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Tradition:Was trocken ist, brennt leicht

02 04 2015 Berlin Deutschland simmulierter Zimmerbrand zur Weihnachtszeit

Vertrocknete Christbäume mit Kerzen können explosionsartig in Brand geraten, wie diese Simulation der Feuerwehr zeigt.

(Foto: Marius Schwarz/imago)

Viele Christbäume werden erst an Mariä Lichtmess entsorgt - zum Leidwesen der Feuerwehr.

Die Bewohner eines Einfamilienhauses in Marktheidenfeld (Landkreis Main-Spessart) hatten Glück im Unglück. So muss man es fast nennen, wenn es in den eigenen vier Wänden brennt und doch niemand körperlich zu Schaden kommt. Anderthalb Wochen ist es her, dass die Feuerwehr dort des Nachts ausrückte. Ein Christbaum war in Brand geraten, wie es in offiziellen Meldungen bisweilen heißt. Die Bewohner des Hauses hatten offenbar noch versucht, den Baum in ihrem Wohnzimmer zu löschen, doch vergebens. Erst die Einsatzkräfte brachten das Feuer unter Kontrolle. Nachdem sie die Räume gelüftet hatten, konnten die unverletzten Bewohner wieder zurück in ihr Haus.

Lichterloh steht der Weihnachtsbaum in Flammen und mit ihm die ganze Wohnung: keine angenehme Vorstellung und zum Glück auch kein Regelfall - aber eben auch kein Einzelfall zu dieser Zeit des Jahres. Denn obwohl der Heilige Abend mehr als einen Monat zurückliegt, mussten Feuerwehren in Bayern zuletzt mehrere Male wegen Christbäumen ausrücken. Allein im Januar wurde beispielsweise eine vierköpfige Familie in München bei einem Wohnungsbrand verletzt, als ein Christbaum Feuer fing. In Regensburg löste ein Christbaum mit echten Kerzen einen Zimmerbrand aus. Der Baum war binnen weniger Sekunden in Brand geraten, das Feuer hatte auf das Mobiliar übergegriffen. Ähnliches ereignete sich in Volkach (Landkreis Kitzingen). Der wohl traurigste Fall: Nach einem Christbaumbrand in einer Wohnung in München starb eine 94-Jährige an den Folgen starker Verbrennungen. Eine defekte Lichterkette hatte das Feuer den Angaben der Behörden nach ausgelöst.

Der brennende Weihnachtsbaum in der Nachweihnachtszeit ist für Jürgen Weiß ein bekanntes Phänomen. Der Referent für Facharbeit beim Landesfeuerwehrverband Bayern kann zwar heuer keine Häufung der Fälle feststellen. Allerdings gibt es auch keine Statistik dazu, und auch das Problem ist jedes Jahr das gleiche. Eigentlich, sagt Weiß, gehörten die Fichten und Tannen längst aus dem Haus. "Alles, was sehr trocken ist, brennt sehr leicht." Er könne überhaupt nicht verstehen, dass Menschen Ende Januar noch echte Kerzen an einem völlig vertrockneten Baum anzünden. "Da ist die Brandgefahr riesengroß."

Der tiefere Grund liegt im katholischen Glauben verborgen. Denn streng genommen endete für Katholiken und Brauchtumspfleger die Weihnachtszeit erst am Sonntag. Der Kirchenkalender kennt den 2. Februar als Mariä Lichtmess. Das Datum blickt auf eine lange Tradition zurück, die Lichtmess - früher bisweilen auch "Mariä Reinigung" genannt - gilt als eine der ältesten Feiern in der Kirche. An diesem Tag wird daran erinnert, wie Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn Jesus 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel brachten, um ihn Gott zu weihen. Später war Lichtmess dann für die Mägde und Knechte auf den Bauernhöfen der Tag des Abschiednehmens vom Dienstherrn. Dabei erhielten sie den Lohn fürs ganze Jahr - den sie auf Märkten natürlich teils auch gleich wieder ausgaben. Danach suchten sie sich eine neue Stelle. Heutzutage begehen Katholiken Mariä Lichtmess mit Gottesdiensten, vielerorts auch mit Kerzenweihe und Lichterprozessionen. Bis 1912 war der 2. Februar offizieller katholischer Feiertag.

Inzwischen hat es sich allerdings eingebürgert, dass schon mit dem Dreikönigstag am 6. Januar die Weihnachtszeit endet. Vielerorts wird dann der Feiertagsschmuck beiseite geräumt und damit auch der Baum. Aus dem Alltag ist das Fest damit freilich fast verschwunden; und dort, wo es noch lebt, gerät es in Konflikt mit modernen Wohnstandards. Auf dem Land standen Christbäume einst bis Mariä Lichtmess in nur karg geheizten Häusern, mehr gab es ja oft nicht. In der Wohnküche, dem oftmals einzigen wirklich gemütlich warmen Raum, hatte er dabei nichts zu suchen. So blieb der Baum lange frisch. Heute ist das freilich anders - was letztlich auch die Feuerwehren merken. In den gut geheizten Wohnzimmern trocknen die eh schon ausgedorrten Bäume vollends aus. Beim kleinsten Funken stehen sie in Flammen. Da bringe es aus Sicht von Feuerwehrmann Weiß auch wenig, einen Zehnliter-Eimer mit Wasser neben den Baum zu stellen: "Da muss man schon selbst daneben stehen, wenn der Feuer fängt, damit das was bringt."

© SZ vom 03.02.2020 / dpa, maxi

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