Oberfranken:Wunsiedel sucht einen neuen Namen

Coronavirus - Wunsiedel

Im Landkreis Wunsiedel gibt es eine Debatte, ob er künftig anders heißen soll.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Wer will schon im etwas sperrigen "Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge" leben? Der Landrat jedenfalls plädiert für eine Umbenennung. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Glosse von Olaf Przybilla

Eines wird man Peter Berek nicht absprechen können: den Mumm. Wer als Landrat erst kurz im Amt ist und schon die Initiative ergreift, dem Landkreis einen neuen Namen zu verpassen, dessen oberstes Ziel dürfte es kaum sein, unter allen Umständen Schiffbruch zu vermeiden. Muss man sich nur mal andernorts vorstellen, out of Wunsiedel: Klar doch klingt "Traunstein" gut - aber warum nicht mal was Neues, Unverbrauchtes? Und wer will schon, mit Verlaub, für immer in "Miesbach" leben?

Da kann man sich schnell einen Lackschaden holen, gerade als ranghöchster Kommunalpolitiker. Das war Berek aber wurscht, weshalb er im Herbst mit seinen Gefühlen nicht mehr hinterm Berg halten wollte: Ewig leben im sperrigen "Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge"? Findet der CSU-Mann nicht so sexy, rein namensmäßig, plädiert alternativ fürs frühlingsentschlackte "Landkreis Fichtelgebirge" und ließ das gleich mal zur Abstimmung stellen. Aufschrei eingepreist.

Der kam dann auch zuverlässig. Aha, und auf unser Nummernschild, fragen Besorgte, schreiben wir dann künftig nicht WUN, sondern LKF - wie leichtes Kampfflugzeug? Oder lieber gleich FIC? Am lautesten läuft seither der Fichtelgebirgsverein Sturm, 15 000 Mitglieder, hohe Relevanz in der Region. Der hat ermittelt, dass die Leute mit dem Fichtelgebirge nicht zuletzt den Theresienstein verbinden. Der sich aber bei Hof auftürmt. Oder den Fichtelgebirgsberg schlechthin, den Ochsenkopf - Kreis Bayreuth. Und den Steinwald. Der nicht mal in Franken liegt. Sondern in der Oberpfalz.

Über Jahrhunderte sei da ein buntscheckiger, kleinteiliger, identitätsstiftender Kulturraum in diversen politischen Einheiten gewachsen. Nordbayern in nuce gewissermaßen. Dies nun dem schnellen Marketingerfolg opfern? Niemals!

Der Landrat hat jetzt leise zurückgeschlagen: In einer Abstimmung hätten 71 Prozent für den Neunamen votiert, gibt er bekannt, trotz Kampagne organisierter Fichtelgebirgler. Kampagne? Man habe lediglich seine Meinung gesagt, erwidert der Verein. Und falls man erst selbst eine Umfrage initiiere, würden da mehr als nur 1000 Teilnehmer mitmachen!

Das wird noch lustig, da in Wunsiedel. Man wird es andernorts beobachten. Und vielleicht doch in Miesbach weiterleben.

© SZ vom 29.04.2021/van/vewo
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