Neues Brettspiel Kini auf dem Küchentisch

Im Spiel "Die Schlösser des König Ludwig" bauen ein bis vier Spieler das perfekte Schloss für den bayerischen Regenten nach.

(Foto: bézier games)
  • Welche Schlösser hätte König Ludwig nach Neuschwanstein noch gebaut? Vielleicht ein Anwesen mit royaler Kegelbahn, bei dem das Gesindehaus neben einer größeren Venusgrotte liegt?
  • In einem Brettspiel von dem Amerikaner Ted Alspach kann man jetzt die Schlösser des bayerischen Märchenkönigs nachbauen.
  • Dabei zählt vor allem eines: Möglichst extravagant bauen.
Von Daniel Wüllner

Gemeinsam mit dem Theatermaler Christian Jank hat König Ludwig II. eine der bekanntesten deutschen Sehenswürdigkeiten entworfen: Schloss Neuschwanstein. Bevor die ersten Steine aufeinander gesetzt wurden, forderte der bayerische Regent gründlichste Planung. Jeder neue Raum musste von ihm auf Verwendungszweck, Größe, Beschaffenheit und Anzahl der Türen geprüft werden. Am Ende hat der Bau des Märchenschlosses 25 Jahre gedauert. Nur wenige Monate vor der Fertigstellung starb der bayerische Regent im Alter von 40 Jahren.

Welche Schlösser König Ludwig nach Neuschwanstein noch gebaut hätte? Vielleicht ein Anwesen mit royaler Kegelbahn, bei dem das Gesindehaus neben einer größeren Venusgrotte liegt? Eine solche Anordnung findet sich weder auf Linderhof noch auf Neuschwanstein. Auch Herrenchiemsee kann nicht mit Besonderheiten wie einem Eisenbahnzimmer aufwarten.

Die Bayern wissen, dass ihr König ein wenig extravagant war

Am Küchentisch lassen sich die prunkvollen Bauvorhaben des Kini nun fortzusetzen. Auf der diesjährigen Spielemesse in Essen hat Spieleautor Ted Alspach sein Brettspiel "Die Schlösser des König Ludwig" vorgestellt. Bunt bedruckte Schablonen aus Karton symbolisieren die einzelnen Räume - im Lauf des Spiels entstehen aus Zimmern, Gängen, Grotten, Gärten langsam neue Traumschlösser.

So wie viele Amerikaner ist Alspach geradezu verrückt nach Schloss Neuschwanstein. Er selbst geht mit dem Begriff "verrückt" aber lieber sparsam um - zumindest auf deutsch. Obwohl der englische Titel seines Brettspiels "The Castles of Mad King Ludwig" lautet, möchte er den bayerischen Regenten in der deutschen Ausgabe lieber nicht mit diesem Adjektiv beschreiben. Freunde vom Münchener Spielverlag "Hans im Glück" hätten ihm davon abgeraten, sagt Alspach: "Die Bayern wissen, dass ihr König ein bisschen extravagant war. Doch würden sie nie ein Spiel kaufen, das seinen Geisteszustand hinterfragt."

Zur Entwicklung des Spiels hat Alspach eine Menge recherchiert, mehrere der Schlösser besucht und viele Originalräume, wie das Berchta-Zimmer (Schreibzimmer der Königin Marie) und die Hundinghütte, eine Blockhütte im Park von Linderhof, ins Spiel aufgenommen.

Auf der Spielemesse in Essen posiert Ted Alspach vor dem englischen Titel des Brettspiels.

(Foto: Daniel Wüllner)

Das Ergebnis ist ein Legespiel, bei dem ein bis vier Baumeister das perfekte Schloss für den bayerischen Regenten bauen müssen. Jeder Spieler beginnt mit einer Eingangshalle und 15 000 Mark. In jeder Runde kann ein neuer Raum erworben werden. Aber nicht in jeder Runde steht die volle Auswahl an Zimmern zur Verfügung. Wenn gerade zufällig nur Kellerräume feilgeboten werden, steigt die Attraktivität von Stiegenhäusern enorm, da nur diese das Unter- mit dem Erdgeschoss verbinden können.

Mit jedem neu angebauten Raum wächst das Schloss und je größer das königliche Anwesen wird, umso mehr Punkte streicht der Baumeister ein. Doch nicht nur das, jeder Raum löst bei seiner Fertigstellung eine besondere Eigenschaft aus: Gärten bringen zusätzliches Geld, Speisezimmer einen weiteren Zug. Am Schluss gewinnt der Baumeister mit den meisten Punkten. Extrapunkte gibt es, wenn geheime Ziele erfüllt werden - wenn zum Beispiel alle zur Verfügung stehenden Raumgrößen verbaut wurden - und wenn das eigene Schloss am genausten den Wünschen des Königs entspricht.

Brettspiel - Ludwigs Traumschloss

Die Märchenschlösser von König Ludwig zum Nachbauen.

Wünscht sich König Ludwig viele runde Räume, die möglichst wenige Ausgänge bieten, dann steigt die Nachfrage nach diesen Räumen. Den Rest regelt der Markt. Je nach Spielverlauf lohnt es sich am Ende mal mehr, mal weniger, einen günstigen Thronsaal zu errichten, im Keller ein bodenloses Loch zu graben oder gleich eine Sauna ins Schloss einbauen zu lassen.

Das Spiel lädt ein, sich Geschichten auszudenken

Dass dieses Schloss nicht dreidimensional existiert, ist nebensächlich, denn das Brettspiel weckt die Phantasie der Spieler. Es lädt ein, sich Geschichten auszudenken: Was passiert wohl in einem Schloss, in dem das Gesindehaus direkt neben den Schlafgemächern der Königin liegt? Dem König wird das sicherlich nicht recht sein. Aber der lauscht wohl gerade drei Räume weiter in der Venusgrotte Richard Wagners Oper "Tannhäuser", während sich das Dienstpersonal von der Küche zur Kegelbahn schleicht.

"Die Schlösser des König Ludwig" ist ein unterhaltsames Brettspiel, das einlädt, mit Christian Jank und Eduard Riedel zu konkurrieren. Im Gegensatz zu König Ludwigs Architekten und seinem Hofbauintendant braucht der Spieler aber keine 25 Jahre, um sein ganz persönliches Schloss Neuschwanstein zu bauen. An einem einzigen geselligen Abend mit Freunden oder Familie entstehen in zwei Stunden gleich ein bis vier solcher Prunkschlösser. Durch jedes einzelne wird der Märchenkönig am Ende einer Partie lustwandeln und die Konstruktion kritisch bewerten.

Das Brettspiel "Die Schlösser des König Ludwig" (45,95 Euro, Bézier Games) ist für ein bis vier Spieler ab 13 Jahren geeignet und dauert ca. 90 Minuten. Es ist nicht in jedem Fachgeschäft erhältlich. Spieleversandshops im Internet führen das Spiel.