Oberpfalz Handgemachtes Bier und bodenständige Brotzeit

Zum Essen gibt es für die Besucher dort eine schmackhafte, bodenständige Brotzeit, natürlich auch hausgemacht. Anders als herkömmliche Wirtshäuser sind Zoigl-Stuben nicht das ganze Jahr über geöffnet. In jedem Ort verständigen sich die Beteiligten, wer an welchem Wochenende öffnet und dann ausschließlich das von ihm selbst gebraute Zoigl-Bier ausschenkt.

Wer gerade dran ist, lässt sich leicht festzustellen. Der Betreffende hängt nämlich zwei zu einem sechszackigen Stern ineinandergeschobene Dreiecke weithin sichtbar über seine Haustüre. Der Brauerstern gilt als handwerkliches Zeichen der Brauer und Mälzer. Woher dieses Symbol stammt ist umstritten. Das Jüdische Museum in München, das zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes gerade in einer Ausstellung jüdische Braugeschichten erzählt, sieht eine historische Verwandtschaft zwischen von Davidstern und Brauerstern samt der Oberpfälzer Zoiglstern-Variante.

Andere Historiker sehen letztere eher in einer gedanklichen Linie mit Kräuterbuschen, Besen oder andere "Bierzeigel", die von alters her vor die Türe gehängt wurden, um weithin sichtbar anzuzeigen, das im betreffenden Anwesen gerade hausgemachtes Bier ausgeschenkt wird. Ähnlich also jenem Prozedere, das von Winzern in vielen Weinanbaugebieten gepflegt wird.

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Für Künstler Neugirg ist die Frage der Herkunft des Zoiglsterns historisch spannend, gleichwohl aber von sekundärer Bedeutung. Er betont vielmehr die Gemeinschaft, die hinter allem steht. Die Gemeinschaft der Braurechtsinhaber in einem Ort, gemeinsam ein Kommunbrauhaus zu führen und dort ihr Bier zu brauen. Und die Gemeinschaft in den Zoigl-Stuben. "Beim Zoigl sitzt der Millionär neben dem Hilfsarbeiter und der Chefarzt neben dem Hartz-IV-Empfänger", sagt Neugirg. "Und vom 16- bis zum 90-Jährigen trifft man jede Altersgruppe."

Immer mehr Gäste interessieren sich für die Tradition

Jahrzehntelang war der Zoigl-Brauch eine lokale Angelegenheit in den jeweiligen Ortschaften. Erst seit einigen Jahren lebt er wieder auf. Immer mehr Gäste von außerhalb kommen zum Zoigl. Beim Versuch, ihre spezielle Kunst des Bierbrauens in einer Kommunbrauerei samt den Namen Zoigl als geografisch geschützte Angabe nach EU-Recht offiziell feststellen zu lassen, blitzten die Oberpfälzer jedoch zunächst beim europäischen Marken- und Patentamt und dann vor dem Bundespatentgericht ab.

Widerstand kam dort vor allem von herkömmlichen Brauereien, die ebenfalls Zoigl auf eine ihrer Biersorten drucken. "Die große Lobby der Brauereien war am Ende halt stärker", sagt Reinhard Fütterer, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft "Echter Zoigl vom Kommunbrauer". Also versuchen sie, ihren "Zaubertrank der Oberpfalz" (BR) wenigstens mit einem inzwischen geschützten Logo zu vermarkten. Wenn auch mit der gebotenen Zurückhaltung. Denn eines soll aus dem Zoigl ja niemals werden: Ein kommerzieller Trunk für das Massengeschäft.

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