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Freie Software:Warum Open Source so erfolgreich ist

Auch das Handy-Betriebssystem Android - hier das Maskottchen bei der Vorstellung einer neuen Version - basiert auf quelloffener Software.

(Foto: Jeff Pachoud/AFP)
  • Anfang der 1980er gründete Richard Stallman die Free-Software-Bewegung. Ihr Ziel ist es, dass Software ihren Nutzern und Entwicklern Freiheitsrechte gewährt.
  • Nicht jeder war von der Idee quelloffener Software überzeugt. Mitgründer Bill Gates war klar der Ansicht, Software dürfe nicht einfach kopiert werden.
  • Mittlerweile nutzen und entwickeln aber nicht nur Microsoft, sondern auch andere Techriesen wie Google, IBM, Facebook die Open-Source-Software.

"Gute Programmierer sind faul", so umschreibt Oliver Zendel vom Linux-Tag die Gründungslegende von Freier Software. Sie datiert auf das Jahr 1980. Zu dieser Zeit arbeite Richard Stallman als Entwickler am Massachusetts Institute of Technology. Weil er damals keinen Drucker in seinem Büro stehen hatte, sondern immer ans andere Ende des Campus laufen musste, wenn er etwas ausgedruckt hatte, wollte er benachrichtigt werden, wenn ein Druckauftrag erfolgreich ausgeführt wurde. Um so ein Programm schreiben zu können, brauchte Stallman allerdings den Quellcode für den Druckertreiber. Und den bekam er nicht.

Damit sowas künftig nicht mehr passiert, gründete Stallman Anfang der 1980er die Free-Software-Bewegung. Ihr Ziel ist es, dass Software ihren Nutzern und Entwicklern Freiheitsrechte gewährt. Software soll beliebig ausgeführt, kopiert, verändert und verbessert sowie weitergeben werden können. Entsprechende Lizenzen ("Copyleft") sollen das sicherstellen.

Nicht nur für Laien kaum zu unterscheiden ist davon die Open-Source-Software. Auch bei der vom US-Hacker Eric S. Raymond 1998 gegründeten gleichnamigen Initiative stehen Freiheit und Offenheit der Software im Mittelpunkt. Open-Source-Software stellt allerdings in puncto Freiheit nicht ganz so hohe Anforderungen wie freie Software. Das heißt, freie Software ist immer Open-Source-Software, umgekehrt jedoch ist das nicht unbedingt der Fall - in der Praxis aber oft. Auch bei Open Source muss der Quellcode offen bereitgestellt werden. So können ihn andere verbessern und ergänzen, müssen ihn aber wieder der Community zur Verfügung stellen.

Früher bekämpfte Microsoft Open-Source-Programme ...

In dem für die Open-Source-Software-Bewegung programmatischen Text "Die Kathedrale und der Basar" hat Raymond 1997 die Vorteile der Methode beschrieben. So seien die Erbauer der Kathedrale - also die Firmen, die den Quellcode ihrer Programme nicht freigeben, der Ansicht, dass "Programmierfehler und Entwicklungsprobleme knifflige, tief gehende und heimtückische Erscheinungen sind". Es dauere Monate der Analyse, um Zuversicht in die Fehlerfreiheit des Codes zu entwickeln. Auf dem Basar funktioniere das ganz anders: "Man geht davon aus, dass Fehler ein sehr triviales Phänomen sind, wenn der Code tausend begeisterten Mitentwicklern ausgesetzt wird, die nach jeder neuen Release darauf herum trampeln."

Nicht jeder war von der Idee quelloffener Software überzeugt. Microsoft-Mitgründer Bill Gates war klar der Ansicht, Software dürfe nicht einfach kopiert werden. Später bezeichnete der ehemalige MS-Chef Steve Ballmer das Open-Source-Betriebssystem Linux 2001 in einem Interview als " Krebs, das alles befällt, was er berührt". Open Source war für ihn eine Bedrohung des eigenen Geschäftsmodells. Dabei war damals kaum abzusehen, wie sich mit damit Geld verdienen lässt, welchen Nutzen auch etablierte Firmen daraus ziehen können. 15 Jahre später hat Microsoft unter Satya Nadella eine Kehrtwende vollzogen und kooperiert mittlerweile zum Beispiel mit dem US-Linux-Ditributor Red Hat und auch auf der eigenen Cloud-Plattform Azure läuft viel mit Open-Source-Software.

... heute verwenden sie sie selbst

Aber nicht nur Microsoft, auch andere Techriesen wie Google, IBM, Facebook und Amazon nutzen und entwickeln Open-Source-Software. Sie ist mittlerweile die technische Basis für den Erfolg der Internetgiganten. So wird die vom Linux-Erfinder Linus Torvalds initiierte Software-Entwicklungsplattform Git mittlerweile fast flächendeckend eingesetzt, genauso wie die Datenbank MySQL. Wie konnte es soweit kommen?

Dirk Riehle, Professor für Open-Source-Software an der Universität Erlangen-Nürnberg sieht mehrere Gründe für diesen Erfolg. Unternehmen entwickelten gemeinschaftlich Software, um Kosten zu sparen. Zudem würden, wenn viele kollaborativ arbeiten, schneller Fehler gefunden. Die Qualität steige. Zudem sei Open-Source-Software nachhaltig. Das in ihr enthaltende Wissen gehe durch die Entwickler-Gemeinschaft nicht verloren, anders als wenn zum Beispiel eine Software-Firma Pleite geht.

Und auch wenn sich mit Open-Source-Software an sich kein Geld verdienen lässt, da sie der Allgemeinheit gehört, gibt es dennoch Geschäftsmodelle, die funktionieren. Zum einen sind das Service- und Supportdienstleistungen für bereits etablierte Systeme. Firmen wie Red Hat oder Suse liefern Firmen stabile Systeme, die diese über längere Zeiträume einsetzen können - in Unternehmen wird manche Software sehr lange eingesetzt. Kunden zahlen aber für Bequemlichkeit. Da Software aus Tausenden Komponenten bestehe und damit hochkomplex und alles andere als trivial ist, sind diese Firmen erfolgreich, weil die Mitarbeiter das Wissen haben, das es beim Auftraggeber nicht gibt. Das Geschäft läuft so erfolgreich, dass IBM die Firma Red Hat noch in diesem Jahr übernehmen wird.

Das dritte erfolgversprechende Geschäftsmodell ist für Dirk Riehle der Single-Vendor-Modell. Unternehmen entwickeln auch mit Hilfe von Risikokapitalgebern eine Open-Source-Software. Sie stellen sie kostenlos bereit. Dadurch und durch die vertrauensbildenden OS-Lizenzen steigt die Bekanntheit und die Nutzung rasant an und die Kunden zahlen schließlich für den Support. So können die Hersteller ihre Software-Kompetenz zu Geld machen.

Was Steve Ballmer einst wortgewaltig verhindern wollte, ist tatsächlich eingetreten: Open Source hat gewonnen. Allerdings haben die Techfirmen andere Erlösquellen gefunden, mit denen sich noch besser als mit Software oder Software-Lizenzen Geld verdienen lässt. Bei Google sind es die Unmengen an Daten mit denen sich Werbe-Milliarden erwirtschaften lassen, bei Amazon und Microsoft sind es die Clouddienste.

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