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Der ideale Lehrer:Ein 56-jähriger Biologe gilt als einer der besten deutschen Lehrer

Mehr Klarheit bringt möglicherweise der Blick auf einen echten Lehrer. Friedrich Lütke Twenhöven wurde im vergangenen Herbst mit dem Klaus-von-Klitzing-Preis als einer der besten deutschen Lehrer für Naturwissenschaften ausgezeichnet. Seit 20 Jahren unterrichtet der 56-Jährige Biologie und Chemie an der Hermann-Tast-Schule in Husum, jedes Jahr beteiligen sich viele seiner Schüler an naturwissenschaftlichen Wettbewerben wie "Jugend forscht".

An diesem Nachmittag unterrichtet Twenhöven Schüler der 13. Klasse im Projektkurs Technik, den er vor sechs Jahren ins Leben gerufen hat. Die Schüler bauen in Zweier-Teams funktionsfähige Windräder, Biogas- oder Solaranlagen. Die 19-jährige Anna-Katharina macht sich an grün leuchtenden LED-Schläuchen zu schaffen, in denen Algen und Torfmoose ihrer Verstromung in der schuleigenen Biogasanlage entgegenwachsen. "Herr Twenhöven ist immer für uns da", sagt sie. "Wenn wir Fragen haben, können wir ihn auch in seiner Freizeit anrufen."

Der Chemieunterricht, den Anna-Katharina vor sechs Jahren bei Twenhöven hatte, ist ihr immer noch gut in Erinnerung: "Wir haben sehr viele Versuche selbst gemacht, auch echt spannende. Zum Beispiel haben wir einen Bleistiftspitzer aus Metall zum Glühen gebracht und dann mit Wasser versucht zu löschen, das gab eine richtige kleine Explosion. So was bleibt im Gedächtnis."

"Komischerweise ist in der Didaktik von Begeisterung nie die Rede"

Zusammen mit einem Kollegen hat Twenhöven im Biologie-Trakt einen Tierraum mit Meerschweinchen, Mäusen, Ratten, Schlangen und Gespenstschrecken eingerichtet. Die Schüler wechseln sich in der Tierpflege ab. "Besonders die Kleinen kommen regelmäßig in der Pause zu den Tieren, so entwickeln sie Interesse für Biologie", erzählt Twenhöven. "Wenn die Aufmerksamkeit für ein Thema erst mal geweckt ist, muss das der Ausgangspunkt für tiefergreifende Überlegungen werden. Dieser Übergang ist die eigentliche Kunst."

Was macht seiner Meinung nach einen guten Lehrer aus? "Vor der Preisverleihung habe ich natürlich darüber nachgedacht. Ich lasse die Schüler vieles selbst erarbeiten. Und ich bin von den Themen begeistert, vielleicht ist es das", meint er. "Komischerweise ist in der Didaktik von Begeisterung nie die Rede, es geht immer nur um Methoden und Techniken. Ich fände es wichtiger, Lehrerpersönlichkeiten zu entdecken und zu fördern."

Übrigens folgen auch Twenhövens Schüler nicht immer brav dem Unterricht. Dann kann er auch mal streng sein: Ältere Schüler, die zu spät kommen, müssen zur Strafe etwas backen. Keinen idealen Lehrer, sondern einen realen Kuchen für die Klasse.

© SZ vom 19.01.2012/fran
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