Oberpfalz Das Kainzbachtal ist ein Naturjuwel

Der Erfolg kam schnell, das Kainzbachtal ist wieder ein Naturjuwel, das so seltene Libellen wie die Grüne Keiljungfer besiedeln. Auch Schwarzstörche und Waldwasserläufer haben dort Reviere. Und auf den sonnigen, mageren Wiesen am Talrand kann man den Violetten Feuerfalter beobachten. Die Art ist hoch gefährdet. So wie das Brand-Knabenkraut, das wieder an den Hängen des Kainzbachtals gedeiht.

Die Renaturierung des Kainzbachtals ist nur eines der vielen Naturschutzprojekten der Tännesberger. Auch an der Südseite ihres Schlossbergs, auf dessen Gipfel noch Überreste einer mittelalterlichen Burg zu sehen sind, haben sie den Wald umgelegt und die vormaligen Magerwiesen wiederhergestellt. Heute weiden dort Schafe und Ziegen. Toni Wolf, der "Motor unserer Biodiv-Gemeinde", wie sie in Tännesberg sagen, hat auch eine Streuobstwiese nach der anderen anlegen lassen - bis der Markt Bayerns längsten Obst-Lehrpfad hatte. Er ist sieben Kilometer lang.

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Nicht alle Initiativen waren freilich so erfolgreich. Das Rebhuhn-Projekt etwa steht vor dem Scheitern, obwohl sich die Tännesberger sehr bemüht haben um die Wildvögel. Sie haben Blühflächen angelegt und Feldraine, wie sie die Wildvögel brauchen. Sie haben die Bauern überzeugt, alte Getreidesorten wie Emmer und Einkorn anzubauen und auf Agrarchemie zu verzichten. Denn sie spielt nicht nur den Rebhühnern übel mit, sondern auch Feldlerchen, Braunkehlchen und anderen Wildtieren. "Aber alles hat nichts gefruchtet", sagt Wolf. "Die wenigen Rebhühner hier auf unsere Fluren pflanzen sich nicht mehr fort."

Überregional bedeutsam ist indes das Rotvieh-Projekt. Rotvieh ist eine alte rot- bis dunkelbraune, einst weit verbreitete Rinderrasse. Die Tiere sind klassische Dreinutzungsrinder. Sie liefern nicht nur Milch und Fleisch. Sondern leisteten früher wichtige Spanndienste beim Pflügen, zogen Wagen und halfen beim Holzrücken. Mit der Milch- und der Fleischleistung der inzwischen in den Landwirtschaft üblichen Hochleistungsrinder können sie aber nicht mithalten. Daher schafften die Bauern das Rotvieh ab, die Rasse drohte auszusterben.

"Für uns ist das Rotvieh aber sehr interessant", sagt Wolf. "Wir haben ja viele Wiesen, die wir um des Naturschutzes willen extensiv bewirtschaften wollen. Dafür sind die Tiere optimal." Also kauften Wolf und seine Unterstützer eine sogenannte Starterherde zusammen, damit interessierte Bauern mit der Zucht beginnen konnten. Heute gibt es in Tännesberg drei Rotvieh-Herden mit zusammen 80 Tieren. Und von dem Markt aus hat die Rasse eine kleine Renaissance erlebt. "Wir haben in Bayern wieder einen Rotvieh-Zuchtverband", sagt Wolf. "Er zählt etwa 40 Halter mit insgesamt tausend Rindern."

Nun fährt Tännesberg abermals Lohn ein für seine Verdienste. Aus der Modellgemeinde heraus soll ein Netzwerk von Biodiversitätsgemeinden quer durch Bayern entstehen. Zehn kleinere und mittlere Kommunen - das oberbayerische Stephanskirchen etwa, das schwäbische Kettershausen und das unterfränkische Lohr am Main - wollen es Tännesberg nachmachen und auf ihren Fluren allerlei Naturschutzprojekte starten. Diesen Freitag findet das erste Treffen des Netzwerks statt.

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