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Smart Speaker:Haus verwanzt, aber egal

Sprachassistenten

Die Lautsprecher Google Home (l) und Amazon Echo, ausgestattet mit den Sprachassistenten Google Assistant und Alexa, auf der Internationalen Funkausstellung IFA im September.

(Foto: dpa)

Wohnzimmerwanzen wie Amazon Echo und Google Home werden massenhaft gekauft. Für ein bisschen "Star Trek" im eigenen Heim vergessen viele, wie lax die Konzerne mit ihren Daten umgehen.

Welches Interesse treibt Konzerne an, die von den Daten ihrer Nutzer leben? Wollen sie die Welt verbessern und allen Menschen das Wissen der Welt erschließen? Oder möchten sie noch besser verstehen, was ihre Kunden wirklich bewegt?

Die Wahrheit ist simpel: Sie wollen Daten, und zwar möglichst viele. Wenn nun solche Konzerne, konkret Google und Amazon, Geräte mit Dauerlauschfunktion auf den Markt bringen - muss man sich da wirklich wundern, wenn die angeblichen Wunderdinger eben auch Daten sammeln? Wenn sie sogar, wie jetzt herauskam, mit geringem Aufwand als richtiggehende Wanzen, als Einfallstor für Hacker missbraucht werden können?

Man muss sich allerdings schon ein wenig darüber wundern, dass die Konzerne noch immer nach ihrem alten Motto verfahren: Erst mal machen, und dann kann man immer noch mögliche Probleme angehen. Aber nicht nur die Konzerne haben Schuld. Auch die Konsumenten, die sich solche Geräte allzu vertrauensselig in die Wohnung stellen, sollten nachher nicht lamentieren. Über Probleme mit dem Datenschutz wurde überaus prominent berichtet - dennoch wurden weltweit Millionen davon verkauft.

Die Konzerne schlampen beim Datenschutz, die Kunden haben das Nachsehen

Noch einmal die Fakten zum aktuellen Fall: Die vernetzten Lautsprecher von Amazon und Google lassen sich mit einfach zu programmierender Software missbrauchen, beiden Herstellern ist diese Software bei ihren Kontrollen durchgerutscht, weil sie sich nur die Ursprungsversion genauer angesehen haben, nicht aber Updates. Genau darin hatten Forscher ihre potenziell bösartigen Kommandos versteckt. Soweit man weiß, ist die Lücke noch nicht von Kriminellen ausgenutzt worden, zumindest nicht in großem Stil.

Dennoch ist es schon ziemlich erschütternd, mit welch laschen Sicherheitsvorkehrungen die Konzerne diese Technologie unters Volk bringen. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass die sprechenden Boxen ins Gerede kommen. Die meisten Nutzer nahmen an, dass das, was sie ihrem Echo- oder Google-Home-Lautsprecher vorsagten, nur von Computersoftware analysiert würde. Doch dem war nicht so. Manche der Daten wurden auch von Menschen abgehört. Weil die Software weit weniger schlau ist, als die Firmen das in ihrer Werbung glauben machen wollen. Sie versteht die Wörter, aber eben sehr oft auch nicht, was sie in diesem oder jenem Zusammenhang bedeuten. Die menschlichen Lauscher sollten der künstlichen Intelligenz auf die Sprünge helfen.

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Eigentlich sollten Alexa und Co. auch nur dann Sprachdaten ans Internet senden, wenn das Codewort, zum Beispiel "Alexa", gesprochen wird. Damit das funktioniert, müssen die Mikrofone immer an sein. Doch Tests haben gezeigt, dass sich die Geräte oft auch bei nur annähernd ähnlich klingenden Wörtern mit den Servern der Hersteller verbinden. Die empfindlichen Mikrofone übermitteln dann an die Konzerne, was nie dafür gedacht war.

Klar, man kann die Mikros auch abschalten. Doch wie viel Sinn ergibt ein Gerät mit Sprachsteuerung, wenn ich erst hinlaufen muss, um es einzuschalten und dann das Kommando zu sprechen?

Das meistgenutzte Kommando soll übrigens das zum Einschalten des Lichts sein. Das mag in dem einen von hundert Fällen hilfreich sein, in dem man die Hände gerade nicht frei hat. Ansonsten ist es Spielerei - die darüber hinaus noch Energie kostet, denn sowohl die vernetzten Lautsprecher wie auch die darüber ansprechbaren Lampen müssen ja ständig mit Strom versorgt werden, damit das funktioniert.

Der Wunsch nach ein wenig Star-Trek-Feeling in der Wohnung ist aber - so scheint es - ziemlich mächtig. Befeuert wird er auch von Dumpingangeboten der Hersteller. Amazon etwa verschleudert seine Echo-Geräte geradezu, darauf kalkulierend, dass nicht die Hardware den Gewinn bringt, sondern die Daten, die damit gewonnen werden.

Damit die Kommandos für alle möglichen Geräte von der Jalousie bis zum vernetzten Heizkörper-Thermostat funktionieren, braucht es Software, vergleichbar mit den Apps auf einem Smartphone. Sie ist es eigentlich, die ein Smartphone erst richtig smart macht. Wohl deshalb nehmen es die Hersteller nicht so genau mit der Kontrolle - schließlich will man die Programmierer nicht durch allzu rigide Überprüfung verprellen. Das Nachsehen haben die Kunden.

Die hätten es eigentlich in der Hand, die Konzerne zu mehr Sorgfalt im Umgang mit ihren Daten zu drängen. Doch die Abstimmung mit dem Bestellknopf zeigt: Es ist ihnen ganz offenbar egal.

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