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Neue Generalsekretärin:Susann Enders will die Stimme der Freien Wähler sein

Susann Enders ist jetzt Generalsekretärin der Freien Wähler.

Die Abgeordnete folgt Michael Piazolo als Generalsekretärin der Freien Wähler nach. Die 52-Jährige könnte einen anderen Stil pflegen als Parteichef Hubert Aiwanger.

Wenn Susann Enders das Luftgewehr in die Hand nimmt und es an ihre Schulter presst, verschwindet alles um sie herum. Sie hört nichts mehr, sie sieht nichts mehr, ihr Blick verengt sich auf diesen einen schwarzen Punkt auf der Zielscheibe. Enders trifft ihn fast immer. Zumindest am Schießstand. In der Politik muss sie es nun ähnlich machen.

Enders, 52, ist die neue Generalsekretärin der Freien Wähler. Nach fast neun Jahren gab Michael Piazolo das Amt ab, weil er Kultusminister wurde. Generalsekretäre zeichnen idealtypisch drei Eigenschaften aus: Sie sind absolut loyal gegenüber ihrem Vorsitzenden, sollten zu allen Themen etwas sagen können, und sie sind für die Abteilung Attacke zuständig. Die Antworten müssen schnell kommen, sie müssen sitzen und am besten beim politischen Gegner einschlagen. Der heißt jetzt zwar nicht mehr CSU, direkt ins Schwarze sollte die Sportschützin Enders aber trotzdem treffen. Kann sie das?

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Ein erstes Treffen im Landtag. Enders ist erst seit ein paar Monaten Abgeordnete, den Besprechungsraum für ihren Besuch bekommt sie aber in weniger als einer Stunde organisiert. Fürs Organisieren von Wahlkämpfen etwa ist allerdings hauptsächlich ihr Stellvertreter zuständig, Felix Locke. Ihre Aufgabe ist eine andere: "Ich werde in der Öffentlichkeit die Stimme der Freien Wähler sein", sagt Enders. Bis vor Kurzem war das vor allem einer: Hubert Aiwanger.

Das Amt des Generalsekretärs war bei den FW deshalb schon immer ein wenig anders. "Es ist gar nicht so wichtig, dass man der Lautsprecher ist, weil Hubert durchaus hörbar ist", sagt Enders Vorgänger Piazolo. Aiwanger aber ist jetzt nicht nur Chef der FW, sondern auch stellvertretender Ministerpräsident. Als solcher hat er nicht mehr die Zeit, sich sofort zu allen Themen zu äußern, und er scheint sich zu bemühen, es nicht mehr in der gewohnten Drastik zu tun. Ist dafür jetzt also Enders zuständig?

"Ein Generalsekretär muss nicht unbedingt der rotzige Wadlbeißer sein", sagt sie. Als besonders bissig fiel sie bis jetzt auch nicht im Landtag auf. "Zuhörend, mitfühlend, zur Empathie fähig", so beschreibt die Grüne Kerstin Celina ihre Kollegin Enders, mit der sie im Ausschuss sitzt. Ganz so draufhauen wie ihr Chef will die neue Generalsekretärin offenbar nicht. Die Kanzlerin als "Totengräberin der inneren Sicherheit" bezeichnen wie Aiwanger? "Nein", das seien nicht ihre Worte, sagt Enders. Eine Kritik an Aiwanger aber sei das natürlich nicht. "Er ist ein hochintelligenter Mann, der genau weiß, was er sagt", sagt Enders. Die absolute Loyalität einer Generalsekretärin also bringt sie mit. Und drastische Worte, das könne sie schon auch, sagt sie und zitiert sich zum Beweis selbst: "Die Freie-Wähler-Frauen haben mehr Eier als die ganze CSU zusammen." So etwas müsse schon mal sein. Sonst aber hat sie vor, eine "niveauvolle Kommunikation" zu pflegen.

Am leichtesten fiel ihr das bis jetzt, wenn es um Gesundheit oder Soziales ging. Enders war 23 Jahre lang OP-Schwester in der Unfallklinik Murnau und ist Kreisvorsitzende des Sozialverbands VdK Oberland. In die Politik kam sie aus Protest gegen familienfeindliche Arbeitsbedingungen. Die Klinik weigerte sich, den Dienstplan so zu gestalten, dass sie ihre Kinder von der Kita abholen konnte. Enders klagte und gewann. Danach wollte sie sich politisch für diejenigen einsetzen, die nicht klagen können, weil sie zu schwach sind. Vor allem eines hat sie von den Freien Wählern überzeugt: "Sie sind unabhängig von Spenden und nicht von der Industrie gesponsert." Das meint Aiwanger wohl, wenn er sagt, Enders habe "politische Ideale". Gleichzeitig deckt Enders mit Gesundheit und Sozialem einen Bereich ab, der bei den FW lange nicht an erster Stelle stand.

Wörter wie "neonatologische Intensivstation" kann Enders ohne Probleme aussprechen. In der Gesundheitspolitik fallen ihr klare Worte nicht schwer. In Zukunft aber muss sie diese bei allen Themen finden. Beispiel Frauenquote: Enders ist bei den FW eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen. Sie sagt, eigentlich sei sie gegen die Quote: "Ich will keine Quotenfrau sein." Aber irgendwie ist sie auch dafür: "Ich weiß, dass sie im Moment erforderlich ist." Enders kann das gut begründen, allerdings braucht es dazu ein wenig Zeit. Aber so war das auch mit dem Schießen.

Als sie nach Jahren wieder zum ersten Mal das Luftgewehr in die Hand nahm, schoss sie auch erst einmal daneben. Mit ein bisschen Übung aber traf sie bald wieder ins Schwarze.

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