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Röthenbach a.d. Pegnitz:Türkisch-Islamische Gemeinde erhält Drohbrief

Laut Ermittlern lasse sich die Karte in eine Serie von Drohschreiben einreihen, die in der Region versendet worden sind.

Blauer Briefumschlag, eine Karte, auf der ein Schwein zu sehen ist, innen steht in Großbuchstaben: "Ihr werdet niemals sicher sein!" Diesem Schreiben ist eine Patrone beigelegt. Adressat des Drohbriefs ist die Türkisch-Islamische Gemeinde Röthenbach im mittelfränkischen Pegnitz, die Fotos davon auf ihre Facebookseite gestellt hat. Am Donnerstag wurde der Umschlag im Briefkasten der Moschee gefunden. Die Kriminalpolizei Schwabach hat die Ermittlungen aufgenommen. Derzeit wird der Brief kriminaltechnisch untersucht. Die Ermittler gehen in einer ersten Bewertung davon aus, dass sich der Brief in eine Serie von gleichartigen Drohschreiben einreihen lässt, die an Personen des regionalen politischen Lebens versandt wurden. Bereits im Dezember nahm eine achtköpfige Ermittlungskommission die Arbeit hierzu auf. "Die Ermittlungen in dieser Bedrohungsserie laufen auf Hochtouren", sagt Michael Konrad, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

Die Bestürzung in und um Röthenbach ist derweil groß. Bürgermeister Klaus Hacker (FW) erklärte, er sei entsetzt. "Wir hatten hier immer ein friedliches, offenes und transparentes Miteinander, und das wollen wir uns nicht kaputtmachen lassen". Auch Recep Calik, Vorstandsvorsitzender von Ditib Röthenbach, sagt: "Die Leute sind natürlich schockiert, weil wir nie gedacht hätten, das so etwas bei uns passiert." Dennoch wolle man sich nicht einschüchtern lassen. Das sehen auch die meisten Röthenbacher Muslime so, die noch zahlreicher als sonst zum Freitagsgebet erschienen. "Wir haben keine Angst", sagt etwa Ümit Ünver. Bis jetzt habe man in Röthenbach immer freundlich und friedlich gelebt und man werde das auch in Zukunft tun.

Trotzdem wurde die Moschee am Freitag von vier Polizisten geschützt. Auch zukünftig soll die polizeiliche Präsenz dort erhöht werden. Norbert Dünkel, CSU-Landtagsabgeordneter des Landkreises Nürnberger Land, teilte mit: "Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat. Wir werden mit allen Mitteln auf solche Aktionen reagieren." Die Gesellschaft rief er dazu auf, "Gesicht zu zeigen" und nicht zu schweigen oder sich hinter anonymen Mahnwachen zu verstecken. Gerade Personen des öffentlichen Lebens müssten sich noch sehr viel klarer und erkennbarer positionieren. Der Vorfall werde auch im Innenausschuss des Landtags thematisiert werden.

Bürgermeister Hacker hat für Mittwoch eine Solidaritätsveranstaltung angekündigt, an der sich auch die katholische und die evangelische Kirche beteiligen werden. "Wir wollen Flagge zeigen", sagt er. Flagge zeigen - das fordert Calik auch von den zuständigen Behörden: "Wir erwarten, dass gegen antimuslimischen, aber auch antisemitischen Terror härter vorgegangen wird, solche Fälle aufgeklärt und die Verdächtigen gefasst und bestraft werden."

© SZ vom 07.03.2020/wean
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