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Wintertourismus:Die Schneesicherheit ist bedroht

Brauneck - Abfahrt - Schneekanone

Es ist einfach zu warm, sogar für Kunstschnee, und so ist der Speicherteich an der Garlandalm noch gut gefüllt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das heißt: Die Schneesicherheit, die das Brauneck und die meisten anderen Skigebiete in Bayern für sich reklamieren, ist akut bedroht. Für die Schneesicherheit gibt es eine gleichsam amtliche Definition. Eine Region gilt als schneesicher, wenn dort an wenigstens 100 von den 136 Tagen zwischen 1. Dezember und 15. April mindestens 30 Zentimeter Schnee liegen.

Aber nicht nur die Schneesicherheit ist in Gefahr, sondern auch der sogenannte Weihnachtsindikator - also die Tatsache, dass in den Skigebieten um Weihnachten herum so viel Schnee liegt, dass die Wintersportler ihren Spaß auf den Pisten haben.

In den Weihnachtsferien kommt der Umsatz

Denn die Weihnachtsferien sind die Wintersportzeit schlechthin. Wer Ski fährt, tut das am liebsten in der Zeit zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag. Eine Faustregel der Liftbetreiber besagt: In den Weihnachtsferien machen die bayerischen Skigebiete etwa die Hälfte des Umsatzes der jeweiligen Saison. Ein Viertel erwirtschaften sie in den einwöchigen Faschingsferien. Der Rest entfällt auf die übrigen Saisonwochen. Wenn also ein Skigebiet über Weihnachten zu ist, geht ungefähr die Hälfte des Saisonumsatzes verloren.

Der Klimareport der Staatsregierung macht eindringlich klar, wie schlecht es bereits um den Winter in Bayern bestellt ist. In den vergangenen 80 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in der kalten Jahreszeit um 1,2 Grad Celsius angestiegen. In den Alpen schreitet die Klimaerwärmung noch schneller voran. So ist es in Garmisch-Partenkirchen, das auf der gleichen Höhe wie Lenggries liegt, binnen 55 Jahren im Winterhalbjahr um fast ein Grad wärmer geworden. Bis 2050 werden die Durchschnittstemperaturen in Bayern um bis zu zwei Grad ansteigen, bis 2100 könnten es sogar 4,5 Grad Celsius mehr werden.

Die Zahlen der Statistiker geben nicht viel Anlass zur Hoffnung auf schneereiche Winter in der Zukunft.

(SZ-Grafik; Quelle: BR)

Die Folgen für die Winterfreunde: Nicht nur weiße Weihnachten wird es immer seltener geben. Die Winter insgesamt werden immer kürzer. Laut Klimareport beginnt schon jetzt der Frühling neun Tage früher als vor 50 Jahren, die Vegetationsperiode hat sich insgesamt um 26 Tage verlängert. Entsprechend hat sich die Zahl der Schneetage verringert, der Tage also, an denen überhaupt Schnee liegt. Durchschnittlich beträgt das Minus elf Tage, die Grafik für Garmisch-Partenkirchen dürfte also ziemlich exakt im Trend liegen. Die Zahl der schneesicheren Tage hat zum Teil noch sehr viel deutlicher abgenommen - im Berchtesgadener Land etwa um 31 Tage.

Es sieht nicht gut aus für die kommenden Jahrzehnte

Entsprechend düster sieht die Zukunft aus. Laut Klimareport wird sich die Zahl der Schneetage bis 2050 bayernweit um bis zu 60 verringern. Ebenso die der Frosttage. Sie sind für die Skigebiete so wichtig, weil die Schneekanonen nur bei Minusgraden laufen. Bislang gab es in den Bergen 150 Frosttage und mehr im Jahr. Bis 2100 könnte ihre Zahl auf unter 100 sinken. Das Fazit der Forscher: "Die Schneeverhältnisse, die heute auf circa 1000 Metern Höhe herrschen, werden in Zukunft erst auf 2000 Metern Höhe zu finden sein."

Natürlich kennt Liftchef Lorenz diese Prognosen sehr genau. Seine Reaktion: Er rüstet auf - mit Millionen-Aufwand. "Seit 2005 haben wir 20 Millionen Euro in die Schneesicherheit am Brauneck investiert", sagt Lorenz. An der Garlandalm haben sie ein Beschneiungsbecken für 100 000 Kubikmeter Wasser in den Fels betoniert, sie haben zig Kilometer Leitungen in den Berg gegraben, dazu Schneilanzen und Schneekanonen angeschafft. "Damit schaffen wir locker hundert und mehr Schneetage pro Saison", gibt sich Lorenz sicher, "und zwar auf Jahre hinaus."

Bisher ist der Schnee noch immer gekommen

Denn, so lautet das Credo von Lorenz und all den anderen Liftchefs im Freistaat: Auch in Zukunft werden zumindest die Winternächte so kalt sein, dass die Schneekanonen laufen und Kubikmeter um Kubikmeter feinste Eiskristalle herausschleudern können. Natürlich hat Lorenz dafür Zahlen parat. "Unsere Familienabfahrt hinten bei Wegscheid, die war im Winter 2013/2014 gerade mal zwölf Tage offen, weil es so wenig Schnee gab", sagt er. "Als wir einen Winter später dort die Beschneiung hatten, haben wir die hundert Schneetage locker erreicht - obwohl der Winter nicht besser war als der davor."

Deshalb lässt sich Lorenz auch jetzt nicht irre machen. "Der Schnee kommt schon noch", sagt er, auch wenn sich seine Stimme inzwischen ein wenig trotzig anhört. "Schließlich ist er noch jedes Jahr gekommen - und abgerechnet wird erst nach Ostern."

Einen Überblick über die Situation in den bayerischen Skigebieten liefert die Internetseite des Verbands Deutscher Seilbahnen.

© SZ vom 28.12.2015/vewo

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