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Symbolfigur für umstrittene Abschiebepraxis:Asif N. ist nach Afghanistan zurückgekehrt

Polizeieinsatz bei Schülerdemo gegen Abschiebung

Die Polizei ging am 2017 in Nürnberg gegen Schüler vor, die mit einer Sitzblockade die Abschiebung von Asif N. verhindern wollen.

(Foto: dpa)
  • Nach einer verhinderten Abschiebung ist der afghanische Asylbewerber Asif N. freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt.
  • Bei der versuchten Abschiebung des heute 22-Jährigen aus einer Nürnberger Berufsschule hatten sich im Mai 2017 Mitschüler und Linksautonome der Polizei in den Weg gestellt.
  • Sein Anwalt erklärte nun, Asif sei mürbe geworden und habe nicht mehr die Geduld gehabt, auf eine Entscheidung in dem Asylfolgeverfahren zu warten.

Seine geplante Abschiebung aus einer Nürnberger Berufsschule hatte Ende Mai 2017 Tumulte und einen als überzogen kritisierten Polizeieinsatz ausgelöst. Inzwischen hat der junge Afghane Asif N., der unfreiwillig zu einer Symbolfigur für eine umstrittene Abschiebepraxis wurde, Deutschland verlassen. Wie die Nürnberger Nachrichten am Donnerstag berichteten und Asif N.s Anwalt Michael Brenner bestätigt, lebt der 22-Jährige schon seit etwa zwei Monaten nicht mehr in Nürnberg. Er sei nicht mehr mit ihm in Kontakt.

Das linke Bündnis "Widerstand Mai 31", das sich nach dem Tag des eskalierten Abschiebeversuchs benannt hat, verbreitete am Donnerstag ein schriftliches Interview, das Mitglieder des Bündnisses nach eigenen Angaben vor dessen Ausreise mit Asif N. geführt haben. Der wehrt sich darin gegen die Bezeichnungen "freiwillig" und "Rückkehr": Er gehe, weil er in Deutschland keine Perspektive und nichts zu tun habe, heißt es dort. "Deutschland ist wie ein Friedhof für mich, du liegst nur da und kannst nichts machen, dich nicht bewegen", wird Asif N. zitiert. "Rückkehr heißt, du gehst zurück zu deiner Stadt und zu deiner Familie und Freundschaft." Er aber reise nach Kabul aus und könne nicht bei seiner Familie leben.

Laut dem Bündnis fürchtet Asif N., dass er in Afghanistan besonders gefährdet ist, weil in Deutschland so viel über ihn berichtet wurde. "Die Leute kennen mich, vielleicht denken, sie, dass ich Geld habe, und nehmen mich fest."

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Schon als Teenager ist er aus Afghanistan geflohen. Dem bayerischen Flüchtlingsrat zufolge stammt er aus der umkämpften Region Ghazni und gehört der Volksgruppe der Hazara an, einer überwiegend schiitischen Minderheit, die von den Taliban verfolgt wird. Er war 16 Jahre alt, als er 2012 in Deutschland ankam und in Nürnberg in einer Unterkunft für unbegleitete Minderjährige untergebracht wurde. Trotz eines abgelehnten Asylantrags durfte er bleiben, zur Schule gehen und einen Abschluss machen. Weil die Bundesregierung bis 2016 wegen der dortigen schwierigen Sicherheitslage grundsätzlich nicht nach Afghanistan abschob, wurde seine Duldung immer wieder verlängert.

In den vergangenen Jahren wurde Asif N.s Leben in Franken offenbar zunehmend perspektivlos. Er durfte keine Lehre anfangen, musste in eine Gemeinschaftsunterkunft für Erwachsene im Nürnberger Norden umziehen und konnte nicht viel mehr tun, als darauf zu warten, ob der Asylfolgeantrag, den sein Anwalt 2017 eingereicht hatte, letztlich doch noch Erfolg haben würde. Brenner hatte den erneuten Antrag auch damit begründet, dass die öffentliche Berichterstattung über seinen Mandanten diesen zusätzlich in Gefahr gebracht habe.

Im vergangenen Jahr hat sich Asif N. zudem vor Gericht verantworten müssen. Auch mehrere andere Jugendliche und junge Erwachsene, die seine Abschiebung mit einer Sitzblockade verhindern wollten, wurden nach dem 31. Mai 2017 angeklagt. Das Jugendgericht hat Asif N. im vergangenen Jahr zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt - wegen des unerlaubten Aufenthalts ohne Pass und wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte mit tätlichem Angriff und Körperverletzung bei der Abschiebung. Zum anderen wegen Sachbeschädigung, weil er vor der geplanten Abschiebung betrunken eine Ampel kaputt gemacht hatte.

Schon zum Prozessbeginn vor einem Jahr hatte Asif N. gesagt, dass ihm das Warten zunehmend schwer falle. "Ich will endlich etwas machen, aber ich darf nicht. Das macht mich so fertig." Damals hatte er sich aber noch selbst Mut zugesprochen: "Ich gebe nicht auf." Nun kam es anders.

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