Naturschutz Wilderer machen Jagd auf geschützte Vögel

Der Schwarzstorch kommt in Deutschland extrem selten vor.

(Foto: dpa)
  • Mäusebussarde, Rotmilane und sogar ein Schwarzstorch fallen Naturfrevlern in ganz Bayern zum Opfer.
  • Sie werden geschossen oder auch vergiftet.
  • Die meisten Fälle gibt es im Landkreis Cham im Bayerischen Wald, der bereits in der Vergangenheit durch illegale Abschüsse von Luchsen bekannt geworden ist.
Von Christian Sebald

In verschiedenen Regionen Bayerns machen dieser Tage Wilderer wieder massiv Jagd auf Rotmilane, Mäusebussarde und andere streng geschützte Vögel. Ein besonders krasser Fall ereignete sich im Allgäu bei Oberstaufen. Dort schoss ein Unbekannter unlängst einen Schwarzstorch ab. Ein Wanderer entdeckte den Kadaver und fotografierte ihn.

Nach Angaben des Vogelschutzbundes LBV stammte das Tier ursprünglich aus dem Landkreis Tirschenreuth, wo es im vergangenen Jahr als Jungvogel beringt worden war. Schwarzstörche sind hierzulande sehr selten. Bayernweit gibt es nur ungefähr 230 Schwarzstorchreviere. Die Art ist streng geschützt, ein illegaler Abschuss eines Schwarzstorchs kann mit bis zu 50 000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Bartgeier Auf der Suche nach Aas
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Zentrum der aktuellen Naturschutzstraftaten ist freilich erneut der Landkreis Cham im Bayerischen Wald, der bereits in der Vergangenheit durch illegale Abschüsse von Luchsen bekannt geworden ist. Bereits im April waren dort die Kadaver von sechs Mäusebussarden und Rotmilanen entdeckt worden. Inzwischen wurden in dem Gebiet zwei weitere Greifvogelkadaver gefunden. Auch diese acht Tiere sind offenkundig gewildert worden. Zwei wurden abgeschossen, drei andere vergiftet. Bei den übrigen drei besteht der starke Verdacht, dass sie ebenfalls vergiftet worden sind.

Allerdings waren ihre Kadaver bereits so verwest, dass die Todesursache nicht mehr eindeutig aufgeklärt werden konnte. Dem LBV zufolge ist es zudem wahrscheinlich, dass die Tiere von gezielt ausgelegten, mit Gift präparierten Kadavern fraßen und daran starben. "Denn das Gift, das in ihnen nachgewiesen worden ist, ist ein sehr gefährliche Substanz, die bereits in geringen Mengen tödlich ist", sagt der LBV-Mann Markus Schmidberger, "außerdem wirkt es schon bei Hautkontakt."

Es wäre nicht das erste Mal, dass im Bayerischen Wald ein Wilderer mit vergifteten Ködern Jagd auf Wildtiere macht. Nahe Rinchnach fiel vor fünf Jahren eine Luchsin einem mit Carbofuran präparierten Köder zum Opfer. Ihr Kadaver wurde nur entdeckt, weil das Tier im Rahmen eines Forschungsprojekts mit einem Sender ausgestattet worden war. Als die Luchsin an dem Gift gestorben war, schlug das Gerät Alarm. Aber auch in anderen Regionen Bayerns setzen Wilderer Carbofuran ein. Vor zwei Jahren legte ein Unbekannter im oberpfälzischen Beratzhausen auf einem Feldweg ein totes Huhn aus, das er mit dem seit 2008 verbotenen Pflanzenschutzmittel präpariert hatte. Ein Uhu fraß von dem Huhn und starb an dem Gift.

LBV stellt Belohnung für Hinweise auf den Täter bereit

Im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm sind ebenfalls ein oder mehrere Wilderer unterwegs. Binnen weniger Tage fielen ihnen zwei Rotmilane und zwei Bussarde zum Opfer. Ein Rotmilan wurde abgeschossen worden, die drei anderen Raubvögel wurden vergiftet. Bei den Bussard-Kadavern wurde ein totes Huhn gefunden, das als Köder ausgelegt worden war. Außerdem lagen dort zwei Fuchskadaver. Alle Tiere hatten offenbar von dem Huhn gefressen.

LBV-Chef Norbert Schäffer ist entsetzt über die Häufung der Straftaten. "Es gelingt nicht einmal, die primitivste Art der Naturzerstörung zu verhindern", sagt er. "Denn nichts anderes ist das gezielte Töten geschützter Tiere." In den Fällen des Allgäuer Schwarzstorchs und der Greifvögel im Bayerwald hat der LBV je 1000 Euro Belohnung ausgelobt für Hinweise auf die Täter.

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