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Porträt:Regensburger Sorgenfresserin

Regensburgs Oberbürgermeisterin, vertretungshalber: Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD).

(Foto: Stadt Regensburg)
  • Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist amtierende Oberbürgermeisterin in Regensburg, seit der derzeit suspendierte OB Joachim Wolbergs im Januar verhaftet wurde.
  • Die 56-Jährige sieht sich nicht als Detektivin oder Anklägerin - für die Aufklärung der Korruptionsaffäre sei die Staatsanwaltschaft zuständig, sagt sie.

Vielleicht muss man noch mal zurückblenden auf den 18. Januar, den Tag, als der Oberbürgermeister verhaftet wurde. Gertrud Maltz-Schwarzfischer, 56, sitzt im Alten Rathaus, Zimmer 18, und die Reporter wollen jetzt wissen, wie es weitergeht in dieser Stadt, die nicht mehr zur Ruhe kommt. Die Stadt, sagt sie, sei "handlungsfähig", die Verwaltung arbeite "stetig und konstant". Keine Sorge, es geht weiter, das ist ihre Botschaft. Und dieser unfassbare Sumpf, der sich in Regensburg aufgetan hat? Sie will darüber nicht reden. Sie sagt das, ihr Gesichtsausdruck sagt das, bis die Reporter aufhören zu bohren. Puh, geschafft.

Wer Gertrud Maltz-Schwarzfischer damals zusah, schien eine Frau zu sehen, die gegen ihren Willen hineingespült wurde in ein Amt, das ihr nicht gehört und das sie in Gottes Namen nicht haben will. Wer der selben Frau heute begegnet, der ahnt, dass er sich getäuscht hat. Dazu später mehr.

Nach ihrem Auftritt jedenfalls, damals, in Zimmer 18, haben nicht wenige gesagt: Da tut eine so, als gehe sie der Sumpf nichts an, als sei nichts geschehen in Regensburg. "Ich glaube, dass das falsch interpretiert wurde", sagt Maltz-Schwarzfischer. Es dürfe kein "Weiter so" geben, das habe sie nie behauptet. Und trotzdem: "Ich bin immer noch der Meinung, dass das richtig war, den Menschen zu sagen: Die Verwaltung funktioniert, ihr braucht euch keine Sorgen zu machen."

Gertrud Maltz-Schwarzfischer versteht sich als Sorgenfresserin. Das ist jetzt ihre Rolle. Die Rolle der Ankläger sollen die anderen spielen. Etwa SPD-Stadtrat Thomas Burger, der von einer "persönlichen Inszenierung zu Lasten der Partei" sprach, als der suspendierte OB Joachim Wolbergs (SPD) kürzlich bei einer Parteiveranstaltung auftrat. Er sprach das in die Kameras der Reporter, die vor dem Wirtshaus lauerten, wo die SPD-Fraktion tagte und wo auch Wolbergs seinen Auftritt angekündigt hatte. Dann fuhr Burger davon, noch bevor Wolbergs eintraf. Gertrud Maltz-Schwarzfischer schlich derweil durch den Hinterausgang aus dem Wirtshaus - und sagte, mal wieder, nichts.

Wer ist diese Frau, die jetzt die Chefin ist im Rathaus? Ein Blick auf die Homepage der Stadt: geboren in Oberfranken, Abitur in Regensburg, Studium der Archäologie. Sie liest gern, das steht da auch. Am liebsten Krimis, "ich mag Politik-Thriller", sagt Maltz-Schwarzfischer, die nun selbst mittendrin ist in einem politischen Krimi. Sie ist nicht Täterin und nicht Opfer, aber ihre Rolle ist tragend: Die zweite Bürgermeisterin ist plötzlich die Nummer eins. "Ich bin auf einen fahrenden Zug aufgesprungen. Und jetzt muss ich schauen, dass der Zug nicht entgleist."

Die Staatsanwaltschaft ist für die Aufklärung zuständig

Doch die Bürger erwarten noch mehr: Maltz-Schwarzfischer soll rausfinden, wie dieser Korruptionssumpf rund um eine dubiose Grundstücksvergabe entstehen konnte. Und aufklären, wie die Verwaltung derart die Kontrolle über den Oberbürgermeister verlieren konnte.

Oder etwa nicht? Natürlich gehe es darum, "in den eigenen Strukturen zu schauen, ob es Vorgänge gibt, die nicht korrekt laufen oder gelaufen sind". Aber: "Tatsächlich aufklären kann nur die Staatsanwaltschaft", sagt Maltz-Schwarzfischer.

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