Mitten in Bayern:Pünktlich wie in Österreich

Mitten in Bayern: Go Ahead gehört jetzt zum österreichischen Staatskonzern ÖBB. Das macht vielen Schwaben Hoffnung.

Go Ahead gehört jetzt zum österreichischen Staatskonzern ÖBB. Das macht vielen Schwaben Hoffnung.

(Foto: Johannes Simon/Johannes Simon)

Die ÖBB übernehmen Go Ahead und damit den Betrieb auf vielen Bahnstrecken in Schwaben. Selten ist ein Export aus Österreich so sehnsüchtig erwartet worden im Freistaat.

Von Florian Fuchs

Die Österreicher kommen! Das ist, mit Verlaub, historisch betrachtet nicht immer eine gute Nachricht gewesen für Bayern, außer vielleicht im Fußball. Jetzt aber kommen die ÖBB, die Österreichischen Bundesbahnen, und selten ist ein Export aus dem Nachbarland so sehnsüchtig erwartet worden im Freistaat. Die ÖBB übernehmen Go Ahead und damit die wichtige Bahnstrecke zwischen München und Augsburg, die ebenso wichtige Ausflugsstrecke zwischen München und Lindau sowie viele andere Strecken im Norden Schwabens und im Allgäu. Die Erwartungshaltung ist klar: Zugführer müssen nicht gleich wie in Japan mit Gehaltskürzung rechnen, bloß weil sie mal eine Minute zu spät kommen. Bei zwei Minuten sollte ihrer Gewerkschaft GDL aber klar sein, worauf sie sich einzustellen hat.

Denn Pünktlichkeit ist der Anspruch der ÖBB, laut Selbstbeschreibung eine der zuverlässigsten Bahnen Europas. Und das wär ja mal etwas Neues hierzulande, nicht nur zwischen München und Augsburg. Am Anspruch Pünktlichkeit ist Go Ahead krachend gescheitert, zumindest aber haben Passagiere bequem, mit Beinfreiheit und Steckdosen auf die verspätete Einfahrt in den nächsten Bahnhof gewartet - modern sind sie ja, die blauen Züge. Wobei Go Ahead zuletzt immer unverblümter die Deutsche Bahn und ihre marode Infrastruktur für alles Unheil verantwortlich gemacht hat, das den Fahrgästen rund um Augsburg widerfahren ist.

Die ÖBB sind da deutlich raffinierter, die Gemeinheiten verstecken sie in der Information über die Übernahme eher zwischen den Zeilen. "Wir freuen uns darauf, unser Know-how mit unseren neuen Kolleg:innen zu teilen", gendert etwa ÖBB-Chef Andreas Matthä. Die ÖBB, heißt es auch, seien das "Rückgrat des öffentlichen Verkehrs" in Österreich. In Deutschland, so kann man das verstehen, gibt es auf der Schiene halt wenig Rückgrat, und Know-how schon gar nicht.

Zaubern können aber selbst die ÖBB nicht, deshalb werden auch von ihnen betriebene Züge wegen Stellwerksproblemen warten müssen, wegen entgegenkommenden Zügen oder weil ein vorausfahrender Zug noch den Streckenabschnitt blockiert. An den aktuellen Angeboten und Fahrplänen ändert sich bei Go-Ahead Deutschland nichts, schreiben die ÖBB. Das ist ernüchternd für alle Pendler, die dachten, in Zukunft zum Abendessen zu Hause zu sein. Immerhin: Falls es noch mal schneit, sollte nichts mehr schiefgehen. Schnee macht Österreichern nun wirklich nichts aus.

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