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Naturschutz:Immer mehr Fischarten in Bayern sind gefährdet

Fischsterben Bayern Nase

Die Nase, ein bis zu 1000 Gramm schwerer Karpfenfisch, steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

(Foto: OH)
  • In Bayern gibt es 75 heimische Fischarten.
  • Sieben davon sind ausgestorben. 33 weitere sind vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet.
  • Schuld an der desolaten Lage sind unter anderem die Dämme, Deiche, Stauwehre und Kraftwerke, die den Lebensraum der Tiere zerstören.

Die Nase ist ein Flussfisch, der einst sehr häufig war in der bayerischen Donau und all ihren Zuflüssen. Die 25 bis 40 Zentimeter großen und bis zu 1000 Gramm schweren Karpfenfische mit dem graublau oder graugrün gefärbten, metallisch glänzenden Rücken treten in Schwärmen auf. Mit ihrem harten Unterkiefer und der scharfen Unterlippe weiden sie gerne Algen ab. Als Speisefisch wird die Nase wenig geschätzt. Die Gründe sind ihr weiches, eher geschmackloses Fleisch und vor allem ihre vielen Gräten. Heute ist die Nase ein sehr seltener Fisch in Bayerns Flüssen und Bächen. Auf der Roten Liste wird sie in Stufe zwei - stark gefährdet - geführt. So wie die Äsche, der Zingel, der Streber und viele andere Fischarten.

In Bayern gibt es 75 heimische Fischarten. So steht es im neuen Fischzustandsbericht, den die Landesanstalt für Landwirtschaft dieser Tage im Internet veröffentlicht hat. Sieben, darunter das Flussneunauge und die Meerforelle, sind ausgestorben. 33 weitere sind vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet. 17 Arten, unter ihnen die Bachforelle, stehen auf der Vorwarnliste. Das heißt, dass sie zwar noch nicht gefährdet sind, aber die Bestände so dramatisch zurückgehen, dass sie schon demnächst gefährdet sein könnten. Von fünf Arten haben die Experten so wenig Daten, dass sie sich eine Beurteilung nicht zutrauen. Damit summiert sich die Quote der heimischen Fischarten, um die es schlecht steht, auf beinahe 83 Prozent. Und würden die Fischereivereine nicht jahrein, jahraus Massen Jungfische in den Gewässern aussetzen, stünde es noch viel schlechter um die Fischwelt.

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"Der Fischzustandsbericht 2018 bestätigt erneut die miserable Situation unserer heimischen Fischbestände", sagt denn auch Albert Göttle, der Präsident des Landesfischereiverbands. "Zwei Drittel der Fischarten sind auf der Roten Liste als gefährdet ausgewiesen, viele ihrer ursprünglichen Verbreitungsgebiete sind verloren gegangen, die Populationen sind geschrumpft und die Individuenzahlen sind stark gesunken." Eine Umkehr des Negativtrends sei trotz der guten Arbeit der Fischereivereine nicht wirklich eingetreten. "Es braucht den Einsatz der Politik, damit sich die Situation der Fische endlich verbessert", sagt Göttle. Die Landtags-Grünen üben ebenfalls scharfe Kritik. "Es ist höchste Zeit, dass die Staatsregierung handelt", sagt der Grünen-Abgeordnete Patrick Friedl. "Die Fischpopulation in unseren Bächen und Flüssen ist massiv gestört."

Die Gründe für die desolate Lage sind seit Langem bekannt. Da sind in aller erster Linie die Dämme, Deiche, Stauwehre und Kraftwerke. Durch sie sind die meisten Lebensräume der Fische, aber auch der Krebse und anderen Wasserlebewesen zerstört worden. Ungefähr 90 Prozent der Flüsse und Bäche in Bayern sind begradigt und kanalisiert, sehr viele außerdem verschlammt, versandet und voller Nährstoffe. Letzteres liegt daran, dass viele Bauern bis an den Rand der Gewässer Gülle und Kunstdünger ausbringen. Verpflichtende, fünf Meter breite Randstreifen zwischen den Gewässern und den landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf denen nicht geackert werden darf, sind nur in anderen Bundesländern üblich. In Bayern gibt es sie nach wie vor nicht. Die Staatsregierung setzt bisher ausschließlich auf Förderprogramme für Bauern, die freiwillig solche Randstreifen einhalten. Das Ergebnis: Es gibt viel zu wenige Randstreifen.

Eine gewisse Rolle beim Leid der Fische spielt auch der immer intensivere Freizeitbetrieb auf den Gewässern und an ihren Ufern. Bisweilen sind dem Bericht zufolge auch Biber ein Problem, etwa wenn sie durch ihre Bauten Fischen die Wanderrouten versperren oder Gewässerabschnitte trockenlegen. Und natürlich können Fischfresser wie der Kormoran oder der Gänsesäger lokal Druck auf die Fischwelt ausüben. So wie auch der Klimawandel mit seinen heißen und trockenen Sommern wenig förderlich ist für die heimische Fauna und Flora in den Gewässern.

Fischer-Präsident Göttle fordert aber vor allem eines. "Überall in Bayern müssen endlich konsequent Gewässerrandstreifen eingerichtet werden", sagt er. "Nur so können wir unsere Flüsse, Bäche und Seen vor schädlichen Einträgen aus der Landwirtschaft schützen." Skeptisch beobachtet Göttle außerdem, ob die neue Staatsregierung sich wieder für den Bau neuer Wasserkraftwerke öffnet. Die Fischer und andere Naturschutzverbände hatten vor einigen Jahren die Gespräche über neue Wasserkraftwerke aufgekündigt, weil ihrer Überzeugung nach die Staatsregierung drauf und dran war, für sie die letzten annähernd natürlichen Fluss- und Bachabschnitte zu opfern. Der Grünen-Politiker Friedl fordert ebenfalls "verbindliche Gewässerrandstreifen". Sie könnten die "Überdüngung, Verschlammung und Versandung der Gewässer schnell und drastisch vermindern".

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