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Stromtrassen:Bayerische Giftpille

Lange hat Bayerns Regierung heimische Proteste gegen neue Stromtrassen geschürt. Jetzt mobilisiert die CSU mit ihrem neuen Vorschlag auch Widerstand außerhalb des Freistaates - denn dreister lassen sich eigene Interessen kaum über die von Nachbarn stellen.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Der Widerstand in Bayern allein reicht den Bayern nicht mehr. Gut zwei Jahre lang hat die Landesregierung, allen voran Horst Seehofer, die heimischen Proteste gegen neue Stromtrassen nach Kräften gefüttert, ungeachtet aller Sachargumente. Jetzt mobilisiert die CSU auch noch Widerstand in Hessen und Baden-Württemberg.

Nichts anderes bedeutet das vergiftete Angebot, das Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner im Streit um neue Stromtrassen unterbreitet hat. Demnach würde der Freistaat zwar die Nord-Süd-Leitung Suedlink akzeptieren - aber nur in einer Variante, die Bayern bis auf ein paar Kilometer umgeht, zu Lasten der Nachbarländer.

Die Bürger entlang der Trasse werden aufbegehren

Dreister lassen sich die Interessen eines Bundeslandes kaum über die Interessen seiner Nachbarn stellen. Schon deshalb werden Bürger entlang der neuen Trasse aufbegehren. Schon deshalb müssen die Landesregierungen in Wiesbaden und Stuttgart rebellieren.

Das entbehrt nicht einer gewissen Perfidie, denn große Sympathien für Suedlink gab es in München nie. Sollte die neue Variante am Widerstand scheitern, hätte die CSU ihr Ziel erreicht - und könnte trotzdem so tun, als hätten andere die Trasse verhindert. So oder so aber droht ihr ein Pyrrhussieg. Dann nämlich, wenn sich der deutsche Strommarkt mangels Leitungen aufspaltet. Im Norden herrscht dann Überfluss - und teure Knappheit bei den Oberstrategen im Süden.

© SZ vom 18.05.2015/lime

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