Uni-Atlas:Wo der Kontrast zur Betonkulisse wartet

An den Türen der Büros hängen Plakate, und auf den Plakaten stehen Sprüche wie "Ganz nah dran am Osten". Denn Regensburg liegt nur eine Autostunde von der tschechischen Grenze entfernt und diese Nähe zu Mittel- und Osteuropa spiegelt sich sehr stark in Lehre und Forschung wider. Am Europaeum, dem deutschlandweit einzigartigen Ost-West-Zentrum, lernen und forschen Master-Studenten aus Ost- und Westeuropa gemeinsam und vergleichen ihre Kulturen, Mentalitäten und Stereotypen länder- und fächerübergreifend.

Ähnlich strukturiert sind die Bachelor-Studiengänge Südosteuropastudien, Deutsch-Polnische Studien und Deutsch-Tschechische Studien. Darüber hinaus gibt es die studienbegleitenden Zusatzausbildungen Bohemicum, Hungaricum, Rumaenicum und Slovakicum.

Auch manche naturwissenschaftlichen Studiengänge der Uni Regensburg genießen einen ausgezeichneten Ruf - zum Beispiel die Physik, die in bundesweiten Rankings meist ähnlich weit vorne liegt wie die Studiengänge der Human- und Zahnmedizin. Ansonsten kann man auf der Regensburger Dauerbaustelle so gut wie alles studieren, die Hochschule ist eine Volluniversität - elf Fakultäten, mit mehr als 180 Studiengängen von Archäologie bis eben Zahnmedizin, darunter auch seltenere Fächer wie Immobilienwirtschaft und Nanowissenschaften.

Im Sommer trifft man die Studenten auf dem Bismarckplatz

Der totale Kontrast zur Betonkulisse ist die Regensburger Altstadt, wo jedes Haus eine andere Farbe hat und einen anderen Stil, wo manche Fassaden sich wölben, als trügen die Häuser dicke Bäuche vor sich her. Die hohe Kneipendichte der Altstadt ist allseits bekannt, aber im Sommer sitzen die Studenten lieber auf dem Bismarckplatz - weil man nicht entspannter ins Nachtleben starten kann als unter freiem Himmel und auf Kopfsteinpflaster, das nachts noch so warm ist, dass man nirgendwo anders sitzen möchte.

Außer vielleicht am Donauufer, wo die Kaimauer ähnlich dicht belagert ist mit jungen Menschen. Auch so ein Ort, an dem aus einem Bier drei werden und irgendwann ist Mitternacht, und die Leute ziehen weiter in die vielen guten Kneipen und die leider nicht ganz so vielen guten Clubs.

Dort trifft man dann nicht selten dieselben Leute, die man vormittags schon in der Vorlesung oder im Seminar gesehen hat - was freilich nicht bedeutet, dass man jeden dieser Menschen auch treffen möchte. Aber so ist das halt, in einer 160 000-Einwohner-Stadt, in der jeder Fünfte ein Student ist. Wer kurze Wege mag und lange Nächte, der ist in Regensburg jedenfalls am richtigen Ort.

© SZ vom 02.06.2016/bica
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