Naturschutzbehörde:Gutachten statt Naturschutzrecht

Naturschutzreferenten sind Beamte mit einer 40-Stunden-Woche und 1594 Stunden Jahresarbeitszeit. 506 Stunden oder 32 Prozent davon, so hat es die Personalabteilung des Landratsamts Miesbach einmal ausgerechnet, gehen allein für Gutachten und Stellungnahmen drauf, die nichts mit dem Naturschutzrecht zu tun haben. Gleichwohl sind sie der größte Posten von Faas' Jahresarbeitszeit. An anderen Landratsämtern ist das nicht anders, sagen Experten.

Die zweite, sehr zeitintensive Aufgabe von Faas hat nur indirekt mit Naturschutz zu tun. Sie ist die Abwicklung von Förderprogrammen. Die Profiteure sind zumeist Bauern. Sie erhalten Geld dafür, wenn sie ihre Wiesen erst mähen, nachdem die Blumen darauf verblüht sind. Oder wenn sie Büsche, Hecken und Hage pflegen, damit Insekten, aber auch Hasen, Rehe und Vögel dort Unterschlupf finden. Für viele Landwirte sind die Förderprogramme ein willkommener Zusatzverdienst. Aufs Jahr gesehen verschlingt ihre Abwicklung 327 Stunden oder gut 20 Prozent der Arbeitszeit von Faas.

Erst an dritter Stelle in Faas' Zeitbudget folgt der klassische Naturschutz, der "fachliche Arten- und Biotopschutz", wie er auf Amtsdeutsch heißt. 260 Stunden im Jahr oder knapp 19 Prozent seiner Arbeitszeit verwendet Faas auf die Kartierung von Biotopen, die Ausarbeitung von Managementplänen für das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000, die Koordination von Artenschutzprojekten und anderes mehr. Dabei war es einst diese fachliche Arbeit, wegen der Faas wie viele seiner Kollegen an die UNB gegangen ist. Die übrige Jahresarbeitszeit verteilt sich auf interne Verwaltungstätigkeiten, Öffentlichkeitsarbeit und Ähnliches, wie sie in anderen Behörden ebenfalls anfallen.

Was den Arbeitsanfall insgesamt anbelangt, geht es den UNB wie anderen Behörden. Er steigt permanent an, vor allem bei den Bausachen. Der Grund sind immer neue Vorschriften und Vorgaben, mit denen Verwaltungen generell konfrontiert sind. Der Landkreis Miesbach hat deshalb schon vor vier Jahren auf eigene Rechnung eine zusätzliche halbe Stelle an der UNB geschaffen - obwohl dies eigentlich Aufgabe des Freistaats wäre. Doch der verweigert sich, obwohl die Staatsregierung vor bald 20 Jahren beschlossen hat, jede UNB mit drei Naturschutzreferenten auszustatten.

Erst kürzlich unternahm die Staatsregierung unter Noch-Ministerpräsident Horst Seehofer einen neuen Anlauf und wollte an acht UNB je eine zusätzliche Planstelle schaffen. Die CSU-Fraktion sträubte sich abermals. Erst auf Druck des designierten Ministerpräsidenten Markus Söder lenkte sie ein.

Dabei, so sagen selbst CSU-Politiker wie der Deggendorfer Landrat und Landkreistag-Chef Christian Bernreiter, sind auch die verbleibenden 40 zusätzlichen Planstellen überfällig. "Die UNB", sagt Bernreiter, "sind nicht nur wichtig für den Naturschutz. Sondern auch dafür, dass die Wirtschaft funktioniert." In Irschenberg setzt Bürgermeister Schönauer darauf, dass der Naturschutzreferent Faas ihn weiter bei allen Fragen rund um das Gewerbegebiet an der A 8 unterstützt.

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