Nürnberg 63 angebliche Hitler-Gemälde in Auktionshaus sichergestellt

Unter anderem diese Hitler-Bilder dürfen nicht versteigert werden.

(Foto: Weidler)
  • Am Samstag sollten 26 Bilder mit den Signaturen "A.H." oder "A. Hitler" in Nürnberg versteigert werden.
  • Diese und weitere Gemälde hat die Staatsanwaltschaft nun sichergestellt. Sie hat den Verdacht, dass "diese Werke nicht von Hitler stammen".
  • Andere für Samstag im Katalog aufgeführte Gegenstände wurden jedoch nicht sichergestellt.
Von Olaf Przybilla

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat im Nürnberger Auktionshaus Weidler insgesamt 63 Gemälde mit der Signatur "A.H." oder "A. Hitler" sichergestellt. Davon waren 26 Bilder für eine Auktion am diesem Samstag gedacht.

Weitere Gegenstände, die ebenfalls im Katalog aufgeführt waren, wurden nicht sichergestellt, sagte die Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke. Es handele sich dabei um eine Tischdecke, eine Vase, laut Katalog angeblich eine "Spezialanfertigung f. AH", sowie einen Korbstuhl, der nach Angaben im Katalog angeblich aus "Hitlers Privatbesitz" stammen soll. An diesen Objekten seien verfassungswidrige Kennzeichen abgedeckt gewesen, sagte die Staatsanwältin, es gebe insofern keine Hinweise auf Straftaten.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Moment gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und versuchten Betrugs. Man habe den Verdacht, dass "diese Werke nicht von Hitler stammen", sondern die Werke lediglich mit Signaturen versehen worden seien. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass Anbieter diese Werke dem Auktionshaus angeboten hätten "in Kenntnis, dass diese nicht von Hitler stammen". Vielen der angeblichen Hitler-Werke lagen Expertisen bei, diese "könnten unzutreffend sein", sagte Gabriels-Gorsolke. Man müsse nun in einem ersten Schritt feststellen, ob es sich um Originale handele. Und falls nicht, was die verschiedenen Einlieferer in der Besitzkette von diesem Umstand womöglich gewusst haben.

Diese Ermittlungen werden voraussichtlich länger andauern. Die Staatsanwaltschaft musste die Werke lediglich sicherstellen, nicht aber beschlagnahmen, da das Auktionshaus die Werke freiwillig übergeben hat. Bis zur Klärung des Sachverhalts hat die Staatsanwaltschaft nicht vor, diese Werke zurückzugeben. Die Ermittlungen kamen durch den Hinweis eines Experten in Gang. Dieser hatte mitgeteilt, dass bei der Auktion Expertisen vorlägen, die zweifelhaft sind. Bei einer Berliner Auktion waren durch den Hinweis desselben Spezialisten bereits ähnliche Bilder beschlagnahmt worden. Fünf Werke für die Nürnberger Auktion stammen vom selben Einlieferer, der auch in Berlin Bilder zum Verkauf gestellt hatte. Trotzdem ermittle man vorläufig gegen Unbekannt.

Auf Urkundenfälschung stehen bis zu fünf Jahre Haft. Gegen das Auktionshaus wird nicht ermittelt, die Mitarbeiter werden als Zeugen befragt, sagte Gabriels-Gorsolke. Das Haus hat inzwischen reagiert und 26 Werke in ihrem Online-Katalog mit einem "Entfällt" versehen. Fünf angebliche Hitler-Aquarelle standen am Donnerstagvormittag weiterhin zum Verkauf, das teuerste davon für 45 000 Euro.

Das Haus hatte in den vergangenen Jahren schon mehrmals angebliche Hitler-Bilder versteigert. Eines davon brachte 130 000 Euro ein. Auf Kritik hatte das Haus reagiert, "Hitlers Hinterlassenschaften" seien "nun mal da". Es sei angeblich die Stadt Nürnberg, die "diesen Weg quasi" vorgehe, indem sie sich auf dem Reichsparteitagsgelände ebenfalls um Hitlers Hinterlassenschaften kümmere. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hatte die bevorstehende Auktion am Mittwoch in der Süddeutschen Zeitung als "einfach stil- und geschmacklos" kritisiert.

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