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Computerspiel "Game of Thrones":Jeder Mann muss sterben

Endlich mal kein Shooter! Das episodische Computerspiel "Game of Thrones: Iron from Ice" erzählt die Geschichte der HBO-Fernsehserie weiter - ohne ihr eine Spielmechanik aufzudrücken.

Von Daniel Wüllner

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Game of Thrones

Quelle: HBO / Telltalegames

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Worum geht es in "Game of Thrones: Iron from Ice"?

Die Erfolgsserie "Game of Thrones" geht weiter. Nicht als Fernsehserie, aber als Computerspiel, das auch weniger spieleaffine Leser und Zuschauer begeistern kann. Das Spiel basiert auf den Fantasy-Büchern "Das Lied von Eis und Feuer" von George R.R. Martin. Sie erzählen die Geschichte vom Land Westeros. Dort bekriegen sich fünf adelige Häuser. Es wird intrigiert, um den Platz auf dem eisernen Thron zu sichern. Wer das Spiel um den Thron gewinnt, regiert das Land.

Die Handlung des Computerspiels "Game of Thrones: Iron from Ice" setzt zum Ende der dritten Staffel der gleichnamigen HBO-Fernseherie ein und soll pünktlich zu Beginn der fünften TV-Staffel enden. Der Spieler schlüpft im Computerspiel in die Rolle von Charakteren aus dem Hause Forrester und versucht, im Kampf um den eisernen Thron nicht unterzugehen.

Wer bitte ist das Haus Forrester? Das kommt doch in den Büchern gar nicht vor, werden viele Fans sagen. Doch, tut es: "Fährtenleser und Jäger, die dem Tiefwald verpflichtet sind, mit Clannamen wie Forrester, Wood, Branch und Bole." So heißt es im fünften Buch der Reihe.

Game of Thrones

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Was sieht vielversprechend aus?

Im Gegensatz zu dem enttäuschenden Lizenzspiel von 2012 haben die amerikanischen Entwickler von Telltale Games sich das Ziel gesetzt, die Welt des eisernen Throns stimmungsvoll einzufangen: Viele der bekannten Orte und Ereignisse in Westeros (und Essos) werden geschickt mit der Handlung verwoben: Audienzen bei Königin Cersei in King's Landing, die berüchtige Red Wedding in den Zwillingstürmen des Hauses Frey. Bei dieser inszenierten Hochzeit werden der Bräutigam Rob Stark und seine Mutter brutal ermordet.

Die Spielmechanik setzt R.R. Martins Intrigenspiel perfekt um: "Drei Finger abhacken", "Zur Mauer schicken" oder "Begnadigen" sind mögliche Optionen, wie hier mit einem Verräter umgegangen werden soll. Unter Zeitdruck muss ein Urteil gefällt werden. Denn ein Zögern wird als Schwäche verstanden - auch keine Antwort wird als Antwort gewertet. Jede moralische Entscheidung wird im Verlauf von "Game of Thrones: Iron from Ice" Konsequenzen haben.

Jede Unterhaltung wird zum verbalen Gefecht: Highlight der ersten Folge ist das Kreuzverhör in King's Landing: Der Spieler muss Königin Cersei davon überzeugen, dass das Haus Forrester loyal ist. Gleichzeitig versucht er, seine Vertrauten zu schützen. Der Dialog ist spannender als die meisten Boss-Kämpfe, die handelsübliche Shooter zu bieten haben.

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Warum sollte man trotzdem skeptisch sein?

Wer aber glaubt, er könne als Cersei oder Tyrion Lannister vom eisernen Thron aus über Westeros regieren, liegt falsch. Das Computerspiel ist als historischer Roman angelegt und spielt sich zwischen den eigentlichen Zentren der Macht ab. Dafür ist es Telltale Games gelungen, die Originalsschauspieler Lena Heady (Cersei) und Peter Dinklage (Tyrion) für ihr Spiel zu gewinnen. Wenn der Spieler mit den bekannten Figuren interagiert, steigern die echten (englischen) Stimmen das Gefühl, die Fernsehserie selbst fortzusetzen.

Ein kleines Manko ist die Auswahl der spielbaren Charaktere: Obwohl das unbekannte Haus Forrester mit Ramsey Snow einen würdigen Bösewicht bekommen hat, wirken die Familienmitglieder wie eine Kopie des Hauses Stark: Die gerechte Vaterfigur, die Tochter am Hofe des Königs, der widerspenstige Sohn und die drei jüngeren Geschwister. Einzige Ausnahme ist der Knappe Gared, der Gemeinsamkeiten mit Jon Snow haben könnte.

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Woran erinnert "Game of Thrones: Iron from Ice"?

Endlich mal kein Shooter! Das episodische Computerspiel ist nach demselben Muster konzipiert wie die anderen Spiele von Telltale Games: "The Walking Dead", "The Wolf Among Us" und "Tales from the Borderlands". Den amerikanischen Entwicklern gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, ohne ihr dabei eine Spielmechanik aufzudrücken. Eine Episode "Game of Thrones: Iron from Ice" ersetzt mit ihren zwei Stunden Spielzeit problemlos eine Doppelfolge "Game of Thrones" und verkürzt die Wartezeit auf die fünfte TV-Staffel.

Die weiteren Folgen sollen in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden. Nachdem sich die einzelnen Teile von "The Wolf Among Us" verzögerten und auch die Mac-Version von "Tales from the Borderlands" lange auf sich warten ließ, bleibt zu hoffen, dass Telltale Games sich an seinen Zeitplan hält. Gleich zum Start wurde der Veröffentlichungstermin der ersten Episode von "Game of Thrones: Iron from Ice" für den Mac nicht eingehalten.

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Was passiert, wenn man das Spiel zum ersten Mal startet?

Der Spieler ist zu Gast bei einer Hochzeit, der Red Wedding aus "Game of Thrones". Während drinnen Rob Stark und seine Mutter umgebracht werden, versucht der Spieler vor den Toren des Schlosses in der Rolle des Knappen Gared Tuttle, seinem Herrn, Lord Forrester, zu helfen. Es gilt, Schwertern auszuweichen, rechtzeitig den Schild hochzureißen und sich aus der Umklammerung der Freys zu befreien. Schafft man das nicht, beenden die unheimlichen Worte "Valar Morghulis" das Abenteuer jäh - was übersetzt "Jeder Mann muss sterben" heißt. Denn das Computerspiel geht mit Gewaltszenen und liebgewonnenen Figuren genauso erbarmungslos um wie die Bücher und die Fernsehserie.

"Game of Thrones: Iron from Ice" Episode One (USK 16) ist für Playstation 4, XBox One, Xbox 360, PC und iOS erhältlich. Umsetzungen für Playstation 3 und für Android erscheinen in Kürze. Je nach Plattform lassen sich entweder einzelne Episoden für ca. 5 Euro kaufen oder alle sechs Folgen für 28 Euro erwerben.

© SZ.de/rus

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