bedeckt München 14°

Wiesenfeld:Getötete 13-Jährige: Verdächtiger im Fall Sabine B. aus Haft entlassen

Der Tatverdächtige wurde im Januar 2021 festgenommen.

Der Tatverdächtige wurde im Januar 2021 festgenommen.

(Foto: dpa)

Die Indizienlage konnte keinen dringenden Mordverdacht erhärten. Der 44-Jährige war durch eine genetische Untersuchung ins Visier der Ermittler geraten - 27 Jahre nach der Tat.

Von Olaf Przybilla

Zehn Wochen nach seiner Festnahme ist ein 44-jähriger Tatverdächtiger im Mordfall der 13-jährigen Sabine B. aus dem fränkischen Wiesenfeld (Kreis Main-Spessart) wieder auf freiem Fuß. Wie Tobias Kostuch, Sprecher der Würzburger Staatsanwaltschaft bestätigte, erkenne das Landgericht aufgrund der Indizienlage zum jetzigen Zeitpunkt keinen dringenden Mordverdacht. Andere mögliche Tatvorwürfe - wie ein Totschlag oder eine etwaige Sexualstraftat mit Todesfolge - wären 27 Jahre nach der Tat verjährt.

Mit neuen Untersuchungsmethoden waren die Ermittler auf eine genetische Spur gestoßen, die zu dem 44-Jährigen aus dem Kreis Main-Spessart geführt hatte. Allein diese Spur sowie vereinzelte andere Hinweise reichten nun aber nicht für die Aufrechterhaltung des Untersuchungshaftbefehls aus. Der Anwalt des 44-Jährigen hatte zuvor Beschwerde gegen die Inhaftierung eingelegt und dessen Freilassung gefordert.

Auch hinsichtlich eines zweiten Beschuldigten hatte die Staatsanwaltschaft zuletzt einen Rückschlag hinnehmen müssen. Das Landgericht Würzburg hatte eine Durchsuchung bei einem weiteren Mann aus dem Kreis Main-Spessart für rechtswidrig erklärt.

Allerdings sei der Durchsuchungsbefehl aufgrund einer - nach so langer Zeit - Unverhältnismäßigkeit aufgehoben worden, betonte Oberstaatsanwalt Kostuch: "Nicht, weil das Gericht keinen Anfangsverdacht erkannt hätte." Das gesamte Verfahren sei damit nicht eingestellt. Nach Ostern werde der die Ermittlungen leitende Staatsanwalt entscheiden, wie es weitergeht. Jedoch kann das Verfahren nur bei bestehendem Mordverdacht fortgeführt werden. Die 13-jährige Sabine B. war am 15. Dezember 1993 nicht nach Hause zurückgekehrt. Ihre Leiche wurde kurz darauf auf einem Reiterhof in der Nähe von Wiesenfeld in einer mit einem Betondeckel verschlossenen Güllegrube gefunden.

© SZ/wean
Zur SZ-Startseite
Den KZ-Überlebenden Leon Weintraub durchfährt noch heute ein Vibrieren, wenn er an den Appellplatz in Flossenbürg denkt.

SZ PlusNationalsozialismus
:"Vergessen wäre das Schlimmste"

Mit 19 Jahren kam Leon Weintraub ins KZ Flossenbürg. Jedes Jahr kehrte er zurück, um von der Hölle der Nazis zu berichten. Die Pandemie macht persönliche Treffen mit KZ-Überlebenden unmöglich - doch das Erinnern muss weitergehen.

Von Thomas Balbierer

Lesen Sie mehr zum Thema