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iPhone 7:Warum neue iPhones in Japan schneller sind als in Deutschland

Die zwei iPhones sehen identisch aus - im Gehäuse können sich aber unterschiedliche Komponenten befinden.

(Foto: AP)
  • Das iPhone 7 besitzt je nach Ausführung unterschiedliche Internet- und Speichergeschwindigkeiten.
  • Kunden werden nicht explizit auf die Leistungsunterschiede hingewiesen.
  • In Deutschland ausgelieferte Modelle beinhalten ein Intel-Modem, das bis zu 30 Prozent niedrigere Datenübertragungsraten hat.

Das iPhone 7 ist das neueste Smartphone-Modell von Apple und gleichzeitig das beste. Zumindest wenn man den unzähligen Produkttests glaubt, die dazu veröffentlicht wurden. Allerdings haben aktuellen Vergleichen zufolge baugleiche iPhones unterschiedliche Leistungen. Sie sehen identisch aus, sie kosten gleich viel, - dennoch weisen die mehr als 750 Euro teuren Smartphones signifikante Geschwindigkeitsunterschiede auf.

Cellular Insights liefert einen der Gründe dafür. Demnach kommen die eingebauten Modems, die dem iPhone den LTE-Internetzugang ermöglichen, von zwei verschiedenen Lieferanten. Und die haben dem US-Blog zufolge unterschiedliche Übertragungsgeschwindigkeiten im mobilen Datennetz. Während Apple in den vergangenen fünf Jahren ausschließlich auf Modems von Qualcomm setzte, lasse der iPhone-Konzern dieses Jahr in einem Teil der Smartphones auch Intel-Chips verbauen.

Apple weist Kunden nicht explizit auf die Leistungsunterschiede hin

Cellular Insights testete mehrere baugleiche iPhone 7 Plus, die sich lediglich anhand der Modems unterschieden. Geprüft wurde die LTE-Geschwindigkeit bei unterschiedlichem Datendurchlauf. Bei einer Standardbelastung zeigten die Geräte kaum Unterschiede auf. Erhöhten die Tester jedoch die Datenmenge, etwa durch Videostreamings oder Downloads, übertrug das Qualcomm-Modem im Vergleich zu dem Intel-Komponenten die Daten bis zu 30 Prozent schneller. Im Zeitalter von mobilem Internet und intensiver Datennutzung kann das für Nutzer ein deutlicher Vorteil sein - oder ein Nachteil.

Sowohl vom iPhone 7 als auch vom iPhone 7 Plus gibt es zwei Modelle: A1660 und A1661 beinhalten das Qualcomm-Modem, A1778 und A1784 den Intel-Chip. Die technischen Spezifikationen der Modems legt Apple auf seiner Webseite unter dem Punkt "Drahtlose Technologien" offen. Für den normalen Verbraucher ist dies nicht mehr als eine Ziffern- und Buchstabenkette - auf Leistungsunterschiede wird nicht explizit hingewiesen.

Ärgerlich für deutsche Kunden: Das bessere Qualcomm-Modem wird ausschließlich in China, Japan, und den USA ausgeliefert. Eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung nach den Gründen für die Modellunterschiede beanwortete Apple so: "Das sind Gerüchte und Spekulationen, die Apple nicht kommentiert."

Mehr Speicherplatz bedeutet auch mehr Geschwindigkeit beim iPhone 7

Nicht nur bei der Datenübertragung unterscheiden sich die Leistungen der iPhones. Anfang des Monats berichtete gsmarena.com bereits von Unterschieden in der Schreibgeschwindigkeit, abhängig vom Speicherplatz. Die Tester verglichen die Leistung des 32-Gigabyte-iPhone 7 mit dem 128-Gigabyte-Modell anhand der sogenannten Trimming-Funktion: Um ein hochaufgelöstes Video zu schneiden benötige das Smartphone mit weniger Speicherplatz 52 Sekunden, das 128-Gigabyte-Modell nur 17 Sekunden. Das 32-Gigabyte-Gerät habe dabei eine Schreibgeschwindigkeit von etwa 40 Megabyte pro Sekunde, das Modell mit mehr Speicherplatz sei hingegen um das Achtfache schneller.

Mehrere Blogs führten daraufhin ähnliche Tests durch und bestätigten das Ergebnis. Von unterschiedlichen Lieferanten für den Speicher des iPhone ist soweit nichts bekannt. Heise vermutet die Ursache vor allem in der Größe des Speichers. Aber auch langsamere Komponententeile können für den Geschwindigkeitsnachteil verantwortlich sein. Beunruhigend für Apple dürfte auch ein Test von Forbes sein, der die Schreibrate anderer 32-Gigabyte-Smartphones untersuchte. Samsungs Galaxy S7 Edge übertrifft demnach in dieser Disziplin das iPhone 7 um das Dreifache, das Google Pixel XL war sogar um das Sechsfache schneller als das Apple-Gerät.

Die Nachteile, die aus diesen Unterschieden entstehen, sind für viele Nutzer nicht immens, aber spürbar.

© SZ.de/seg/jab/mri
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