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Statistik:Bayern wächst - mit regionalen Unterschieden

Sonnenuntergang in München

Wie steht es um Fertilität, Mortalität und Migration? Und was macht das mit der Bevölkerungsstruktur? Darauf schaut das Statistische Landesamt.

(Foto: dpa)

2039 werden voraussichtlich 13,5 Millionen Menschen im Freistaat leben - 424 000 mehr als 2019. Was das für Land und Leute bedeutet und warum Hotspots anderer Art drohen.

Von Maximilian Gerl

Im Lesen bunt gefärbter Bayern-Karten hat man in diesen Corona-Zeiten Erfahrung. Und so lässt die Abbildung, die das Statistische Landesamt in seiner aktuellen Monatszeitschrift präsentiert, gleich an Hotspots denken. In Tieforange sind die Regionen mit den größten Zuwächsen ausgewiesen, wenn auch nicht bei den Infektionen, sondern bei der Bevölkerung.

2039 werden voraussichtlich rund 13,5 Millionen Menschen in Bayern leben, 424 000 mehr als 2019. Mit regionalen Unterschieden: Während vor allem Großstädte und angrenzende Landkreise weiter wachsen, wird der Bevölkerungsschwund andernorts anhalten. Das könnte bestehende Probleme verschärfen - und die Schere zwischen Stadt und Land noch weiter auseinanderklaffen lassen.

Das Zukunftsszenario des Landesamts bietet Einblicke, wie sich "Fertilität, Mortalität und Migration langfristig auf die Bevölkerungsstruktur" auswirken könnten. Insofern ist der Hotspot-Gedankte vielleicht gar nicht so verkehrt. Zum Beispiel ist bezahlbarer Wohnraum dort, wo die Karte in warmen Plus-Tönen gefärbt ist, jetzt schon oft knapp. Mit weiter steigenden Bevölkerungszahlen können die Landeshauptstadt München und ihr Umland rechnen, besonders der Landkreis Ebersberg (plus 11,5 Prozent).

Auch in Pfaffenhofen an der Ilm - auf halber Strecke zwischen Ingolstadt und München - fällt der Zuwachs mit mehr als zehn Prozent überdurchschnittlich aus. Oberbayern wächst bis 2039 wohl um 6,6 Prozent, Schwaben um 4,8 Prozent, Mittelfranken um 1,7 Prozent. Ein Grund: der Zuzug aus anderen Regionen Bayerns, aus Deutschland und Europa, der Jobs und Ausbildung wegen.

Hotspots anderer Art drohen, wo die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung zeigt. Etwa in Oberfranken. Für den Landkreis Kronach wird ein Bevölkerungsrückgang von 11,5 Prozent veranschlagt, für Wunsiedel einer von 10,6 Prozent. Auch in Unterfranken überwiegen mit im Schnitt minus 2,2 Prozent die Verluste. In Niederbayern und der Oberpfalz ist das Bild gemischt. Regener (minus 3,1 Prozent) und Tirschenreuther (minus 8,1 Prozent) werden weniger, Landkreis-Landshuter (plus 9,7 Prozent) und Neumarkter (plus 6,1 Prozent) mehr.

Corona wirkt sich womöglich noch auf die Prognosen aus

Wichtiger dürfte damit die Frage werden, wie sich gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land schaffen lassen - und wie jene Regionen mit schwindender Bevölkerung die Daseinsfürsorge organisieren. Dort könnte das Durchschnittsalter noch mehr steigen. Dieses dürfte sich aufgrund des demografischen Wandels im Bayern-Schnitt von 43,9 Jahren auf 45,9 erhöhen.

Die Altersgruppe der Erwerbsfähigen würde kleiner, der Fachkräftemangel tendenziell verschärft. Größer dagegen würde die Zahl der Menschen ab 65 Jahre: von 2,7 Millionen auf 3,58 Millionen. Angesichts gestiegener Geburtenrate wird allerdings auch erwartet, dass die Zahl der unter 20-Jährigen zunimmt. Von ihnen könnten 2039 etwa 2,53 Millionen in Bayern leben, 4,3 Prozent mehr als 2019.

Natürlich ist die Vorausberechnung mit allerlei Unsicherheiten behaftet. Ganz aktuell heißt diese Corona. So lässt sich noch nicht sagen, ob des Virus und seiner Folgen wegen 2020 weniger Menschen innerhalb Bayerns umzogen. Angenommen wird aber, dass die Zuwanderung kurzfristig zurückging. Auch die Sterberate für Ältere in von der Pandemie besonders betroffenen Regionen korrigierten die Statistiker nach oben. Im Idealfall normalisieren sich alle Werte im Laufe dieses Jahres. Das wäre nicht nur für die Genauigkeit der Prognose wünschenswert.

© SZ vom 29.03.2021/infu
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