Mitten in Bad Reichenhall:Hanf und Salz, Gott erhalt's

Mitten in Bad Reichenhall: Mit der Sichel um den Salzstreuer? Lohnt sich nicht, heißt es aus dem Reichenhaller Rathaus.

Mit der Sichel um den Salzstreuer? Lohnt sich nicht, heißt es aus dem Reichenhaller Rathaus.

(Foto: Stadt Bad Reichenhall)

Auf einer Verkehrsinsel in Bad Reichenhall gedeihen prächtige Cannabis-Pflanzen. Wer's war, weiß keiner, aber es nutzt ja eh nichts.

Glosse von Matthias Köpf, Bad Reichenhall

Vielleicht, wenn die Kommunalwahl vor drei Jahren anders ausgegangen wäre. Damals hatte sich in Bad Reichenhall ja ein gewisser Hans Söllner um das Amt des Oberbürgermeisters beworben. Söllner wollte offenbar ins mittlere Management jener Obrigkeit vorstoßen, gegen die er vorher jahrzehntelang angesungen und angeraucht hatte. "Mei Voda hod an Marihuanabam", hieß es zum Beispiel in so einem Song aus den Achtzigern, mit dem Söllner noch deutlich erfolgreicher war als mit seinen 8,4 Prozent bei der OB-Wahl 2020.

Aber wenn er die gewonnen hätte, wer weiß, vielleicht hätten dann auch die sogenannten Stadtväter eine Marihuanaplantage anlegen lassen. So aber wird es wohl ein Rätsel bleiben, woher die ganzen Hanfpflanzen am Reichenhaller Salinenkreisel kommen.

Oder war es die Wirtschaft? Hat doch ein bekannter Bad Reichenhaller Markensalz-Hersteller erst Anfang 2021 versucht, "das neue Bio-Hanfsalz" in den Markt zu drücken. Aber das gab es angeblich eh nur in limitierter Auflage und so lange der Vorrat reicht. Möglicherweise ist es noch in den finsteren Ecken irgendwelcher Bahnhofsgegenden erhältlich, zu den gleichen Schwarzmarktpreisen wie davor. Aber für die Vermarktung über den firmeneigenen Online-Shop scheint der Vorrat schon nicht mehr zu reichen, weshalb solcherlei untergründiges Markensalz-Marketing am Salinenkreisel ja auch nicht mehr nötig wäre.

Hätte aber funktioniert, denn das obligatorische Kreisverkehrskunstwerk besteht im Salinenkreisel schon aus einem großen Salzstreuer. Und dieses Video mit den Hanfpflanzen ist dann ja wirklich viral gegangen in den sozialen Medien, so wie es sich Marketingleute wahrscheinlich im schönsten Salzrausch halluzinieren würden. Die Stadtverwaltung hat dem dann auch ohne Dienstanweisung von Hans Söllner noch eine Mitteilung hinzugefügt. Demnach waren es jedenfalls nicht die Stadtgärtner. Der Stadtgartenmeister habe als Quelle des Saatguts vielmehr die "Substratlieferung aus der Kompostieranlage" im Verdacht oder Vögel, welche die in manchen Vogelfuttermischungen enthaltenen Hanfsamen verbreitet haben könnten. Für Leute, die sich jetzt schon selber mit der Sichel aus dem Seitenfenster um den Salzstreuer kreiseln sehen, hat die Stadt auch noch eine wichtige Information: Ist nur reiner Industriehanf, "als Rauschmittel daher wirkungslos".

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