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Schule:"Der Stellenmarkt für Sonderpädagogen ist leergefegt"

Kritik

Das Deutsche Institut für Menschenrechte, das die Umsetzung der BRK beobachtet, befürchtet, dass die Reform in NRW "das Langziel eines inklusiven Schulsystems gefährdet". Das schwindende Vertrauen der Beteiligten in die inklusive Bildung werde so weiter geschwächt. Als "Enttäuschung auf ganzer Linie" wertet die Kölner Elterninitiative Mittendrin die neuen Standards: Durch die Schwerpunktschulen werde die Zahl der Schulen gemeinsamen Lernens deutlich sinken. Zudem wirft die Initiative der Regierung vor, verfügbares Fachpersonal für die Sonderschulen zu reservieren.

Wie groß die Personalnot ist, drückt Marianne Schardt, Bundesgeschäftsführerin des Verbandes Sonderpädagogik (VDS) aus: "Ob Förderschulen oder inklusive Schulen, der Stellenmarkt für Sonderpädagogen ist leergefegt." René Schroeder, VDS-Vorsitzender in NRW, weiß, dass zum Beispiel im Bezirk Düsseldorf im ersten Halbjahr 2018 von 400 Stellen nur 70 besetzt waren. Dennoch begrüßt er die Reform, sie bringe "endlich klare Bedingungen".

Schon lange jedoch kritisieren Experten ein Doppelsystem aus Sonder- und Regelschulen als ineffektiv und zu teuer. Und obwohl die kostspieligen Sonderschulen den Löwenanteil des Fachpersonals an sich binden, entlassen sie 71 Prozent ihrer Schüler ohne jeden Schulabschluss, rügt etwa der Ländervergleich Inklusive Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ein Beitrag zur Gleichberechtigung sei das nicht.

Bundesweite Umsetzung

Einige Bundesländer streben inklusiven Unterricht an jeder Schule an, andere setzen auf Schwerpunktschulen. Bremen vertritt den inklusiven Ansatz am konsequentesten, es hat bis auf wenige Spezialförderzentren alle Sonderschulen aufgelöst. Auch in Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin gehen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf häufiger auf Regel- als auf Sonderschulen. In den anderen Ländern ist es umgekehrt. In Bayern besuchen sogar mehr Kinder mit Handicaps die Sonderschule als vor zehn Jahren.

So ist es auch in Baden-Württemberg, wo Schulministerin Susanne Eisenmann (CDU) selbst kleinste Sonderschulen erhalten will. Die von ihr geplanten neuen Mindestgrößen, etwa Grundschulen mit acht oder Haupt- und Realschulen mit neun Schülern, hält die Landesarbeitsgemeinschaft "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen" für "pädagogisch absurd und reine Ressourcenverschwendung". Das Personal dieser Zwergschulen werde dringend für die Inklusion benötigt.

© SZ vom 31.07.2018/mkoh

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