Messerangriff in Würzburg:Attentäter fühlte sich verfolgt

Messerangriff in Würzburg: Menschen legen Blumen und Kerzen am Tatort nieder.

Menschen legen Blumen und Kerzen am Tatort nieder.

(Foto: AFP)

Der 24-Jährige wurde zu Beginn des Jahres wegen "paranoider Wahnvorstellungen" behandelt. Er glaubte, von Geheimdiensten beschattet zu werden.

Von Olaf Przybilla, Würzburg

Zwei Wochen nach der Messerattacke von Würzburg, bei der drei Menschen getötet und neun weitere zum Teil schwer verletzt wurden, werden weitere Details aus der Vorgeschichte des 24 Jahre alten Angreifers bekannt. Wie der Leiter des Zentrums für Seelische Gesundheit, Domenikus Bönsch, bestätigt, fühlte sich der Somalier von Geheimdiensten bedroht. Der 24-Jährige war im Januar und Juni 2021 in der Würzburger Fachklinik untergebracht gewesen. "Beobachtung und Nachstellung durch Geheimdienste" seien eine "häufig auftretende paranoide Wahnvorstellung", erklärte Bönsch auf Anfrage der SZ. So sei es auch im Fall des 24-Jährigen gewesen.

Demnach wurde dem Somalier ein "Verfolgungswahn" attestiert. Unter anderem habe sich der 24-Jährige "von Mitbewohnern wahnhaft bedroht und verfolgt" gefühlt. Dass der Somalier auch Todes- und Gewaltandrohungen geäußert habe, bestätigte Bönsch indirekt. Solche seien "häufiger Einweisungsgrund bei psychiatrischen Patienten" und oft als wahnhaftes Symptom der akuten Erkrankung zu verstehen. Eine "etwas längere Behandlung" wäre grundsätzlich auch gegen den Willen eines solchen Patienten möglich. Eine dauerhafte jedoch nicht.

Der 24-Jährige, für dessen frühere Klinikaufenthalte diverse Drogen in höheren Mengen eine Rolle spielten, war im Januar für neun Tage Patient der Klinik. Im Juni, zehn Tage vor der Messerattacke, für einen Tag. Nach Klinikangaben habe er "sehr gut" auf verabreichte Medikamente reagiert. Binnen kurzer Zeit sei es ihm besser gegangen, er habe auf Entlassung gedrängt. Trotz mehrerer Gespräche sei er "nicht zum Bleiben zu bewegen" gewesen. Ein Unterbringen gegen seinen Willen sei wegen der nicht mehr vorhandenen akuten Eigen- oder Fremdgefährdung nicht möglich gewesen.

Dass Patienten unter Psychosen litten "und zugleich Alkohol und Drogen" konsumierten, sei in Einrichtungen wie einer psychiatrischen Fachklinik "leider" häufig der Fall, teilte Bönsch mit. Die Diagnosen wechselten in solchen Fällen je nach Zustand des Patienten zwischen "wahnhafter Störung" und "drogeninduzierter Psychose" - dies wiederum stets als Verdachtsdiagnose und Beschreibung eines aktuellen Zustands des Patienten.

Wie die Würzburger Main Post berichtet, wurden in der Klinik auch Vorbehalte gegen Frauen festgestellt. So habe der 24-Jährige Kontakte zu weiblichem Personal vermieden. Das sei "nicht ungewöhnlich" bei Patienten aus anderen Kulturkreisen, erklärte Bönsch, sei aber hier "besonders ausgeprägt" gewesen.

© SZ vom 10.07.2021
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