bedeckt München 26°
vgwortpixel

Katholische Kirche:Wer ein zweites Mal heiraten möchte, hat ein Problem

Komplizierte Beziehung: katholischer Religionslehrer und seine Kirche.

(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Katholische Religionslehrer müssen ihr Leben nach den Vorgaben der Kirche ausrichten. Das führt zu absurden Situationen.

Roman Haehl ist 32, verheiratet und hat einen kleinen Sohn. So weit, so normal. Trotzdem denkt er über Details seines Lebens und die Folgen für seinen Beruf nach. Details, die niemanden außerhalb seiner Familie etwas angehen. Sein Sohn wurde erst mit fünf Monaten getauft, noch dazu erst bei der Hochzeit von Roman Haehl und seiner Lebensgefährtin. Brav katholisch ist das nicht. Na und, er lebt doch im 21. Jahrhundert, könnte Roman Haehl sagen - aber er ist Religionslehrer.

Er unterrichtet zwar an einer staatlichen Fachoberschule und ist bayerischer Beamter, aber Haehl braucht auch die Lehrerlaubnis der katholischen Kirche, die sogenannte Missio Canonica. Die deutschen Bischöfe erteilen sie in ihren Bistümern unter der Bedingung, dass Religionslehrer ihren Unterricht im Sinne des christlichen Glaubens halten und auch privat die Grundsätze der katholischen Kirche beachten.

Gut 750 000 Lehrer gibt es in Deutschland, nach Schätzungen der Deutschen Bischofskonferenz unterrichten etwa 70 000 von ihnen katholische Religion. In Bayern gibt es etwa 3300 Pädagogen für katholische und 1150 für evangelische Religion an Realschulen und Gymnasien, dazu kommen die Volksschullehrer, die Religion als eines von vielen Fächern unterrichten.

Zwar sind Staat und Kirche in Deutschland getrennt, aber die Kirchen haben starken Einfluss auf den Religionsunterricht. Dieser wird laut Grundgesetz "in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften erteilt". Die Kirchen gestalten den Lehrplan mit und teilen sich auch die Schulaufsicht mit den Ministerien. Die evangelisch-lutherische Kirche gilt bei Kirchenkritikern als moderner, die Erwartungen an Religionslehrer wirken hier weniger strikt: Die EKD verlangt zwar, dass Religionslehrer Kirchenmitglied sind und ihren Unterricht nach Ordnung und Bekenntnis der Landeskirche gestalten. Die Landeskirchen erteilen die Vokation und wie bei der Missio Canonica können sie diese Lehrerlaubnis auch wieder entziehen. Das Privatleben der Lehrer aber wird nicht explizit erwähnt.

"Die Lehrer bleiben im Staatsdienst"

Wann und wie oft die Missio entzogen wird, könne man nicht pauschal sagen, heißt es von der Deutschen Bischofskonferenz. Der Entzug laufe in einem rechtlich geregelten Verfahren, es handele sich immer um Einzelfallentscheidungen, bei denen die persönliche Glaubens- und Lebenssituation zu berücksichtigen sei.

Im bayerischen Kultusministerium sieht man das Ganze eher unaufgeregt. Kein Pädagoge stehe auf der Straße, wenn ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen würde. "Die Lehrer bleiben im Staatsdienst und unterrichten dann eben ihre anderen Fächer", sagt ein Sprecher. Problematischer sei das bei Lehrern, die an kirchlichen Schulen angestellt sind.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite