Bundesländer im Vergleich Wo werden Schüler am besten auf den Arbeitsmarkt vorbereitet?

Eine Schülerin arbeitet in Sindelfingen (Baden-Württemberg) an einem Tabletcomputer. Wie gut die Schulen bereits mit IT-Technik ausgestattet sind, darüber gibt es keine verlässlichen Daten.

(Foto: dpa)
  • Ökonomen haben anhand von fast einhundert Indikatoren die Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme in Deutschland aus wirtschaftlicher Sicht untersucht.
  • Nur zwei Bundesländer erzielen im IW-Bildungsmonitor 2018 mehr Punkte als im Vorjahr.
  • Im Bereich Informatik gibt es nach Meinung der Experten zu wenige Daten.

Schüler schneiden in Leistungstests schlechter ab, die Integration lässt nach und das Risiko von Bildungsarmut steigt wieder: Das Zeugnis des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Bundesländer fällt schlechter aus als zuletzt. Mit seinem Bildungsmonitor überprüft das IW jährlich, wie leistungsfähig die Bildungssysteme aus ökonomischer Sicht sind. Zentral geht es also um die Fragen: Werden Schüler und Auszubildende bestmöglich darauf vorbereitet, als künftige Fachkräfte die Unternehmen zu unterstützen und den gesellschaftlichen Wohlstand zu sichern? Auftraggeber der Studie ist die von Arbeitgeberverbänden getragene "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM).

Im 15. Bildungsmonitor beobachtet das IW erstmals Rückschritte in nahezu allen Ländern. Die Viertklässler waren in Mathe und Deutsch nicht mehr so gut wie ihre Vorgänger. Und mehr Schüler brachen die Schule ab - eine Folge der Flüchtlingsmigration, so das IW: Fast jeder sechste ausländische Jugendliche verließ die Schule im Jahr 2016 ohne Abschluss (die Zahlen für das gerade zu Ende gegangene Schuljahr liegen noch nicht vor). Im Vorjahr waren es noch weniger als 12 Prozent.

So haben die Bundesländer abgeschnitten

Leicht verbessert haben sich gegen den Trend nur die Bundesländer Berlin und Schleswig-Holstein. Berlin hatte in den vergangenen zehn Jahren im Ländervergleich stets den letzten Platz belegt. Jetzt kann vermeldet werden: Die Zahl der Schulabbrecher geht zurück (von 9,6 auf 8 Prozent) - sogar, wenn man nur die ausländischen Schüler betrachtet. Unter ihnen sank der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss von 21,3 auf 19 Prozent. Das IW wertet das als Zeichen einer zunehmend gelingenden Integration innerhalb des Berliner Schulsystems, das auf Platz 13 des Rankings vorrutschte.

Die Autoren des Bildungsmonitors werten verschiedene Datensätze und Studien zu Kitas, Schulen und Hochschulen aus, zum Beispiel von Statistikämtern und Forschungsinstituten. Dabei berücksichtigten sie in diesem Jahr 93 Indikatoren, neben der schulischen Leistung und Abbrecherquoten zum Beispiel Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten und das Betreuungsverhältnis, also wie viele Schüler auf jeden Lehrer kommen. Auf dieser Grundlage vergeben die Autoren Punkte auf einer Skala von null bis hundert. Die leistungsfähigsten Bildungssysteme haben demnach Sachsen, Thüringen und Bayern. Ganz hinten im Jahr 2018: Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bremen.

Deutschlandweit Nachholbedarf in der Digitalisierung

Erstmals hat das IW sich auch mit dem Thema Digitalisierung in Schulen befasst. Für deutsche Unternehmen wird es immer wichtiger, dass Absolventen Computerprogramme und das Internet nutzen können. Bewerber, die Software programmieren können, sind bereits jetzt sehr gesucht. Die Vorbereitung durch die Schulen auf diese Anforderungen könnte nach Einschätzungen des IW allerdings deutlich verbessert werden: "Für die Digitalisierung brauchen wir eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrerfortbildung, mehr Austausch über innovative digitale Lehr- und Lernkonzepte und vor allem eine regelmäßige Überprüfung digitaler Kompetenzen der Schüler und Lehrer", sagt Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu den Ergebnissen.

Die Autoren des Bildungsmonitors fordern einen schulübergreifenden Vergleichstest für digitale Kompetenzen, wie etwa in Mathematik und Deutsch. Außerdem sollten Lehrerfortbildungen in diesem Bereich verbindlich in den Lehrentwicklungsplänen festgeschrieben werden. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen müsse in Studium, Referendariat und der aktiven Berufsphase integriert sein.

Geld für Computer allein reicht nicht

Den Digitalpakt der Bundesregierung sehen die Ökonomen lediglich als wichtige Voraussetzung, nicht aber als Garantie für künftige Lernerfolge der Schüler. Die Regierungsparteien hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, in den nächsten Jahren fünf Milliarden Euro, davon 3,5 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode für Informations- und Kommunikationstechnologie in Schulen bereit zu stellen. Die pädagogischen Konzepte und Fortbildungen dazu sollen die Länder noch entwickeln. Schon jetzt zeigen viele Beispiele, dass Schulcomputer schnell zu Schrott verkommen, wenn Lehrerinnen und Lehrer für den Umgang nicht geschult werden und nicht berücksichtigt wird, wie viel Zeit sie für die Betreuung der Systeme benötigen.

Kritisch sehen die IW-Experten in Bezug auf den Digitalpakt auch, dass es keine verlässlichen Daten über die bundesweit schon vorhandene IT-Ausstattung der Schulen gibt. Eine solche Bestandsaufnahme sei nötig, um das Investitionsvolumen richtig abzuschätzen. Bisher beruhen Annahmen lediglich auf Lehrerbefragungen. Am häufigsten werden digitale Medien nach den Auswertungen des IW derzeit in bayerischen Bildungseinrichtungen genutzt: 64,4 Prozent der Lehrkräfte setzten diese mindestens einmal die Woche im Unterricht ein. In Bremen handhaben das nur gut ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer so.

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