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Nahverkehr:Später könnte das Netz auf den Landkreis ausgedehnt werden

Die Regensburger Trambahnfans in einem historischen Wagen (von links): Jan Mascheck, Martin Kempter und Rainer Maria Kaetsch.

(Foto: Andreas Glas)

Auch Huber, 64, ist einer, der die Tram unbedingt will. Er ist Umweltreferent und Dritter Bürgermeister. Er sitzt in seinem Büro im Rathaus, auf dem Tisch ein Plan, der zeigt, wie das Tram-Netz aussehen könnte: wie ein umgedrehtes Ypsilon. Das Netz führt von Wutzlhofen im Norden ins Stadtzentrum, am Hauptbahnhof teilt es sich in zwei Linien in Richtung Süden; eine zur Uniklinik, die andere nach Burgweinting.

Redet Huber über die Tram, sagt er "Stadtbahn". So heißt das Projekt im Papier der Rathauskoalition aus SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP. Huber will die Tram, um so viele Autos wie möglich aus der Stadt rauszukriegen. Über den Autoverkehr sagt er: "Das ist unser größtes Problem."

Dass Huber die Straßenbahn zurückhaben will, hat mit Nostalgie nichts zu tun. Schon deshalb, weil Straßenbahnen nicht mehr rumpeln, heute sind das Hightech-Fahrzeuge. Außerdem, sagt Huber, "brauchen wir keine Ideologien, sondern Lösungen, die für die Lebensqualität gut sind". Diese Lebensqualität hat sich verändert seit 1964, als Regensburg die Straßenbahn abgeschafft und durch Busse ersetzt hat. Damals galt der Bus als Transportmittel der Zukunft, heute gibt es einige Argumente gegen den Bus.

Erstens: Pünktlichkeit. Es gibt in Regensburg Busspuren, doch weil der Verkehr zugelegt hat, steht auch der Bus mal im Stau. Die Tram dagegen würde auf einer eigenen Trasse am Stau vorbeifahren. Zweitens: Kapazität. In einen Gelenkbus passen nur rund 100 Leute, in eine Tram gehen mal locker doppelt so viele rein. Drittens: die Umwelt. In der Altstadt fährt ein Elektrobus, aber im übrigen Stadtgebiet trägt die Flotte dazu bei, dass die Luft in Regensburg dreckiger ist als in den meisten anderen Städten Bayerns. Und viertens gebe es da einen psychologischen Effekt, sagt Huber. "Die Schiene kann sich nicht verfahren", das schaffe Vertrauen. In eine Tram "steigen auch Leute, die nie in einen Bus steigen würden". Es gibt Studien, die Huber recht geben: Wird von Bus auf Tram umgestellt, steigt die Mitfahrerzahl teils enorm.

Im Stadtrat gebe es eine Mehrheit, sagt Huber. Er geht sogar davon aus, "dass wir eine einstimmige Entscheidung pro Stadtbahn kriegen". Eine Online-Befragung habe gezeigt, dass auch die Mehrzahl der Bürger die Tram will. Und es gebe ein Gutachten, das sagt, "dass unsere Idee keine Spinnerei ist" - und vor allem förderfähig. Etwa 450 Millionen Euro soll die Idee kosten, Huber rechnet mit Zuschüssen bis zu 90 Prozent durch Bund und Land.

Später könnte das Netz auf den Landkreis ausgedehnt werden. Im Straßenbahn-Verein sind sie dennoch skeptisch: "Ich glaube es erst, wenn ich es sehe", sagt Martin Kempter. Er fürchtet, dass die Politik einknickt, wenn sich zu viele beschweren, dass die Tram direkt vor ihrer Haustür fahren soll.

Auch Huber rechnet mit Widerstand. Letztens, als die Tramtrasse in Karlsruhe verlängert wurde, "sind die in jedem Wohnzimmer gesessen", um Überzeugungsarbeit zu leisten, "das wird uns genauso blühen". Auch bei Autofahrern gebe es Vorbehalte. Dabei gehe es "nicht um Stadtbahn gegen Auto", sondern darum, den Verkehr zu entzerren. "Wir brauchen die Stadtbahn, damit Autos überhaupt wieder in den Straßen fahren können."

Kommt die Stadtbahn, stellt sich auch die Frage, was mit Beiwagen Nummer 79 passiert. Der Straßenbahn-Verein musste viel Geld sammeln, um ihn herzurichten. Der alte Triebwagen soll ebenfalls hergerichtet werden. Jan Maschecks größter Wunsch ist, dass die alte Tram als Nostalgiebahn in der Maximilianstraße fährt, um dort die eher unbeliebte Fußgängerzone zu beleben. "Das wäre eine Attraktion, die keine andere Stadt zu bieten hat."

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