Rassismus an Schulen "Es gibt leider auch Vollidioten unter Lehrkräften"

#MeTwo zeigt, dass es an Deutschlands Schulen nach wie vor Probleme mit Rassismus gibt.

(Foto: picture alliance / Wolfram Kastl)

Unter #MeTwo teilen Menschen ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus auch an Schulen. Der Deutsche Lehrerverband fordert: nicht wegschauen.

Von Matthias Kohlmaier

Die #MeTwo-Debatte in den sozialen Netzwerken lenkt nicht nur große Aufmerksamkeit auf den noch immer gängigen und tolerierten bis ignorierten Alltagsrassismus in Deutschland. Sie zeigt auch, wo dieser Alltagsrassismus Betroffene schmerzlich trifft: in der Schule. Von den Zehntausenden Tweets haben viele traurige Erfahrungen mit Lehrkräften und Mitschülern zum Thema.

Sind deutsche Schulen also rassistisch? Behindern sie die Integration, statt sie zu fördern? Die Dinge, die Menschen mit Migrationsgeschichte derzeit via Twitter teilen, zeigen: Zu viele Jugendliche und insbesondere Lehrkräfte lassen sich nach wie vor in ihren Entscheidungen und Äußerungen von Klischees und Vorurteilen leiten.

Kein Klischee, sondern ein wissenschaftlich gut untersuchter Fakt ist, dass es Kinder mit Migrationshintergund an deutschen Schulen schwerer haben als ihre Klassenkameraden. Laut Pisa-Studie sind ihre Leistungen im Durchschnitt deutlich schwächer, sie fühlen sich außerdem unglücklicher in der Schule. Der "Chancenspiegel 2017" hat gezeigt: Für Jugendliche mit ausländischem Pass ist das Risiko eines Schulabbruchs ohne Abschluss mehr als doppelt so hoch wie für ihre deutschen Mitschüler.

Die Leistungsunterschiede erklären Forscher oft mit dem vergleichsweise niedrigen Bildungsniveau der Eltern von Kindern mit Migrationsgeschichte und den eher einfachen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen, in denen die Schüler aufwachsen. Schwerer zu erklären sind die Ergebnisse einer neuen Studie der Uni Mannheim. Demnach werden Grundschulkinder mit ausländischen Namen im Fach Deutsch von Lehrkräften schlechter bewertet als ihre deutschen Klassenkameraden - trotz gleicher Leistung.

"Es gibt leider auch Vollidioten unter Lehrkräften", sagt Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Lehrerverbandes, über Benachteiligungen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Ein derartiges Verhalten sei kriminell, habe im Klassenzimmer nichts verloren und müsse sofort angezeigt und mit einem Disziplinarverfahren geahndet werden. "So ein Lehrer macht so etwas gewöhnlich nicht nur einmal, sondern häufiger."

Meidinger appelliert daher an alle Betroffenen, rassistische Ausfälle unverzüglich der Schulleitung zu melden - und an seine Kollegen, die Fälle streng zu verfolgen. "Natürlich gibt es Schulleitungen, die Probleme ein wenig unter den Teppich kehren wollen - beim Thema Rassismus aber darf keinesfalls jemand wegschauen." Einen flächendeckenden Rassismus in deutschen Lehrerkollegien erkennt Meidinger jedoch nicht. Das Thema müsse dennoch fester in der Lehrerausbildung verankert werden.