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Weihnachten in der Pandemie:Mit Christbaum durch die Krise

Weihnachtsbäume

Es könnte ein Rekordjahr werden für die Christbaumverkäufer in Bayern.

(Foto: dpa)

Corona-Gewinner sind bislang wenige, Klopapier-Fabrikanten zum Beispiel. Aber nun bereiten sich die Christbaum-Händler auf ein Rekordjahr vor - wenn Weihnachten heuer doch kein Familienfest werden sollte.

Glosse von Florian Fuchs

Amazon und ganz konkret natürlich die Hersteller von Klopapier sind bislang einige der wenigen Gewinner der Corona-Krise. Nun allerdings schickt sich eine Branche an, alle bisherigen Pandemie-Verkaufsrekorde zu pulverisieren. Weihnachtsbaum-Verkäufer hatten alle Zeit der Welt, sich vorzubereiten auf den Handel unter Covid-19-Bedingungen. Die Saison war gerade zu Ende, als die Pandemie begann.

Die Branche hat ihre Schlüsse gezogen und nun ist klar: Das könnte ein Rekordjahr werden. Die Hoffnung liegt auf Single-Haushalten, die rund um Heiligabend oft verreisen und bei Verwandten und Freunden feiern. Der Corona-Trend gehe klar zur Feier allein, frohlockt der Verein Bayerischer Christbaumanbauer. Und deshalb brauchen alle Alleinstehenden erstmals selbst einen Baum.

Ohne dem Verein Bayerischer Christbaumanbauer das diesjährige Geschäftsklima schlecht reden zu wollen: Ganz so einfach ist es nicht. Der Södersche "Lockdown light" soll ja gerade - mutmaßlich im Auftrag höherer Mächte - durch eine rechtzeitige Reduzierung der Inzidenzzahlen ein Weihnachten im Kreis der Familie ermöglichen. Das wiederum bedeutet aber nicht, wie der eine oder andere Querdenker vermuten könnte, dass sich die bayerische Staatsregierung gegen die Christbaumverkäufer im Freistaat verschworen hat.

Im Gegenteil: Der Christbaum spielt eine zentrale Rolle im bayerischen Weihnachtsbrauchtum, es ist sogar ein früher Exportschlager: In Griechenland schmücken sie heute angeblich nur deshalb ihre Tannen, weil Otto von Wittelsbach den Brauch Mitte des 19. Jahrhunderts als König Griechenlands eingeführt haben soll.

Etwa 30 Millionen Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen Jahr für Jahr. Eine Nordmanntanne von 1,63 Meter Höhe, das hat einmal eine Schulklasse für eine Fernsehsendung nachgezählt, hatte 187 333 Nadeln. Trotz des prognostizierten Ansturms von Alleinstehenden werde der Verkaufspreis weiterhin zwischen 18 und 24 Euro pro Meter Nordmanntanne liegen, versichert der Christbaumverkäuferverband. Nur die Feuerwehr zählt zu den Verlieren, wenn plötzlich alle Singles selbst einen Nadelbaum schmücken: Nie im Jahr gibt es so viele Brände wie rund ums Weihnachtsfest.

© SZ vom 10.11.2020/vewo
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