Unter Bayern:Man hätt's ja wissen können

Die Wahl ist zwar vorbei, aber das Theater um die Umfragen will überhaupt nicht mehr aufhören.

Von Franz Kotteder

Kaum ist man mal ein paar Wochen lang nicht eingeteilt für die Unter-Bayern-Kolumne, schon passiert so allerhand. Da war diese Bundestagswahl, bei der wieder kein Bayer Kanzler geworden ist, und eigentlich möchte man meinen: Das Thema "Umfragen" ist damit durch. Doch weit gefehlt. Es geht nur noch darum! Und was da nicht alles los ist. Die bayerische SPD freut sich über aktuell unglaubliche 20 Prozent und fragt sich, was das mit ihrer Politik zu tun haben kann. Im Nachbarland tritt ein Kanzler zurück, wegen fünf Jahre alter Umfragen. Und Hubert Aiwanger hat ein Problem, weil er während des Wahlvorgangs gesetzeswidrig Umfrageergebnisse getwittert hat. Macht nix, sagt der Bundeswahlleiter, es waren ja gar keine richtigen Umfrageergebnisse. Wo er die Zahlen herhatte, will der Aiwanger aber nicht sagen. Vielleicht stammten sie vom Umfrageinstitut Beinschab?

Aber - obacht, Hubert! - mit dem hat auch der Sebastian Kurz seinerzeit gearbeitet. Sieht man ja, was er jetzt davon hat. Die CSU hat Kurz noch vor ein paar Wochen als große Lichtgestalt angesehen, inzwischen ist ihr ein Licht aufgegangen und sie fragt ganz scheinheilig: Was sollen wir gesagt haben? Lichtgestalt? Wir erinnern uns nicht. Mir persönlich gefällt ja der österreichische Kosename "Wunderwuzzi" für den Kurz viel besser. Das klingt so schön wienerisch-halbseiden, mehr nach Josephine Mutzenbacher als nach Kaiserin Maria Theresia. Aber so abschätzig kann man sich heute natürlich leicht äußern. Dabei gilt auch in dieser Angelegenheit, was der Wiener Fußballer und Meistertrainer Ernst Happel einst sagte: "Vurher muasstas wissen, weil nochher wissen's eh olle!"

Markus Söder wiederum hat schon lange vor der Bundestagswahl ziemlich viel gewusst, aber momentan schaut's jetzt doch so aus, als ob ihm ausgerechnet das auf die Füße fällt. Er fährt jetzt vorsichtshalber nicht einmal zum Deutschlandtag der Jungen Union nach Münster, weil er für den Nachwuchs der Schwarzen anscheinend nicht mehr gar so die Lichtgestalt ist, die er mal war. Wahrscheinlich ist den JUlern inzwischen aufgegangen, dass schon im Kindergarten der Typ, der den großen Turm aus Bauklötzchen lustvoll zerdeppert hat, nie dabei war, wenn es darum ging, ihn größer und schöner wieder aufzubauen. Um das herauszufinden, braucht es allerdings keine aufwendigen Umfragen - weder echte, noch frisierte.

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