Uni-Atlas:Frische Fassaden dank Papst Benedikt

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Illustration: Korbinian Eisenberger

Erst hatte die Uni Regensburg den Ruf einer erzkonservativen Festung, dann den einer Bruchbude. Den Studenten ist das jedoch egal: Zahlen und Fakten.

Von Andreas Glas, Regensburg

Pünktlich zum Höhepunkt der Studentenproteste nahm die Universität Regensburg zum Wintersemester 1967/68 ihren Betrieb auf. Zu diesem Zeitpunkt war der erste Rektor bereits wieder abgesetzt worden: Götz Freiherr von Pölnitz stürzte über seine Nazi-Schriften, die er während des Dritten Reichs veröffentlicht hatte. Auch dessen Nachfolger Franz Mayer kann man nicht direkt als Glücksgriff bezeichnen. Ihm wird das Zitat nachgesagt, Freimaurer, Liberale und Sozialdemokraten hätten in Regensburg nichts zu suchen. Und so hatte die Universität früh den Ruf einer erzkonservativen Festung.

Dies änderte sich unter Rektor Karl-Heinz Pollok, in dessen Amtszeit die Uni eine fast revolutionäre Reform erlebte: Die Hierarchien an den Instituten fielen weg, es gab ein Departement-System statt Fakultäten und die Studenten hatten ein für Bayern erstaunlich hohes Maß an Mitbestimmung. Doch dem Kultusministerium war all das zu liberal, weshalb die Aufbruchstimmung nicht lange hielt.

Im Jahr 1977 schrieb die Zeit über die Uni Regensburg: "Das Gros der Studenten verharrt in der 'Ohne-mich-Haltung' und ist völlig entpolitisiert. Die meisten Assistenten passen sich ihren Professoren an, die wiederum meist ihren Dienst brav ableisten, aber ansonsten ihre private Idylle - wenn sie eine haben - genießen wollen."

Zu diesem Zeitpunkt war der Campus bereits auf seine heutige Größe gewachsen: 150 Hektar groß ist die Anlage im Stadtsüden. Der Vizepräsident der Uni hieß damals Joseph Ratzinger. An der Uni lehrte er acht Jahre lang Dogmatik und Dogmengeschichte, bis er zum Erzbischof von München ernannt wurde. Heute, knapp 30 Jahre später, ist die Uni ihr konservatives Image los, dafür haftet ihr der Ruf einer Bruchbude an.

Immerhin: Seit der Freistaat vor acht Jahren 400 Millionen Euro für eine Sanierung lockergemacht hat, tropft und bröckelt und zieht es nicht mehr so wie früher. Und die meisten Fassaden sind auch gestrichen, was wiederum mit Joseph Ratzinger zu tun hat, der im Herbst 2006 als Papst Benedikt XVI. an die Uni zurückkehrte - da wollte man natürlich nicht in schlechtem Licht dastehen. Im Audimax hielt der Papst dann seine berühmt gewordene Vorlesung, für die er ein Zitat wählte, das den islamischen Propheten Mohammed als einen bezeichnet, der nur "Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht habe.

Auf die Anziehungskraft der Uni hatte dies keine Auswirkungen: Mehr als 21 500 Studenten sind inzwischen eingeschrieben, mehr als je zuvor.

© SZ vom 02.06.2016
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