Porträt Die Affäre nimmt Maltz-Schwarzfischer mit

Dass sie aussieht, als sei nichts geschehen, das kann man nicht behaupten. Die Affäre nimmt sie mit, das spürt man. Wenn sie darüber spricht, zieht sie die Stirn in Falten. Nur sagt sie halt immer wieder Sätze, die zu den Stirnfalten nicht passen: "Ich wäre ganz vorsichtig, das alles schon für bare Münze zu nehmen, was jetzt an Vorfällen im Raum steht." Im Raum steht ja einiges: dubiose Parteispenden, ein fragwürdiger Beratervertrag, private Gefälligkeiten.

Die Vorwürfe betreffen teils OB Wolbergs, teils Alt-OB Hans Schaidinger (CSU), auch gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Ein Urteil will Maltz-Schwarzfischer trotzdem nicht sprechen. "Dass jetzt alle sagen: Alle waren immer bestechlich, das hat schon unter Schaidinger angefangen. Da sage ich: abwarten."

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Aufklären, aber irgendwie auch abwarten? Natürlich hat Maltz-Schwarzfischer nicht nur rumgeeiert in den vergangenen Wochen. Sie hat dem Vorschlag der Linksfraktion zugestimmt, Transparency International ins Rathaus zu holen, um ein "Signal zu geben, dass es uns sehr ernst damit ist", die Dinge aufzuklären. Und sie findet es gut, dass Wolbergs seine Parteiämter ruhen lässt. Sie hat das nur nicht so laut gesagt.

Hat dafür nicht die Fernsehkameras genutzt, wie einige Parteikollegen und mancher CSU-Stadtrat. Eben weil sie den Spagat machen muss zwischen Sorgenfresserin und Aufklärerin. Sie kann ja nicht alles stehen und liegen lassen, um jetzt die Vollzeit-Detektivin zu geben. Das geht schon wegen der ganzen Termine nicht, die sie jetzt hat, und Entscheidungen müssen nebenbei auch noch getroffen werden.

Dann erzählt sie von ihrem Besuch in der Straubinger Justizvollzugsanstalt, wo der Regensburger OB sechs Wochen lang in U-Haft saß. Sie hat einen Eindruck bekommen, wie sich Knast anfühlt. "Erschütternd", sagt sie. Vielleicht tut sie sich auch deshalb schwerer als andere, den OB hart anzupacken. Joachim Wolbergs ist ja nicht nur Oberbürgermeister, er ist auch Familienvater, das dürfe man nicht vergessen, sagt Maltz-Schwarzfischer. "Man muss einen Weg finden, wie man damit umgeht. Das ist auch belastend."

Maltz-Schwarzfischer ist jetzt der Boss

Draußen, vor ihrem Büro, hängen auf dem Rathausflur die Gemälde aller früheren Oberbürgermeister. Ganz rechts das Schaidinger-Porträt, auch Wolbergs wird wohl eines bekommen, egal wie die Affäre ausgeht. Und Maltz-Schwarzfischer? Reizt es sie gar nicht, das Amt ganz offiziell zu übernehmen, wenn die Affäre irgendwann rum ist? Dass Wolbergs zurückkehrt, gilt als ausgeschlossen, und irgendwann muss ja neu gewählt werden. "Es ist jetzt nicht so, dass ich sage: Das ist das, was ich schon immer machen wollte", sagt sie. "Das ist jetzt eben mein Job und ich mache das Beste draus". Dann schiebt sie nach: "Inzwischen mache ich es durchaus gerne."

Um die Ambitionen der Gertrud Maltz-Schwarzfischer zu durchblicken, könnte es hilfreich sein, ein zweites Mal zurückzublenden. Diesmal auf den 28. Februar, den Tag, als der Oberbürgermeister aus der U-Haft freikam. Kaum war er draußen, verschickte Maltz-Schwarzfischer eine Presseerklärung, um mitzuteilen, was eigentlich keiner Mitteilung bedurfte: Dass der OB suspendiert sei und dass er sein Amt auch nach der Haftentlassung nicht ausführen dürfe. Weiter schrieb sie: "Daher bleibt es bei der Vertretungsregelung und ich führe weiterhin die Dienstgeschäfte." Man kann das wohl getrost als Ansage verstehen: Der Boss im Rathaus, das bin jetzt ich.

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