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Regensburg:Objekt Nr. 1 zieht ins Museum der Bayerischen Geschichte ein

Das Museum der Bayerischen Geschichte kommt nicht bei allen Regensburgern gut an.

(Foto: Andreas Glas)
  • Wegen eines Brandes verzögert sich die Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg, die ursprünglich für dieses Jahr geplant war.
  • Die Stadtgesellschaft lästert indes über das Gebäude am Donauufer.
  • Doch nun geht es endlich voran. Das erste Exponat ist in Regensburg eingetroffen.

Wenn man so will, ist am vergangenen Mittwoch etwas Historisches geschehen. Wer zufällig am Regensburger Donauufer spazierte, konnte das beobachten: Sechs Männer luden ein meterlanges Paket aus einem Lastwagen und trugen es ins neue Museumsdepot. Kurz darauf, um 14.28 Uhr, rollte der Lastwagen wieder davon. Der historische Moment war vorbei. Dass ihn kaum jemand mitbekam, dürfte Absicht gewesen sein. Denn offiziell hat der historische Moment noch gar nicht stattgefunden.

Offiziell wird "Objekt Nr. 1" des Museums der Bayerischen Geschichte erst an diesem Montag ins neue, frisch sanierte Depot "einziehen". So steht es in der Ankündigung des Festakts, bei dem das erste Exponat des Museums präsentiert wird: der sieben mal sieben Meter große Wandteppich, der von 1950 bis 2004 im alten Plenarsaal des Landtags hing. Angekündigt ist auch die "feierliche Übergabe" des als Depot vorgesehenen "Österreicher Stadels" durch die Stadt Regensburg an den Freistaat. Dass es etwas zu feiern gibt, ist für die Museumsmacher eine neue Erfahrung. Bislang waren sie vor allem mit Pech konfrontiert - und mit Lästereien.

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"Das war schon ein Schlag", sagt Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte und künftiger Leiter des Bayern-Museums. Er meint das Feuer, das im Juli 2017 einen Millionenschaden anrichtete. Wieso es auf der Baustelle brannte, wird wohl ein Rätsel bleiben. Die Ermittlungen der Polizei sind gescheitert, und gescheitert war nach dem Brand auch der Plan, das Museum 2018, im 100. Jubiläumsjahr des Freistaats, zu eröffnen. "Du sprintest, und dann haut dir jemand von hinten den Fuß weg. Das wirft dich regelrecht aus der Bahn", sagt Loibl.

"Genervt" haben Loibl die Lästereien in der Regensburger Stadtgesellschaft. "Klotzig", "Wellblechhütte", "Anblick des Grauens", "verschandelt die Silhouette" der Altstadt. Das sind einige Kommentare, die man im Netz über das Museum liest. Einer der Aufreger ist die großteils fertige Keramikfassade, deren Grau dunkler ist als in den Entwürfen. Dabei, sagt Loibl, sei "der dunkle Gesamtausdruck" bloß eine Momentaufnahme, weil die Fassade teils mit Folie abgeklebt sei. Erst wenn die dunkle Folie weg ist, könne man die Optik des Museums beurteilen. Und selbst dann werde das Grau der Fassade je nach Sonnenstrahlung variieren. Überhaupt müsse man den Bau von innen sehen, um ihn zu verstehen.

Das Innere des Museums ist auch so ein umstrittenes Thema. Zum Beispiel der Plastik-Löwe der Brauerei Löwenbräu, der sein "Lööööö-wen-brooii" jahrzehntelang auf der Münchner Wiesn brüllte - und künftig am Museumseingang sitzen wird. Spätestens seit die frühere Wiesnchefin Gabriele Weishäupl erzählte, dass sie ihr Dirndl als Exponat zur Verfügung stellt, fürchten manche ein Kitsch-Sammelsurium für Touristen. Die Anlegestelle für die Kreuzfahrtschiffe, die massenhaft nach Regensburg kommen, befindet sich direkt unterhalb des Museums am Donauufer.

Wie sich die Bayern vermarkten

Den Vorwurf, das Museum bediene nur Bier-und-Blasmusik-Folkolore, mag sich Loibl nicht gefallen lassen. Über den brüllenden Reklame-Löwen sagt er: "Das ist die Eigenvermarktung der Bayern." Auch ein Museum müsse "besucherorientiert" sein. Aber der Löwe sei ja nur eines von 600 Ausstellungsstücken, sagt Loibl. Als Gegenargument zur Folklore-Kritik nennt er die Jacke eines Überlebenden des Dachauer Konzentrationslagers, die ins Museum kommt. Loibls Lieblingsexponat ist der selbstgebastelte Heißluftballon, mit dem zwei Familien 1979 aus der DDR nach Naila in Oberfranken flüchteten.

Auch aus der Politik bekamen die Museumsmacher Misstrauen zu spüren. So äußerte die SPD-Landtagsfraktion den Verdacht, dass in Regensburg eine CSU-Ruhmeshalle entstehen könnte. Der Museumschef wies das zurück. Außerdem, sagte Loibl, könne er nichts dafür, dass die CSU die Regierungsmehrheit hat. Auch sei er "unschuldig daran, dass Franken nach Bayern eingegliedert wurde". Er sagte das, weil sich ein fränkischer Abgeordneter am eher unfränkischen Namen des digitalen Medienarchivs störte, das durch den Brand komplett beschädigt wurde und derzeit rückgebaut wird: die "Bavariathek".

Die Bavariathek wird auch gesperrt bleiben, wenn die Besucher am 9. und 10. Juni erstmals einen Blick ins Museum werfen dürfen - zumindest ins Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Dort wird unter anderem eine 360-Grad-Panoramaschau zu sehen sein: eine knapp halbstündige Filmschleife, in der Fernsehmoderator Christoph Süß in verschiedene Rollen schlüpft, um die bayerische Geschichte vor 1800 zu erzählen. Das übrige Museum wird sich mit der Zeit danach befassen. Die Exponate dafür müssen teils noch restauriert werden und werden in den kommenden Monaten nach und nach angeliefert - direkt ins Museum oder eben in den "Österreicher Stadel", das neue Depot, das an diesem Montag offiziell öffnet.

Das Museum öffnet mit einem Jahr Verspätung

Der 1672 erbaute Stadel steht direkt neben dem Museumskomplex. Drei Jahre hat es gedauert, ihn zu sanieren und hochwasserfest zu machen - für mehr als 7,5 Millionen Euro. Im Obergeschoss werden irgendwann 1500 Exponate lagern, im Parterre wurden Arbeitsräume für Restauratoren und Dokumentare eingerichtet. Das "Objekt Nr. 1", der Wandteppich, soll im Museum in einen originalgetreuen Teilnachbau des alten Plenarsaals integriert werden. Daneben sollen auf einem Bildschirm ausgewählte Landtagsdebatten der vergangenen Jahrzehnte flimmern.

Bis dahin wird es aber noch dauern. Den Plan, das Bayern-Museum heuer, zum 100. Geburtstag des Freistaats zu eröffnen, hat das Feuer ja durchkreuzt. Die Baukosten steigen deshalb von 67,3 auf 88,3 Millionen Euro. Als neuen Eröffnungstermin peilen die Museumsmacher den Mai 2019 an - und damit das hundertjährige Jubiläum der demokratischen Verfassung, die 1919 in Bamberg erlassen wurde. Auch kein schlechter Zeitpunkt, findet Richard Loibl: "Gut, dass es so viele Jubiläen gibt."

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