Nürnberg Wie die Versteigerer von Hitler-Schmuddelkram Nürnbergs Ruf zerstören

130 000 Euro für dieses Bild eines bestenfalls fünfklassigen Kunstmalers: Ein echter "Führer" bringt eben immer noch viel ein.

(Foto: dpa)

Das Haus Weidler spannt mittlerweile sogar Promis wie Mario Götze und Verona Pooth für ihre Werbezwecke ein. Ob die Hitler-Bilder echt sind, kann kaum jemand feststellen. Gute Geschäfte lassen sich damit aber trotzdem machen.

Eine Kolumne von Olaf Przybilla

Ob Mario Götze, Verona Pooth und Peter Maffay wissen, für wen sie da Werbung machen? Sie alle und einige andere Menschen mit bekannterem Namen finden sich als Bild im Schaufenster des Auktionshauses Weidler in Nürnberg. Wie alle diese Fotos entstanden sind, erschließt sich dem Betrachter nicht. Eines aber lässt sich feststellen: Im Gruppenfoto-mit-Promi-Machen dürften die Weidlers ziemlich unschlagbar sein. Das aber ist nicht der einzige Superlativ des größten Auktionshauses in Nordbayern. Auch im Hitler-Schmuddelkram-Versteigern haben sie sich in einer Szene, die sich dafür interessiert, einen herausragenden Ruf erworben.

Angefangen hat das vor etwa zehn Jahren im kleineren Rahmen und löste da noch Empörung aus. Die Stadt versuchte sogar, die Versteigerung vermeintlich von Hitler gemalter Bilder zu unterbinden. Immerhin steht das Auktionshaus an zentraler Stelle, direkt beim Dürer-Denkmal, und immerhin zeigt sich die Stadt äußerst bemüht, die braune Vergangenheit Nürnbergs aufzuarbeiten - da ist so ein miefender Zauber am Burgberg international nicht imagefördernd.

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Ein Verbot aber gelang nicht. Und so versteigerten die Weidlers immer weiter unappetitliche Devotionalien und haben sich als ausgewiesene Fachleute für Hitlereien unterm Hammer inzwischen offenbar weit nach vorne gearbeitet. Im letzten Jahr meldeten Journalisten, die noch zugelassen sind zur Versteigerung (was nicht auf alle zutrifft), einen neuen Rekord: 391 000 Euro für 14 angebliche Werke aus der Hand von Adolf H.

Nach Angaben der Weidlers bekommen sie selbst 20 Prozent aus dem Erlös, da kann man sich ungefähr ausrechnen, wie teuer dem Haus die Reputation der Stadt ist. Weil der Hitler-Handel zuletzt so schwunghaft funktioniert hat, kommen am Samstag nun schon 27 Arbeiten mit dem Vermerk "sign. A. Hitler" oder "AH" zum Aufruf, darunter ein vermeintliches Selbstporträt aus der vermeintlichen Frühphase eines definitiv fünftklassigen Aquarellisten. Ob es echt ist? Das kann kaum jemand feststellen, dazu hätte der betreffende Maler einen eigenen Stil entwickeln müssen. Hat er aber nicht. Leuten, die so was ersteigern, scheint das aber egal zu sein. Genauso wie den Weidlers der Ruf von Nürnberg.