Ramadan an der Schule:"Die Schüler sind am nächsten Tag total müde"

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Sanem Kleff

Sanem Kleff ist Lehrerin und nun als Fortbilderin für Pädagogen tätig. Sie leitet das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

(Foto: Caroline Seidel/dpa)

Das wird auch in einem Lehrer-Forum erwähnt: "Zum Fasten kommt hinzu, dass nach Sonnenuntergang ausgiebig gespeist wird, mit Besuch und Trubel im Haus. Die Schüler sind am nächsten Tag total müde." Kleff meint, Schulen sollten bei den Eltern intervenieren, wenn bereits Kinder fasten. Bei älteren Schülern hält sie "freundliche Rücksichtnahme" für selbstverständlich. Aber man dürfe dabei "nicht um jeden Preis den schulische Kalender verändern".

Was heißt das konkret? Eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung unter allen 16 Schulministerien zeigt: Die Frage ist unterschiedlich bedeutend, was an den Anteilen von Schülern mit Zuwandererwurzeln liegt. Von 2,1 Prozent in Brandenburg (dort inklusive der Jugendlichen aus der Ex-Sowjetunion) bis zu etwa 20 Prozent nur Türkisch- und Arabischstämmige in Bremen. Überall geregelt sind muslimische Feiertage, Opferfest und Zuckerfest, hier bekommen Schüler frei - meist auf Antrag.

Beim Fasten empfehlen die Ministerien ihren Schulen Einfühlungsvermögen, solange dies den Schulbetrieb nicht stört: Lehrer sollten "mit Fingerspitzengefühl agieren", das sei "sinnvoller als zentrale Regelungen", heißt es aus dem Ministerium in München. "Es ist wichtig, vor Ort eine auf den Einzelfall bezogene Lösung zu entwickeln", meint die Behörde in Düsseldorf. In Kiel heißt es, die Fachaufsicht sei noch nie eingeschaltet worden, "man kann also begründet davon ausgehen, dass vor Ort jeweils gute Lösungen gefunden werden".

Fasten keine Entschuldigung für Regel- und Pflichtverletzungen

Nur in Hamburg, Berlin und Rheinland-Pfalz gibt es Leitfäden für Lehrer, in Bremen wird ein solcher gerade erarbeitet. Grundsätzlich dürfe "das Fasten nicht als Entschuldigung für Regel- und Pflichtverletzungen herhalten", schreiben die Autoren des Berliner Ratgebers. Zudem sollten Minderjährige generell "vom Fasten abgehalten werden". "Dürfte", "sollte" - wie Lehrer das konkret umsetzen, bleibt offen.

"Es kann nicht sein, dass diese Fragen einzelnen Lehrern als ihr persönliches Problem zugeschoben werden", sagt Sanem Kleff. Nötig sei eine gemeinsame Haltung an jeder Schule, "nichts ist schlimmer, als wenn Herr Maier dies macht und Frau Müller im Klassenzimmer nebenan jenes". Die Leitlinien seien "ein richtiger Schritt", aber man darf "nicht nur zehn Seiten kopieren und die Sache dann als erledigt sehen". So müsse das Thema im Lehramtsstudium vorkommen und in Fortbildungen. Kleff wünscht sich auch eine gesellschaftliche Debatte: "Das ist kein Nischenthema. Eine Gesellschaft ist nicht statisch, Ansprüche und Grenzen von Vielfalt sind immer wieder neu zu verhandeln." Information, Debatten, Empfehlungen - damit seien sinnvolle Lösungen an den Schulen möglich.

Es gibt "keine Order von oben", sagt eine Lehrerin in einer Hauptschule in einer bayerischen Großstadt. Jeder Lehrer entscheide da eigenständig. Und wenn ein Schüler die Hausaufgaben nicht macht wegen des Fastens? "Wenn er mir glaubhaft versichert, dass das der Grund ist, könnte ich mich vielleicht darauf einlassen", sagt sie. Andererseits: "Ganz viele Schüler bei uns machen Hausaufgaben sowieso nicht, egal ob Ramadan oder nicht."

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