Kooperation mit IBM:Apple will in die Business-Klasse

Apple Tim Cook und IBM Gini Rometty

Zwei, die sich gut leiden können: IBM-Chefin Rometty und Apple-Chef Tim Cook.

(Foto: dpa)

Früher Feinde, heute Freunde: Apple will mit IBM kooperieren und so in das Geschäft mit Firmenkunden einsteigen. Der Deal könnte vor allem gegen Android gerichtet sein.

  • Apple will stärker in das Firmengeschäft einsteigen und kooperiert dafür mit IBM.
  • IBM soll iPads und iPhones an seine Kunden verkaufen, Apple erweitert seine Kundenhilfe.
  • Es sollen rund 100 Apps entwickelt werden, die darauf abzielen, Arbeitsabläufe zu optimieren.

Das ist der Deal

Nach fast vier Jahrzehnten im Markt will sich Apple verstärkt auf Firmenkunden konzentrieren. Um auch diese zu erreichen, ist das Unternehmen eine Partnerschaft mit IBM eingegangen. In einem Interview mit dem amerikanischen Sender CNBC sagte Apple-Chef Tim Cook, dass zwar in vielen namhaften Firmen Apple-Produkte verwendet würden, aber noch deutliche Steigerungen möglich seien: "Wenn wir es schaffen, die Firmenwelt so umzukrempeln wie die der Endkunden, liegt hier für uns eine große Chance." Die Kooperation sei ein Meilenstein, beide Unternehmen seien der jeweilige Goldstandard in ihren Bereichen.

Der Deal sieht vor, dass IBM sich vor allem um die Software und Sicherheit kümmert, Apple hingegen um die Hardware. Unternehmen sollen also iPads und iPhones kaufen und kriegen rund 100 Apps. Jede dieser Apps soll so aufgebaut sein, dass sie im Arbeitsalltag eingesetzt werden kann - samt Anbindung an die Cloud und die Analyse-Systeme von IBM.

Es geht um Apps und Internetdienste

Das Umkrempeln der Firmenwelt soll also vor allem auf Smartphones und Tablets stattfinden. Firmendaten sollen über Apps analysiert werden - mitunter also auch im Internet, in der Cloud. Apple hofft, dass IBM als Firma, bei der laut New York Times mehr als 6000 Sicherheitsforscher arbeiten, für Kunden die entsprechende Sicherheit bieten kann.

Eine der vielen Apps könnte laut Virginia Rometty, der Chefin von IBM, so funktionieren: Piloten können über ihre Systeme prüfen, wie voll der Tank ist und dementsprechend Entscheidungen treffen. Dadurch könnten Fluggesellschaften Kosten sparen, so Rometty. Als Einsatzbereiche sehen IBM und Apple vor allem die Gesundheitsvorsorge, Banken, Transport und eben Reise. Erste Apps sollen ab diesem Herbst verfügbar sein.

Darum kooperieren die Unternehmen

Sowohl Tim Cook als auch Virginia Rometty sprechen bei diesem Deal von Puzzleteilen, die sich perfekt ineinanderfügen. Apple verdient sein Geld in erster Linie mit Hardware. Was den Gewinn angeht, ist Apple mit seinen teuren Geräten in diesem Bereich weltweit führend. Die Software, wie zum Beispiel das Betriebssystem, gibt es oftmals gratis dazu.

IBM hingegen verkaufte im vergangenen Jahrzehnt weite Teile seines Hardware-Geschäfts. Die PC- als auch die Serversparte wurde von dem chinesischen Hersteller Lenovo übernommen. IBM konzentriert sich vor allem auf den Bereich Big Data, also die Analyse von immensen Datensätzen. "Es gibt keine Überlappung, keine Konkurrenz", so Tim Cook.

Es geht vor allem um Android

Apple ist allerdings eher ein Einzelkämpfer. Partnerschaften mit anderen Firmen geht die Computerfirma nur selten ein. Warum also jetzt die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Erzrivalen IBM? Schaut man sich die Marktanteile in den USA an, erschließt sich eine Kooperation auch nicht unmittelbar: Laut einem Bericht vom vergangenen Februar sind schon jetzt 54 Prozent aller Smartphones in der amerikanischen Geschäftswelt Apple-Geräte, bei den Tablets hat Apple sogar einen Marktanteil von 91 Prozent.

Apple wolle mit dem Deal vor allem verhindern, dass Android größer in den Markt einsteigt, so der Branchenanalyst Tim Bajarin. "Google und besonders Samsung haben sich auf den Weg gemacht, mehr Android-Geräte in die IT-Abteilungen zu bringen. Dieser Deal hat das viel, viel schwieriger gemacht", schreibt Bajarin. Auch Microsoft werde es nun noch schwerer haben, als zuvor ohnehin schon. Denn bei Smartphones und Tablets spielt das Unternehmen im Gegensatz zu Desktop-Computern kaum eine Rolle.

Früher Feinde, heute Freunde

Apple distanzierte sich in seinen Gründungsjahren explizit von der Unternehmenskultur von IBM. Der frühere Chef Steve Jobs posierte in einem Foto vor dem IBM-Logo - mit Stinkefinger. Aus diesem Grund glauben Branchenkenner, dass ein solcher Deal unter Jobs nicht zustande gekommen wäre. Unter ihm kooperierte Apple zwar 2003 mit IBM für Mac-Prozessoren; diese wurden aber später durch Modell von Intel ersetzt*. Tim Cook arbeitete zwölf Jahre für IBM.

*Anmerkung der Redaktion: Satz am 18.7. ergänzt.

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