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Rassismus an Schulen:Ein Drittel der Schüler hat Migrationshintergrund

Das würde auch Serkan Günel unterschreiben. Er kennt das Problem aus zwei Perspektiven - zuerst aus der des Schülers, heute aus der des Lehrers an einer bayerischen Mittelschule. "An meiner Grundschule auf dem Dorf war ich vor 30 Jahren der einzige Türke, da gab es schon den einen oder anderen blöden Kommentar", sagt Günel, der eigentlich anders heißt. Er habe damals aber eine sehr engagierte Klassenleiterin gehabt, die jede Form von Rassismus sofort unterbunden habe. "An ihr orientiere ich mich heute noch, wenn es in meinen Klassen Ärger gibt."

Und wie funktioniert das an einer Mittelschule, wo Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten und Glaubensrichtungen zusammenkommen? Laut Serkan Günel durch klare Kommunikation auf Augenhöhe. "Ich will den Kindern nichts aufzwingen, ich will darüber diskutieren, wer was warum gesagt hat - egal, ob ein Muslim aufgrund seines Glaubens oder ein Pole aufgrund seiner Herkunft beleidigt worden ist." Dass er selbst türkische Eltern hat, hilft ihm dabei. "Ich kann wahrscheinlich besser nachempfinden, was in manchen Schülern vorgeht, als das der Kollege Max Mustermann könnte."

Mit solchen Mustermännern hat Günel in seinem Job öfter zu tun. Mehr als einmal habe er schon einen Kollegen beiseitegenommen, wenn er das Gefühl hatte, dass bei dessen Umgang mit Schülern Vorurteile eine Rolle spielten. "Das waren einige Male sehr komplizierte Gespräche und man hat auch nicht immer eine gemeinsame Ebene gefunden", sagt Günel. Er will trotzdem alles tun, um Rassismus an der Schule keinen Raum zu geben, denn: "Deutschland ist schließlich ein Zuwanderungsland."

Dass dem so ist, zeigt auch der Mikrozensus von 2016. Demnach hat etwa ein Drittel der Schüler in Deutschland einen Migrationshintergrund. Diese Schüler haben oft keine helle Haut und glauben auch nicht an den christlichen Gott. Und sie heißen nicht Max Mustermann oder Lisa Müller, sondern Sina Araya oder Murat Azgın, sie heißen vielleicht auch Doruk Demircioğlu oder Dejan Mihajlović.

Das sind keine erfundenen Namen, diese Menschen haben alle unter dem Hashtag MeTwo teils schauderhafte Erfahrungen aus ihrer Schulzeit geteilt. Mihajlović zum Beispiel: "In der Grundschule erhielt ich im Zeugnis in D ne 2, obwohl alle meine Leistungen zuvor mit 1 bewertet wurden. Der Lehrer fragte meine Mutter und mich, wie sich wohl deutsche Mitschüler fühlen würden, wenn ein Ausländer in D ne bessere Note als sie hätte. Hat mich geprägt."

© SZ.de/edi/rus
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