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Pilzsaison:Schwammerldämmerung

Pilzsaison

Der Steinpilz, der König der Schwammerl, mag feuchtes Klima. Wegen der großen Trockenheit lässt er sich heuer nur selten blicken.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
  • Der Sommer war für Pilze viel zu trocken. Und auch jetzt im Herbst regnet es zu wenig.
  • In Franken gedeihen seit jeher mehr Pilze als im Rest Bayerns - der Boden ist dort kalkhaltiger.
  • An ganz bestimmten Stellen im Wald lassen sich trotzdem Schwammerl finden - aber, Achtung, es gibt rund 100 giftige Arten.

Von Hans Kratzer

"Bei den Schwammerln, na ja, da sieht es heuer nicht so gut aus", sagt der Pilzberater Alfred Hussong aus dem niederbayerischen Niederaichbach. Es ist nicht so, dass er bei seinen Exkursionen im Wald nichts gefunden hätte, er kennt ja eine Menge guter Schwammerlplätze. Aber die Ausbeute bei den meisten Schwammerlsuchern ist bislang doch sehr mager ausgefallen. Und wenn überhaupt Pilze gewachsen sind, dann gehörten sie oft zu den nicht essbaren Sorten.

"Insgesamt war der Sommer für die Schwammerl viel zu trocken", sagt Hussong. Und es ist auch jetzt im Herbst noch viel zu trocken. Die Myzelien in der Erde, aus denen sich die Pilze entwickeln, sind geschwächt. Schwammerl können nur bei entsprechender Wärme und Feuchtigkeit gut gedeihen.

Forstoberrat Markus Blaschke von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Weihenstephan gibt die Hoffnung aber noch nicht auf. "Wenn es im Oktober kräftig regnet, dann wachsen schon noch welche", ist er überzeugt.

Allerdings ist die Situation der Schwammerl in Bayern nicht überall schlecht. "Hier bei uns im Frankenwald findest du Pilze in Hülle und Fülle", sagt der Gastronom und passionierte Pilzesammler Josef Rebhan, der auch in diesem trockenen Sommer ganze Körbe voller Steinpilze, manche bis zu 800 Gramm schwer, gefunden hat.

Tatsächlich wachsen die Schwammerl in Nordbayern von Haus aus gut, da der Kalk im Boden für eine hohe Artenvielfalt sorgt. Auch in Tirol, etwa im Zillertal, sollen nach Aussage von Sammlern Steinpilze und Pfifferlinge inzwischen prächtig wachsen.

Viele Pilze sind ungenießbar

Fatal ist jedoch, dass ein Großteil jener Schwammerl, die in diesem Sommer überhaupt zu finden waren, nicht zum Verzehr geeignet waren. Die Pilzberater weisen deshalb dringend darauf hin, nur solche Schwammerl zu verspeisen, die man hundertprozentig kennt. Dass eine Pilzvergiftung tödlich enden kann, wird oft verdrängt.

Das Bayerische Gesundheitsministerium hat erst kürzlich vor der Vergiftungsgefahr durch Knollenblätterpilze gewarnt. Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Dutzende Menschen dürften ihm jährlich zum Opfer fallen. Er wächst von August bis Oktober in Laub- und Mischwäldern und wird immer wieder mit dem Waldchampignon verwechselt.

Zuletzt starb ein 16 Jahre alter syrischer Flüchtling in der Uniklinik Münster, weil er Knollenblätterpilze gegessen hatte. Die Zahl der Vergiftungen ist in diesem Sommer deutlich angestiegen, vor allem Flüchtlinge waren betroffen. "Einen Champignon und einen Knollenblätterpilz könnten sogar Experten verwechseln, wenn das Licht ungünstig ist", sagt Pilzexperte Blaschke. Ärzte der Uniklinik Hannover vermuten, dass es in Syrien einen essbaren Pilz gibt, der dem Knollenblätterpilz stark ähnelt.

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