucht. Als er im Facebook-Hauptquartier am Schreibtisch von Mark Zuckerberg vorbeiging, lag da just ein Exemplar von Xi Jinpings 500-Seiten-Schinken "China regieren". Facebook ist bis heute verboten in China.

Washington ist verärgert

Lu Wei stammt aus der armen Provinz Anhui, Karriere machte er in der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, bevor er 2011 Vizebürgermeister von Peking wurde. Sein Gesellenstück lieferte er im Sommer 2013 ab, dann schon als Chef des Internetinformationsbüros. Zu dem Zeitpunkt hatten Chinas erstaunlich lebendige soziale Medien - allen voran der Bloggingdienst Weibo - schon vier Jahre lang die Agenda der Partei durcheinander gebracht. Doch zusammen mit Parteichef Xi Jinping gelang es Lu Wei binnen weniger Wochen, die unangenehmen öffentlichen Debatten zu ersticken. Ein paar spektakuläre Verhaftungen und die Androhung drakonischer Strafen für die "Verbreitung von Gerüchten" genügten.

Heute mahnt Lu Wei Chinas Internetnutzer zur "ideologischen Reinheit" und propagiert das Konzept "nationaler Souveränität im Internet". Als Instrument des Kommerzes, der Überwachung und der Manipulation hat die KP das Netz schätzen gelernt. Von Amerikas Pionieren glaubt China, auf diesen Feldern noch lernen zu können.

Washington ist derweil, glaubt man der New York Times, etwas verärgert ob der hochrangigen Treffen in Seattle: Ganz oben auf der Beschwerdeliste von Präsident Barack Obama stehen Chinas Hackerangriffe und die Drohung Pekings, ausländische Firmen müssten in Zukunft große Teile ihrer Daten offenlegen. Nun gibt es Klagen in Washington und Anbiederei in Seattle.

© SZ vom 22.09.2015/cva

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